Größte Kirmes am Rhein: Der große Reibekuchen-Test

Größte Kirmes am Rhein : Der große Reibekuchen-Test

Eine Gruppe selbst ernannter Kenner traf sich zum traditionellen kulinarischen Test auf der Größten Kirmes am Rhein. Dieses Mal nahmen die Experten Reibekuchen kritisch unter die Lupe. Apfelmus spielte auch eine Rolle.

Es gibt Menschen, die gehen auf die Kirmes, um Riesenrad oder Achterbahn zu fahren. Andere lieben Paradies-Äpfel oder brauchen unbedingt ein Backfischbrötchen. Oder gebrannte Mandeln, von denen Kirmesarchitekt Thomas König eigentlich nie genug bekommen kann.

Und an jeder Ecke futtern die Besucher Reibekuchen, selbst bei tropischen Temperaturen von mehr als 30 Grad. Ob pur, mit Apfelmus oder gar mit Knoblauchsauce, sind denn nicht alle Reibekuchen vom Geschmack gleich?

Mitnichten. Unsere Redaktion machte einen ultimativen Test. Na sagen wir: fast ultimativ. Redakteurin Birgit Wanninger und Kirmesarchitekt Thomas König suchten sich die Reibekuchen-Buden mit dem besten Ruf aus. Das waren sechs, die infrage kamen.

Um es vorwegzunehmen: Es gab einen klaren Sieger: Roscher Reibekuchen, ein Traditionsunternehmen. Da war sich das Test-Team einig, zu dem noch die Grande Dame der Kirmes, Inge Bruch, Sternekoch Holger Berens und Chocolatier Richard Heinemann gehörten.

Hier stimmt einfach alles. Die Angestellten sind adrett gekleidet, der Service aufmerksam und die Reibekuchen goldbraun und knusprig. Drei Stück gibt es (wie bei den anderen auch) für drei Euro. Roscher servieren sie mit Apfelmus, mit Zucker, aber auch mit Senf, Ketchup oder Preiselbeeren.

Wer sie mit Lachs möchte, zahlt fünf Euro. Fettig waren die Reibekucken allemal - auch bei den anderen Buden. "Sonst wären es keine Reibekuchen", meint Heinemann. Doch Inge Bruch widerspricht, man könnte sie kurz auf Küchentücher abtropfen lassen.

Weiter geht es zum nächsten Stand - zu Haas. Dort dampft das Fett. "Zu heiß", sagt Sternekoch Holger Berens, die sind dann schnell angebrannt oder innen roh. Bei Hass sind sie zwar gut im Geschmack, wie alle finden, aber in der Mitte noch roh, wie Berens vorausgesagt hatte. "Bei der Kochprüfung reicht das nicht", meint Berens.

Weiter geht es zum Stand von Fehrensen aus Bremen, der sich Kartoffel & Co nennt und sich auf Kartoffel-Gerichte spezialisiert hat. Beim Pommes-Test vor einigen drei Jahren war Fehrensen Sieger. Diesmal reicht es für den zweiten Platz.

Ambiente, Service und Präsentation stimmen. Die Kartoffelmasse ist frisch und Eva Fehrensen legt Wert darauf, nur auf Bestellung die Reibekuchen zu braten. "Das dauert zwar etwas länger, aber dann schmecken sie besser", sagt sie. Nur mit dem Geschmack haben die Rheinländer ihre Probleme: "Zuviel Muskat", meint Richard Heinemann und Thomas König stimmt zu. "So essen wir sie in Bremen", erklärt Fehrensen. Sie könne doch nicht ihre Rezeptur ändern.

Am vierten Stand, bei Borras liegen die Reibekuchen bereits gebraten auf einem Gitter. Sie sind nicht mehr ganz heiß und ziemlich dunkel. "Kann doch mal passieren", meint Inge Bruch. "Aber nicht drei auf einmal", kontert Heinemann. Außerdem schmecken die Reibekuchen verbrannt. Das gibt von allen schlechte Bewertungsnoten.

Bei Lemoine (Maatz) ist der Service unfreundlich, es gibt lange Wartezeiten, so dass das Testteam fast weitergegangen wäre. Dann gibt es doch noch Reibekuchen, aber die sind komplett von Fett durchsogen und fast ungenießbar. "Das Fett ist zu kalt", sagt Berens. "Und es stinkt", meint Inge Bruch. Alles zwei Tage müsse spätestens das Fett ausgewechselt werden, ergänzt sie.

Versöhnt wird die Gruppe am letzten Stand im Kartoffelhaus von Fellerhoff. Auch hier stimmen Geschmack und Präsentation. "Und die Reibekuchen sind schön kross", meint Thomas König, und sehnt sich nach gebrannten Mandeln. Denn Reibekuchen kann keiner aus der Gruppe mehr essen.

Fazit: Jede Menge Servietten verbraucht und fettige Finger gehabt. Durst bekommen und Appetit auf was Süßes. Und Reibekuchen gibt es erst wieder auf dem Weihnachtsmarkt.

(born)