Düsseldorf: Eine Kita nur für die Kirmes-Kinder

Kirmes in Düsseldorf : Eine Kita nur für die Kirmes-Kinder

Wenn andere Kinder längst von ihren Eltern abgeholt wurden, machen sich Anni und Henry auf den Weg. Um 14 Uhr geht der Kitatag für die Kirmes-Kinder los. Dann haben die Eltern Zeit, sich auf ihren Stand zu konzentrieren.

Eine riesige Schale voller Erdbeeren hält Anni (3) mit ihren kleinen Händen. So groß, dass alle Früchte auf den Boden plumpsen, als sie versucht, eine zu essen. Sie schaut traurig herunter, auf ihre Füße. Der Blick wandert von Erdbeere zu Erdbeer. Dann vorsichtig hoch zu Mama Georgina Stummer. Die hat noch gar nicht gemerkt, dass Anni ein kleines Missgeschick passiert ist, weil sie gerade Henry (2) auf den Tresen setzt, um ihm den Schuh auszuziehen. Irgendwie ist der nass geworden. Eigentlich waren die Geschwister gerade parat für den Weg hinauf auf den Berg, vorbei am Autoscooter und dem Kettenkarussell, an der Polizei und der Feuerwehr in das Zelt, in dem sie jeden Nachmittag sind. Für die beiden Kirmes-Kinder geht der Tag erst dann los, wenn die meisten anderen Kinder längst wieder von Mama und Papa abgeholt wurden.

Deshalb sind Anni und Henry auch ein bisschen quirlig und aufgedreht – wie jeden Vormittag sind sie zu Hause gewesen, haben mit Mama Georgina und Papa Henry (29) gefrühstückt. „Das ist uns wichtig“, sagt die 27-Jährige, „als Familie zusammen zu sein“. Ab und an gibt es etwas vom Rummel zu essen, meistens kocht Georgina selbst. Vor allem gesund. Gesund ist auch das, was sie und ihr Mann auf der Kirmes machen. Mit ihrem Stand „Eis am Stil“ hat das Paar zum ersten Mal einen Platz bekommen auf der Düsseldorfer Rheinkirmes, immer wieder hatte es Bewerbungen geschickt. Pürierte, gefrorene Früchte am Stil gibt es bei den Stummers. Das Eis wird mit Fruchtzucker gesüßt, „nur ganz selten nehmen wir mal ein Löffelchen normalen Zucker, wenn die Mango noch zu jung ist und die Kiwi nicht reif genug“, sagt Georgina.

Währenddessen bereitet Henry Stummer den Eisstand vor. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Erdbeere ist Annis Favorit, und damit sie nicht so traurig ist wegen der Erdbeeren auf dem Boden, drückt ihr Papa Henry noch ein Eis in die Hand. Für den Weg. Mit dem kleinen Tornister auf dem Rücken trippelt die Dreijährige los, Bruder Henry ist im Moment lauffaul – und der Schuh sowieso nass. Ein gutes Team sind Henry und Georgina – er macht das Eis, sie bringt die Kinder in die Kita, in das Zelt, das von außen nicht als Kita zu erkennen ist. Nach einem Kita-Namen wie Springmäuse oder Zwergenhöhle sucht man vergeblich. Eingezäunt ist sie mit Bauzäunen, die verhangen sind mit Planen. Um auf das Gelände zu kommen, muss Georgina Stummer ein Zaunteil aus der Verankerung heben. Und dann ist Anni auch schon weg, bei ihren Freunden. Anni findet schnell Freunde, quatscht gleich drauf los. „Und die beiden sind zum Glück nicht weit auseinander, haben sich“, sagt die 27-Jährige. Im Moment sei das Schaustellerleben noch einfach für die Kinder, „wenn sie dann irgendwann in der Schule sind, werden wir versuchen, in der Nähe von Bremen zu bleiben“, sagt Georgina. Dort kommen die Stummers her.

Singen, tanzen, basteln – das macht Anni am meisten Spaß in der Kita. „Die lassen sich hier auch richtig etwas einfallen“, sagt Georgina, „heute sollen die Kinder Badesachen mitbringen“. Es gibt eine Ecke mit Spielsachen, eine Ballkiste, die nicht lange voll bleibt, wenn die Erzieher sie auf den Boden stellen. „So gut organisiert ist der Kindergarten nicht überall“, sagt Georgina, die dankbar ist, dass sie bis 18 Uhr ihrem Mann am Stand helfen kann. Dann muss sie Anni und Henry wieder abholen. Auf dem Heimweg dürfen die beiden meistens ein Fahrgeschäft ausprobieren, danach gibt es Abendbrot. Ganz klassisch. Ein paar Tage hat die Familie noch in Düsseldorf, bevor sie weiterzieht. Nach Herne, auf die Cranger Kirmes, wo sie wieder von vorne anfägt, wo Anni und Henry neue Freunde finden und vielleicht den einen oder anderen alten wiedersehen.

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