1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Rheinkirmes

Kirmes: Experten raten zu Kinder-Bereich

Kirmes : Experten raten zu Kinder-Bereich

Es ist zu laut. Fast überall auf dem Kirmesgelände muss man sich anschreien, um sich verständlich zu machen. "Für Kinderohren überhaupt nicht gut", sagt Michael Hauch, Kinderarzt aus Derendorf.

Zumal die Animateure der Losbuden und Fahrgeschäfte — selbst bei den Kinderkarussells — im Bemühen, die Musik zu übertönen, aggressiv klingen. "Da sind kaum angenehme Geräusche dabei", sagt Hauch.

Beim Kirmesrundgang mit Heilpädagogin Anke Teesselink vom Kinderschutzbund fällt dem Arzt gleich am ersten Kettenkarussell eine Mutter auf, die ihr Kind auf dem kleinen Sitz auf ihrem Schoß hält. "Unverantwortlich" finden die Experten. Vom Karussell-Personal hat keiner hingeguckt. Und auch bei der größeren Karussell-Variante, die erst ab sechs Jahren erlaubt ist, stoppt niemand den Vater, der seine höchstens vierjährige Tochter in den Sitz hievt. "Wenn die Kleine Panik kriegt, ist sie allein", sagt Hauch.

Das gilt auch im neuen "Rocket", das Fahrgäste ab zehn Jahren in 62 Metern Höhe kreisen lässt. Viele sitzen drin — "manche Eltern muten ihren Kindern einfach zu viel zu". Da wäre dann ein Eingreifen des Personals nötig — wie bei der Großmutter, die ihr knapp zweijähriges Enkelkind die Stufen zum "Sailor" hochheben muss, bevor sie mit ihm in die Gondel steigt. Auf dem Rücken des Kleinkinds klebt ein Zettel mit Namen und Telefonnummer, "Falls ich verloren gehe".

Wenn die Kleinen auf die wirbelnden Gondeln starren, werde das mit Faszination nur verwechselt, meint Hauck: "Die Kinder sind gar nicht in der Lage, das Gesehene zu verarbeiten. Sie verstehen nicht, was da passiert." Und werden trotzdem, meist von begeisterten Eltern, zum Mitmachen gedrängt. Achtjährige dürfen allein, Vierjährige in Begleitung auf die Achterbahn, im "Breakdance" ist die einzige Vorschrift, dass Kinder 1,20 Meter groß sein müssen. Das, sagt Hauch, können auch Fünfjährige schon sein.

Mehr Kreativität

Es fällt nicht alles durch bei den Kinderexperten. Die Riesenrutsche, die Oldtimerbahn, auch die Kinderkarussells, "sind völlig in Ordnung", da ist die Musik ruhiger und der Spaß liegt nicht in der Geschwindigkeit. "Für solche Fahrgeschäfte könnte man eine Plakette entwickeln: ,Empfohlen vom Kinderschutzbund'", meint Anke Teesselink — eine Idee vielleicht fürs nächste Jahr.

Weiterer Vorschlag der Fachleute: Die Attraktionen für die Kleinen zusammen und abseits von den wummernden Bässen der großen Publikumsmagneten halten — eine eigene Kinderkirmes in der großen Kirmesstadt also. In dem natürlich eines nicht fehlen darf: der Kinderklassiker "Enten angeln". Auch da herrscht am Eröffnungssamstag Hochbetrieb und die Kleinen sind so versunken, dass alles Drumherum unwichtig wird. "Schön wäre, wenn es für die Kinder mehr solche Angebote gäbe, die auch die eigene Kreativität fördern", sagt Hauch.

Und wenn die Kinder-Attraktionen nicht bis zum Kirmes-Schluss in Betrieb wären, würden viele Eltern ihre Kleinsten sicher auch früher ins Bett bringen, fern der grellen Kirmeslichter.

Mehr zur Kirmes lesen Sie in unserem Special.

(RP)