Kinder auf der Kirmes: "Eine Stunde am Nachmittag ist okay"

Kinder auf der Kirmes : "Eine Stunde am Nachmittag ist okay"

Kaum öffnen um 14 Uhr die Buden der Größten Kirmes am Rhein, strömen auch schon die ersten Besucher auf den Rummel in Oberkassel, darunter viele Familien mit Kleinkindern. Der Kinderschutzbund warnt seit Wochen davor, Kinder unter drei Jahren dem Stress der Kirmes auszusetzen. Viele Eltern glauben hingegen, das ihren Kindern Lärm und grelles Licht nichts ausmachen.

Demet Onayil ist mit ihrem acht Monate alten Sohn und ihren Ehemann auf der Kirmes. "Ob man die Kleinen mitnehmen kann, hängt vom Kind ab. Mein Sohn ist es gewöhnt mit vielen Menschen zusammen zu sein", sagt die 28-Jährige. Ihr Ehemann Dursun Onayli stimmt ihr zu, lenkt jedoch ein: "Ich gebe dem Kinderschutzbund Recht - nachts haben Kinder nichts auf der Kirmes zu suchen." Deswegen sei er mit seiner Familie tagsüber hierher gekommen. "Abends kann es mit den vielen Betrunkenen und im Gedränge auch mal gefährlich für Kinder werden", sagt der 29-Jährige.

Der Kinderschutzbund hatte schon vor Beginn der Kirmes kritisiert, dass Kleinkinder durch Lärm, Lichter und Gedränge zu vielen Stressfaktoren ausgesetzt sind. Nach Verhandlungen zwischen den Kinderschützern, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, den Schützen und der Stadt, soll es daher nun für die Kirmes 2012 ein umfassendes Kinderschutzkonzept geben. Als Sofortmaßnahme in diesem Jahr werden den Kirmesflyern Handzettel beigelegt, die Eltern darum bitten, ihren Kindern den Kirmesstress nicht zuzumuten.

Paula Wloka findet, dass Kinder tagsüber auf die Kirmes dürfen. Die 63-Jährige würde aber abends mit ihrem sechsjährigen Enkel Mika auf keinen Fall dorthin gehen: "Abends ist es doch einfach viel zu voll, aber ein Stündchen am frühen Nachmittag ist in Ordnung. Schließlich ist die Kirmes doch auch was für Kinder."

Dass am Nachmittag deutlich mehr Kinder auf der Kirmes unterwegs sind, als am Abend, kann auch Schaustellerin Romina Meffe bestätigen. "Die meisten Kinderwagen sieht man zwischen 14 und 19 Uhr, am Abend sind die Buggies dann nur noch die Ausnahme", erklärt die 19-Jährige.

Panische Kindergesichter sieht man am Nachmittag nicht auf der Kirmes. Zwar ist Bettina Erlbruch, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, gegen den Kirmesbesuch mit dem Nachwuchs, allerdings räumt sie ein, dass um 15 Uhr weniger Stressfaktoren für die Kleinen vorhanden sind: "Natürlich nimmt der Lärm bis 22 Uhr zu, das Licht wirkt in der Dunkelheit greller. Zudem können Kinder sich bei Tageslicht deutlich besser orientieren." Wenn also Kinder unter optimaler Elternbetreuung am Mittag die Kirmes besuchen, sei das nicht so schlimm, sagt die Expertin, ergänzt aber: "Allerdings sind es vor allem die Eltern, die gerne auf die Kirmes gehen. Für ihre Kinder ist der Besuch nicht förderlich. Eine alternative Kinderbetreuung wäre begrüßenswert."

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