Flüchtlinge in Düsseldorf: Kirchenasyl für Christen-Familie aus dem Irak

Flüchtlinge in Düsseldorf: Kirchenasyl für Christen-Familie aus dem Irak

Für Christen ist der Irak ein gefährliches Pflaster. Nasim Hirani und seine junge Familie haben deshalb in Düsseldorf Schutz gesucht. Nun droht ihnen die Abschiebung - doch Düsseldorfs Stadtdechant will das verhindern.

Mit allem hat Nasim Hirani (27) gerechnet, nur damit nicht. Mit spitzen Fingern hatte der Katholik aus dem Nordirak vor ein paar Tagen den Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge geöffnet. "Ich traute meinen Augen nicht", sagt er.

Innerhalb von 30 Tagen sollen er, seine Ehefrau Lavenia Khorani (25) und die im Juni in der Kaiserswerther Diakonie geborene Tochter Mira Sophia das Bundesgebiet verlassen, sonst drohe die Abschiebung. "Wir können nicht in den Irak zurück, wir sind dort unseres Lebens nicht sicher", sagt Hirani.

Familie genießt Schutz der Lamberti-Gemeinde

Das sieht Düsseldorfs Stadtdechant Ulrich Hennes genauso. Am Sonntag taufte er Mira Sophia in der St. Lambertus Basilika. Seine Botschaft an die Gemeinde: "Der Irak gehört zu den Regionen der Erde mit den schlimmsten Christenverfolgungen, eine solche Entscheidung können wir nicht hinnehmen."

Auf eine Auseinandersetzung mit den Behörden will er es ankommen lassen. "Zumindest bis zur absolut letztinstanzlichen Entscheidung wird die Familie in einer der Gemeinde gehörenden Wohnung leben und dort unseren besonderen Schutz genießen", sagt Düsseldorfs ranghöchster Priester. Abgestimmt sei dieses Kirchenasyl mit dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, betont der Stadtdechant.

  • Kommentar : Für Schutz ist es nie zu spät

Irritiert sind der Pfarrer von St. Lambertus und viele in der Gemeinde, die der jungen Familie in diesen Tagen helfen, über die Begründung der vorerst negativen Entscheidung. "Sinngemäß heißt es dort, dass ein Teil dessen, was der jungen Ehefrau widerfahren ist, eher in die Kategorie ,Mobbing am Arbeitsplatz' falle", sagt Hennes.

Keine Hoffnung für Christen im Irak

Die Familie kann das alles nicht verstehen. "Schon auf dem Schulhof wurde ich geschlagen, weil ich Christ war. Mein ganzes Leben wurde ich ausgegrenzt und zuletzt eben auch verfolgt. Wir hatten Angst, unbeschreibliche Angst um uns und um unsere ungeborene Tochter, am Ende blieb nur die Flucht", sagt der Maschinenbau-Ingenieur.

Dass der Islamische Staat seinen Zenit überschritten hat, dass möglicherweise die nordirakische Metropole Mossul bald zurückerobert sein wird, macht dem 27-Jährigen, der wie seine Frau, einer Bau-Ingenieurin, aus der Nähe von Erbil stammt, keine Hoffnung. "Würde der Islamische Staat tatsächlich besiegt, gäbe es innerhalb von Wochen eine andere islamistische Gruppe, die uns verfolgt. Im Irak gibt es nach fast 2000 Jahren für Christen keine Heimat und Zukunft mehr", sagt Hirani.

Gestern sprach die Familie mit einem Anwalt. "Natürlich wird Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt und wir hoffen, dass der Erfolg hat", sagt eine Ehrenamtlerin, die die Familie tatkräftig unterstützt. Dass das politisch kontrovers diskutierte Kirchenasyl Grenzen hat, weiß Stadtdechant Hennes. "Kirche kann und will sich nicht über staatliches Recht stellen, aber das gilt aus unserer Sicht nur für eine negative Letztentscheidung. Und die wird es hoffentlich nicht geben."

(jj)