Blind-Date-Interview Rheinkirmes mit Silvia Lier von der Rheinbahn

Blind-Date-Interview auf der Rheinkirmes : Silvia Lier ist eine Rheinbahn-Vorständin zum Anfassen

Auf der Kirmes treffen unsere Reporterinnen jeden Tag eine andere spannende Person – ohne zu wissen, wer kommt. Am Mittwoch zu Gast: Silvia Lier, eine von drei Chefinnen des Nahverkehrsunternehmens Rheinbahn.

Jeden Tag organisiert eine Kirmesreporterin der anderen ein Blind Date. Heute zu Gast: Sylvia Lier (51), kaufmännischer Vorstand bei der Rheinbahn.

Herzlich willkommen auf der Kirmes! Keine Sorge, wir müssen nicht Achterbahn fahren, die hat noch zu.

Silvia Lier Ach, schade!

Sagen Sie nicht, Sie fahren gerne Achterbahn.

Lier Doch! Früher auch nicht unbedingt, aber ich habe zwei Söhne, die sind zwölf und fühnfzehn, und mit denen gehen mein Mann und ich seit Jahren in Freizeitparks. Irgendwann hat mir eine Freundin geraten: Mach die Augen auf und schrei, was du kannst. Seitdem geht es ganz gut.

Ist ja irre. Sind Sie denn mit der Rheinbahn gekommen?

Lier Heute morgen ging es zeitlich nicht, aber ich fahre ansonsten total viel öffentlich. Ich wohne ja in Pulheim und komme fast jeden Morgen mit der S11 und der U75 zur Arbeit.

Wie lange brauchen Sie da?

Lier Anderthalb Stunden sind es manchmal schon. Mit dem Auto wäre es nur eine Stunde, je nach Verkehrslage.

Das heißt, Sie fahren aus Prinzip mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

Lier Ja, schon. Ich bin überzeugt, dass das die Zukunft ist. Ich meine, das ist doch Wahnsinn, was wir jeden Morgen auf der Straße veranstalten. Der Kollaps ist schon da.

Sie mögen keine Autos?

Lier Ganz im Gegenteil, ich bin habe selbst eins und bin ganz bestimmt keine Auto-Hasserin. Aber wir können das Verkehrsproblem klüger lösen als mit Blechlawinen.

Sollen wir hier bei der Schwarzwald-Hütte mal einkehren?

Lier Ja, gerne! Zwei Bier, bitte.

Apropos klüger: Was sagen Sie denn zu dem Planungsfehler, der dazu geführt hat, dass die Kirmesbesucher an der Haltestelle Luegplatz über die Wiese marschieren?

Lier Tja, der Mensch sucht sich seine Wege. Das müssen wir uns noch mal angucken.

Wie haben Sie sich denn bei der Rheinbahn eingelebt?

Lier Eigentlich sehr gut. Es haben sich alle Mühe gegeben – ich auch.

Sie können gut mit Menschen?

Lier Ja – wenn Sie Angst vor Menschen haben, können Sie diesen Job nicht machen. Ich bin durch die Verwaltung, die Betriebshöfe, die Leitstelle gelaufen und habe mir alles angeschaut. Ich bin auch Straßenbahn mitgefahren.

Und was haben Sie gelernt?

Lier Ich habe größten Respekt vor den Fahrern. Straßenbahn fahren ist deutlich anstrengender als Auto fahren – das wissen viele nicht. Und der Investitionsstau macht den Fahrern sehr zu schaffen. Die würden auch lieber moderne Fahrzeugen steuern.

Brauchen Straßenbahnen eigene Spuren, ohne Autos?

Lier Ja, absolut. Auch, wenn ich mich damit nicht beliebt mache. Aber wenn wir die Verkehrswende wollen, müssen wir auch schwierige Entscheidungen treffen. (Sie winkt dem Kellner.) Wer möchte denn mal ein bisschen Geld haben?

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