Kinderklinik Düsseldorf: Gefälschte Handzettel mit lebensgefährlichen Tipps

Kinderklinik : Gefälschte Handzettel mit lebensgefährlichen Tipps kursieren in Düsseldorf

Unbekannte haben mit dem Logo des Florence-Nightingale-Krankenhauses Tipps zum Verhindern des Plötzlichen Kindstods in Umlauf gebracht. Die Notizen darauf sind falsch und können Babys regelrecht gefährden. Die Klinik ist fassungslos.

Am Florence-Nightingale-Krankenhaus ist man fassungslos: Im Düsseldorfer Norden sind Handzettel mit angeblichen Tipps der Klinik zum Verhindern des Plötzlichen Kindstods verteilt worden. „Die Empfehlungen sind falsch und gefährden das Wohl der Babys. Das Logo des Florence-Nightingale-Krankenhauses und sein guter Ruf sind hier missbraucht worden, um unsachgemäße, wissenschaftlich nicht haltbare Empfehlungen zu verbreiten“, sagt Holger Stiller, Krankenhausdirektor und Vorstand der Kaiserswerther Diakonie. „Babys sollten im ersten Lebensjahr grundsätzlich zum Schlafen auf den Rücken gelegt werden, nie auf den Bauch“, sagt Martin Berghäuser, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Chefarzt der Klinik für Kinderheilkunde am Florence-Nightingale-Krankenhaus. Auch die Seitenlage sei nicht zu empfehlen, da das Baby aus dieser Position leicht auf den Bauch rollen könnte. „Ein Schlafsack hält warm, hält die Atemwege frei und verhindert gleichzeitig, dass sich das Kind im Schlaf auf den Bauch dreht“, sagt der Experte.

Eine Mutter habe als Erste die Klinik für Kinderheilkunde über die „seltsamen“ und „unprofessionellen“ Zettel informiert, sagt eine Sprecherin der Kaiserswerther Diakonie. Ein Kinderarzt sei wiede­rum in einer Sprechstunde von einer Mutter auf die Informationen in den Zetteln angesprochen worden, auch ein niedergelassener Arzt habe sich bei der Klinik gemeldet. Die Kaiserswerther Diakonie habe umgehend Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Wer und mit welcher Motivation diese Zettel in Umlauf brachte: Darüber hat man bislang keine Information.

Beim Plötzlichen Kindstod oder auch „Sudden Infant Death Syndrome“ (SIDS) stirbt ein zuvor gesundes Baby völlig unerwartet und ohne, dass sich dafür eine Erklärung finden ließe. Die Zahl der Todesfälle weltweit ist in den vergangenen Jahren infolge von Präventionsmaßnahmen wie der Rückenlage beim Schlafen deutlich gesunken. Dennoch starben alleine 2017 bundesweit 131 Kinder, die meisten waren gerade einmal zwei bis vier Monate alt. Das SIDS ist damit die häufigste Todesursache bei Säuglingen.

Auf vielen Neugeborenen-Stationen sind Schlafsäcke für Neugeborene längst Standard, an einigen Krankenhäusern wie dem Evangelischen Krankenhaus werden Eltern sogar zur Entlassung aus der Geburtsklinik Schlafsäcke für ihre Kleinen geschenkt.

Auch wenn die Ursachen für den Plötzlichen Kindstod nicht in aller Gänze erforscht und entschlüsselt sind, konnten in wissenschaftlichen Untersuchungen in den vergangenen Jahrzehnten zumindest viele Risikofaktoren aufgedeckt werden. Dazu gehören eben unter anderem die Bauchlage beim Schlafen, dass Frauen in der Schwangerschaft rauchen und eine Überwärmung des Kindes.

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