Folge der Love-Parade-Katastrophe: Kirmes ohne Füchschen-Zelt

Folge der Love-Parade-Katastrophe: Kirmes ohne Füchschen-Zelt

Wegen unklarer Sicherheitslage wird die Brauerei bei der Größten Kirmes am Rhein nicht dabei sein. Uerige-Chef Michael Schnitzler hat ebenfalls noch nicht entschieden, ob er dabei sein wird. Nach Love-Parade-Katastrophe verlangen die Behörden strenge Kontrollen der Gäste-Zahl.

Die Größte Kirmes am Rhein wird dieses Jahr auf eine ihrer zugkräftigsten Attraktionen verzichten müssen: Peter König, Inhaber der Brauerei Füchschen, bestätigte gestern, dass es auf der nächsten Kirmes kein Zelt seiner Brauerei mehr geben wird. Der Grund dafür sind die nach der Love-Parade-Katastrophe drastisch verschärften Sicherheitsauflagen. Diese Vorschriften gab es schon seit Jahren, aber seit den Toten von Duisburg werden sie mit äußerster Strenge auch umgesetzt.

Für die Zeltbetreiber auf dem Fest heißt das vor allem, dass sie Zahl der Gäste im Zelt erheblich senken müssen. Zwei, höchsten drei Personen pro Quadratmeter sind nun nur noch akzeptiert, mehr dürfen nicht eingelassen werden. Um diese Deckelung wirklich umsetzen zu können, braucht es also Kontrollen an den Eingängen, die die Kommenden und Gehenden zählen, stets die aktuelle Besucherzahl im Blick haben und notfalls die Zugänge sperren, weil das Limit erreicht ist.

"Wir haben keine Planungssicherheit"

Allein diese Eingangskontrolle erfordert jedoch einen Personal- und Organisationsaufwand, den die Gastronomen scheuen. Hinzu kommen weitere Auflagen, die nicht nur teuer sind, sondern von denen überhaupt nicht klar ist, dass sie überhaupt greifen. König am Mittwoch dazu: "Wir haben derzeit eine völlige unklare Lage und keine Planungssicherheit. Ich habe mich daher schweren Herzens entschlossen, unseren Auftritt für 2011 abzusagen."

Das wird ihn eine Menge Geld kosten, denn die Vorbereitungen laufen längst. Musiker und DJs sind gebucht, das Personal hat die Urlaubssperre für diese Zeit akzeptiert. Unterm Strich ist dem Wirt das Sicherheitsrisiko zu hoch, zumal man ihn wohl behördlicherseits darauf hingewiesen hat, dass es erhebliche Folgen hat, wenn es zu Unfällen kommt. König: "Mir hat ein Polizist gesagt, dass es sich um vorsätzliche Tötung handelt, wenn wir uns nicht an die Auflagen halten und ein Mensch zu Tode kommt."

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Vor allem irritiert den Gastronomen, dass z.B. die Situation auf dem Platz vor seinem Zelt nicht eindeutig geregelt ist. Sollte der Zugang wegen Erreichens des Gäste-Limits gesperrt werden, komme es vor dem Zelt —wo sich eh immer Tausende drängeln — zu einem Stillstand. Der, so ein externer Sicherheitsberater in einem Gutachten für die Brauerei, könne in eine sicherheitstechnisch unkontrollierbare Situation ausarten. Das jedoch ist dem Wirt zu riskant, und daher wirft er das Handtuch.

90.000 Gäste tummelten sich im Zelt

Den Experten hatte König selbst beauftragt, die Lage zu beurteilen. Für die Kirmes bedeutet das einen herben Verlust, denn das Füchschen-Zelt war vor allem für die so heftig umworbenen jungen Gäste eine große Attraktion. König schätzt die Anzahl der Gäste auf rund 90 000 pro Kirmes. Man geht davon aus, dass zwei Drittel von denen nicht mehr kommen, wenn der Fuchs nicht mehr dabei ist. Das restliche Drittel, immer noch ein paar Zehntausende, wird sich auf andere Festzelte verteilen.

Eine Entwicklung, die Uerige-Baas Michael Schnitzler mit Sorge sieht. Bei ihm ist noch offen, ob er sein Zelt aufbaut. Schnitzler: "Ich weiß noch gar nicht, woran ich bin, denn die Schützen haben uns noch keine Details zu den neuen Auflagen mitgeteilt, wir hängen noch in der Luft." In den früheren Jahren habe man immer bereits zwei Monate vor der Kirmes Sicherheit gehabt. Das ist dieses Jahr nicht der Fall. Schnitzler schließt nicht aus, dass auch der Uerige auf dieser Kirmes nicht mehr dabei sein wird.

(sger)
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