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Düsseldorf: Kinder spielen das Großstadtleben nach

Düsseldorf : Kinder spielen das Großstadtleben nach

350 Kinder machen beim Düsseldörfchen im Südpark mit. Wie im echten Leben gibt es auch Wirtschaftskrisen.

Bis morgen hat die Kunstakademie noch mal Zeit bekommen, um ihre Betriebssteuern zu bezahlen. Sollte sie sich weiterhin weigern, muss sie den doppelten Betrag blechen. Das wären dann schon zehn Düssel-Euro - ziemlich viel Geld. Bürgermeister Emil hat nur wenig Verständnis dafür, dass die Kunstakademie sich so quer stellt. "Es kann ja hier schließlich nicht jeder machen, was er will", sagt der Zehnjährige, der in der zweiten Woche zum Bürgermeister des Düsseldörfchens im Südpark gewählt wurde.

In der Ferienstadt für Kinder geht es zu wie in einer richtigen Großstadt. Überall herrscht geschäftiges Treiben. Es werden Hütten aus Holz gebaut, Fassaden bunt angestrichen und letzte Bretter am Kirchturm verschraubt. Zwischen den mit Hämmern und Nägeln bewaffneten Kindern sieht man andere Stadtbewohner, die gerade auf dem Weg zu ihrer Arbeit sind.

Im Düsseldörfchen hat jeder eine andere Aufgabe, denn es gibt viel zu tun. In der Bäckerei müssen süße Kuchen gebacken werden, beim Juwelier werden schöne Schmuckstücke angefertigt und im "Lebendigen Museum" kümmern sich die Angestellten darum, dass das kulturelle und historische Erbe der Stadt bewahrt wird.

Zum ersten Mal wurden dieses Jahr 350 Kinder für das Ferienprojekt angenommen, deshalb wurde neben der traditionellen Altstadt auch eine Neustadt aufgebaut. Die beiden Stadtteile sind durch eine kleine Straßenbahn, die auf Holzschienen fährt, miteinander verbunden. "An der Haltestelle Stadttor muss man in die Linie Zwei umsteigen, da der andere Waggon nicht um die Kurve kommt", sagt Sonja Hirschberg vom Akki, die das Düsseldörfchen mitorganisiert. Die Bahn haben die Kinder in der Autowerkstatt neben Seifenkistenfahrzeugen selbst gebaut.

Das Besondere am Düsseldörfchen ist, dass die Stadt komplett in Kinderhand ist. "Es geht in der Ferienstadt darum, dass das Leben in einer richtigen Stadt nachgebildet wird. Alles greift ineinander. So geben sich die Kinder zum Beispiel gegenseitig Aufträge und halten die Wirtschaft am Laufen", erklärt Sonja Hirschberg.

Neben zwei Einwohnermeldeämtern, einem Rathaus und einer Bank hat das Düsseldörfchen auch eine eigene Währung. "Bei uns bezahlt man mit dem Düssel-Euro. Für eine Stunde Arbeit gibt es vier Düssel-Euro", sagt Inga, die bereits zum vierten Mal bei der Ferienstadt mitmacht. Die Zwölfjährige arbeitet im Modehaus. Sie schneidert aus Stoffen fantasievolle Kleidung für die Bewohner. Inga hat schon ziemlich viel Geld verdient, was sie stolz präsentiert. "Das Modehaus war eigentlich immer der reichste Betrieb. Doch der alte Bürgermeister hat einen Mindestlohn eingeführt. Viele Betriebe sind daraufhin pleite gegangen", erklärt Inga. Das Modehaus hat es zwar nicht so schlimm getroffen, aber das Rathaus ist zum Beispiel bankrott.

Der neue Bürgermeister Emil will nun die Fehler seines Vorgängers wieder gut machen. Deshalb kann er es überhaupt nicht gebrauchen, dass die Kunstakademie ihre Steuern nicht bezahlen will. Irgendwie muss er doch an Geld für das Rathaus kommen. Dass manche ihn nicht mögen oder blöde Sprüche machen, stört Emil nicht. "Ich höre da gar nicht so genau hin", sagt der Zehnjährige. "Zumal es hier im Düsseldörfchen ja darum geht, dass jeder Spaß hat. Und zur Not wehre ich mich mit meiner Wasserpistole", erklärt Emil und lacht.

(RP)