Kinder-Zeltstadt Flingerntal bietet drei Wochen Ferienspaß

Kinder-Zeltstadt Flingerntal : Kinder an der Macht

In der Kinder-Zeltstadt Flingerntal können Kinder ihren eigenen Beruf und ihre Bürgermeister wählen.

: Mur Rayyan (14), Bürgeremeisterin der Kinder-Zeltstadt Flingerntal, kniet auf dem Gras, neben ihr hockt ein Junge mit einem Mikrofon. Die beiden sind in ein Interview vertieft, umringt vom Journalistenteam der Zeltstadt. „Das Beste ist, dass wir selber entscheiden und unsere Ziele verfolgen können“, sagt Mur. Gewählt wurden sie und Johannes Königs (12) von den 300 Teilnehmern des dreiwöchigen Ferienangebots. Ihre Wahlversprechen: gratis Wassereis und eine fairere Verleihung von Spielgeräten.

Schon zum 16. Mal öffnet die Kinder-Zeltstadt für drei Wochen von 9 bis 17 Uhr ihre Tore. Dort bilden Kinder und Jugendliche von sechs bis 14 Jahren ihre eigene Stadt samt Stadtrat und Bürgermeistern; 16 Zelte gibt es, Straßennahmen wie „Heinrich-Heine-Allee“ und auch ein Arbeitsamt. Dort suchen sich die Kinder einmal wöchentlich den Beruf aus, den sie in den nächsten Tagen ausüben werden. Als Schreiner oder Köche, Juweliere, Journalisten oder Fußballspieler verdienen sie sich „Flingerntaler“, mit denen sie später für Eis am Kiosk oder Ausflüge ins Kino bezahlen können. Die achtjährige Tyra arbeitet diese Woche als Schauspielerin und Schriftstellerin: „Das Theater ist das Beste hier“, findet sie und präsentiert stolz ein Gedicht, das sie selbst geschrieben hat. Es ist ihr allererstes.

Eine Gruppe besonders fleißiger Zehnjähriger hat ein neues Geschäftsmodell für sich entdeckt: Ihre GmbH verkauft selbst gepflückte Himbeeren und selbstgemachte Marmelade für ein paar zusätzliche Flingerntaler. Nachdem sich die Firmeninhaber nicht sofort auf eine Gewinnverteilung einigen konnten, wurde sogar eine Gewerkschaft gegründet. In den nächsten Jahren möchten sich die Kinder im Zeltdorf als Freiberufler betätigen. Diesen Wunsch wird Organisator Tim Nefen in das Planungsteam einbringen, denn Kinder haben ein Mitspracherecht. Wie auch bei der Wahl der Ziele für Ausflugstage: Wollen die Einwohner von Flingerntal statt eines Zoobesuchs lieber eine Abkühlung haben, geht es für sie ins Freibad. „Von den Kindern kommen viele Ideen, wie wir das Angebot gestalten können.“ sagt Nefen. Das sieht er als Erfolg, denn das Ziel der Zeltstadt ist, „das soziale Bewusstsein der Kinder zu fördern, um gesellschaftliche Strukturen und Verhältnisse aktiv mitzugestalten.“ Besonders freut Nefen auch, dass es mittlerweile Betreuer gibt, die schon als Teilnehmer bei der Zeltstadt dabei waren. „Sie bringen sich ein, zeigen Engagement“, so Nefen. Auch das Bürgermeisterteam will später einmal als Betreuer mithelfen und bei der Organisation der Zeltstadt dabei sein. Bürgermeister Johannes ist sogar sicher: „Ich möchte irgendwann Chef werden!“