Historische Fotos: Kirmes 1958: Heimlich knutschen in der Raupe

Historische Fotos : Kirmes 1958: Heimlich knutschen in der Raupe

Für Düsseldorfer Jugendliche im Jahr 1958 war die Kirmes die Attraktion des Jahres: Abenteuer in der Boxbude, eine Chance aufs große Glück an der Losbude und heimliches Knutschen in der Raupe - die Kirmestage waren aufregende Tage. Unser Leser Jürgen Erdmann erinnert sich.

1958 war Jürgen Erdmann 19 Jahre alt. Er wohnte in Oberkassel, gleich gegenüber der Kirmes am Kaiser-Wilhelm-Ring, und ging mit seiner Kamera (eine Afga-Klack für 20 Mark, damals eines der beliebtesten Modelle) auf Streifzug über das Volksfest. Seine Fotos, die er erst vor kurzem digitalisiert hat, zeigen die Kirmes, wie sie in den 50er Jahren aussah.

Starke Männern mit platten Nasen lockten Übermütige an die Boxbude. Das Preisgeld von 200 Mark brachte viele dazu, ihre Kräfte zu überschätzen - immerhin hatte manch einer der Boxer bereits Profiwettbewerbe gewonnen, zumindest angeblich; und wenn nicht, dann reichte ein Blick auf Bizeps und Trizeps der durchtrainierten Kolosse, um die Chancen eines betrunkenen Kirmesbesuchers ohne Boxausbildung ziemlich realistisch einschätzen zu können. Neben dem Boxen war auch das Catchen ein belieber Kirmessport. 1958 trat der bekannte ungarische Catcher Sandor Nagy auf der Düsseldorfer Kirmes an.

Wer eine Freundin hatte, für den war allerdings die Raupe viel interessanter: Am Ende der Fahrt senkte sich das Verdeck - und die Insassen konnten unbeobachtet knutschen; eine Gelegenheit, die es damals selten gab. "Für die prüden 50er Jahre war das ein sensationelles und geniales Erlebnis", erinnert sich Jürgen Erdmann.

Damals war es gar nicht so einfach, Jugendliche des anderen Geschlechts überhaupt näher kennen zu lernen. Schüler in Oberkassel gingen entweder auf das Comenius-Gymnasium, eine Jungenschule, oder auf das Cecilien-Gymnasium, eine höhere Lehranstalt für Mädchen. Die Chance auf einen Flirt gab es im Grunde nur in der Tanzschule (Jugendliche aus Oberkassel gingen damals zu Kayser oder Fern).

Doch auch dort waren die Jugendlichen nicht davor sicher, von ihren Eltern reglementiert zu werden. "Meine Eltern sorgten dafür, dass ich mit meiner Cousine zum Mittelball und zum Schlussball gehen musste. Ich hätte ja sonst irgendein fremdes Mädchen kennen lernen können", erinnert sich Jürgen Erdmann. "Ja, so waren sie, die angeblich wilden 50er Jahre."

Aufregend war für junge Leute damals auch die Aussicht, an der Losbude "Glückskönig" für ein Zehn-Pfenning-Los einen riesigen Teddybären gewinnen zu können. Die Achterbahn war schon damals die Hauptattraktion auf der Kirmes, doch auch die Geisterbahn war beliebt. "Während der Fahrt begegnete man irgendeinem Gerippe, wie man es auch in jedem Biologie-Raum einer Schule finden kann, oder ein Mitarbeiter des Fahrgeschäftes erschreckte die Fahrgäste", schmunzelt Jürgen Erdmann. "Damit könnte man heute keinem Kindergartenkind mehr einen Schrecken einjagen. Aber damals war das eine Attraktion."

Hier sehen Sie die historischen Fotos von Jürgen Erdmann.

Mehr zur Kirmes lesen Sie in unserem Special.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sah die Kirmes im Jahr 1958 aus