Kinderärztin in Düsseldorf betreibt Blog für Eltern und rät zu mehr Gelassenheit

Gesundheit in Düsseldorf : Kinderärztin rät Eltern zu mehr Gelassenheit

Eltern reagieren oft panisch, wenn ihr Kind Fieber oder Bauchschmerzen hat. Die Medizinerin Johanna Havran gibt in ihrem Blog „Mama ist Kinderärztin“ Tipps für den Alltag.

Da fahren Eltern nachts in eine Notaufnahme, weil sie bei ihrer Tochter einen Zeckenbiss entdeckt haben. Sie sind überfordert, wenn ihr Sohn über Bauchschmerzen klagt, und sie rufen den Notarzt, wenn er Fieber hat. Johanna Havran kennt die Unsicherheit der Eltern, und seit sie selbst zwei Kinder hat, kann sie deren Ängste noch besser nachvollziehen.

Aber als Medizinerin ist sie jederzeit in der Lage, die professionelle Brille aufzusetzen und beides zu verbinden: private Erfahrungen und berufliches Wissen. Wohl deshalb ist ihr Blog bei Eltern so beliebt. Titel: „Mama ist Kinderärztin“.

Es war ein Schlüsselerlebnis: Als vor elf Jahren ihre Tochter geboren wurde, sah Johanna Havran, wie ihrem Baby routinemäßig ein Tropfen Blut aus der Ferse entnommen wurde. „Es war nur ein kleiner Piks, aber mir kamen die Tränen“, erinnert sie sich. Seitdem kann sie Eltern verstehen, die sich ständig um die Gesundheit ihrer Kinder sorgen. In ihrer Praxis wurde sie außerdem immer wieder gefragt: „Was würden Sie denn an meiner Stelle tun?“ Da die 43-Jährige schon immer gern geschrieben hat, beschloss sie, ihre Erkenntnisse in einem Internet-Tagebuch zu veröffentlichen.

Die Artikel dienen dazu, einen Mix aus medizinischen Informationen und persönlichen Erfahrungen zu transportieren. Mit dem Ziel: „Wenn Eltern mehr Wissen über Kinderkrankheiten haben, können sie gelassener damit umgehen.“ Ihren ersten Artikel schrieb sie zum Thema Fieber, nachdem sie bei einer Freundin, die gerade Mutter geworden war, eine Art Drei-Punkte-Plan fürs Kind entdeckt hatte: Zäpfchen bei 38,5 Grad, Notaufnahme bei 39 Grad, Notarzt alarmieren bei 40 Grad: „Eine völlig überzogene Reaktion.“

In ihrem Blog erklärt sie deshalb, was Fieber überhaupt ist: „Keine Krankheit, sondern eine wichtige Funktion des Körpers, die bei der Abwehr von Infektionen hilft.“ Heißt: Wenn eine Halsentzündung erhöhte Temperatur auslöst, müsse vor allem die Entzündung behandelt werden. Ist sie überwunden, sinkt das Fieber von selbst.

Auch der von Eltern so gefürchtete Zeckenbiss sei kein Grund zur Panik, so die Medizinerin. In ihrem Blog-Eintrag „Achtung Zecken“ räumt Johanna Havran mit einer Liste von Vorurteilen auf: „Man liest immer wieder, dass man die Zecke mit einer Drehbewegung rausholen soll, aber dabei bricht man sie eher ab.“ Außerdem würden Zecken nicht von Bäumen springen, wie viele Eltern glauben. Ihr Tipp: „Vor allem sollte man sich den Körper des Kindes sofort und genau anschauen, wenn es vom Spielen in der Natur nach Hause kommt.“ Dann die Zecke mit einer Pinzette rausziehen und die Stelle desinfizieren. Und den Zeckenbiss bei den nächsten Arztbesuchen erwähnen.

Schnelle Reaktion ist auch bei anderen Winzlingen wichtig. „In der Kita oder in der Schule treten immer wieder Läuse auf.“ Nicht weiter schlimm, wenn nicht oft Scham die Vernunft besiegen würde. „Viele Eltern behandeln ihr Kind und schweigen lieber, dabei ist es wichtig, dass andere Eltern per Mail oder Telefonkette sofort informiert werden.“ Schämen müsse man sich überhaupt nicht, schreibt Havran: „Läuse hatten wir in unserer Kita auch. Das muss niemanden peinlich sein, Läuse gehen auch auf saubere Köpfe gut gepflegter Kinder.“

In ihrer Praxis begegnet die Ärztin immer wieder Eltern, die alles richtig machen wollen, aber von Ängsten geplagt sind. Standardsatz: „Mein Baby atmet so komisch.“ Die erste Option ist dann für viele, im Internet zu recherchieren, was nicht unbedingt geeignet ist, die Zweifel auszuräumen.

Stattdessen rät die Medizinerin, nicht nur auf ein Symptom zu schauen, sondern darauf, wie es dem Kind überhaupt geht. Zum Beispiel wenn es über Bauchschmerzen klagt, „die oft harmlos sind und auch schnell wieder verschwinden“. Johanna Havran erzählt in ihrem Blog eine Geschichte aus der eigenen Kindheit: „Meine kleine Schwester klagte über Bauchschmerzen. Auf die Frage, wo genau die sind, meinte sie: hier am Arm.“

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