Codingschule Düsseldorf: Kinder lernen programmieren

Codingschule Düsseldorf: Kinder lernen programmieren

Vor mehr als einem Jahr hatte alles mit einem Programmierworkshop beim Girls Day begonnen. Daraus hat sich eine Initiative entwickelt, die eine Codingschule für Kinder und Jugendliche betreibt.

Es ist wie beim Lesen und Schreiben lernen: Am besten fängt man mit dem eigenen Namen an. Und genau da setzt auch die erste Aufgabe in der Codingschule an. "Um programmieren zu können, muss man zunächst den Binär-Code erlernen. Dieser besteht nur aus zwei Zahlen", sagt Anna Roscina, während sie lauter Nullen und Einsen an die Kinder verteilt. Reiht man diese Zahlen in verschiedenen Kombinationen aneinander, ergeben sie nach den Regeln der Codiersprache richtige Wörter. Um damit vertraut zu werden, müssen die zwölf Kinder zunächst mit den Zahlenkarten ihre eigenen Namen legen. Nach der kurzen Theorie-Einführung geht es an den giftgrünen Computern im Oberbilker Kinderspieltreff auch schon an die Praxis.

"Ich glaub', das muss da hin", sagt Nikola zu seinem Freund und Tischnachbarn Ilias, während er mit einem Finger auf den Bildschirm zeigt. Zwar blickt sein Kompagnon skeptisch, fügt dann aber doch das gezeigte Element mit seiner Maus an die richtige Stelle der Befehlskette. Drei Klicks später tanzt die codierte Strichfigur rhythmisch zur Musik. Zufrieden widmen die beiden Jungs sich schon der nächsten Aufgabe.

Dass die Neunjährigen die Materie ohne Hilfestellung schon so gut beherrschen, findet nicht nur Roscina ungewöhnlich. Als Lehrerin der Düsseldorfer Codingschule weiß sie nämlich, dass das nicht immer so schnell klappt. 2016 startete das Unternehmen mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen Zugang zur digitalen Bildung zu verschaffen. "Programmieren ist ein Wort, das für viele in dem Alter noch fremd ist. Das darf in der heutigen Zeit eigentlich nicht mehr sein", findet Roscina. Damit das aber verständlich für Kinder bleibt, müssen die Jungprogrammierer jedoch keine endlosen Zahlenreihen bilden. Möglich macht dies der Mini-Computer "Raspberry Pi". Er wurde 2012 von einer Stiftung in Großbritannien extra für die Vermittlung von Programmierkenntnissen an Jugendliche entwickelt, und ist deshalb für junge Altersklassen besonders bedienungsfreundlich. Eine weitere Besonderheit: Er besteht quasi nur aus einer einzigen, handtellergroßen Platine, die aber alle Eigenschaften eines normalen Computersystems in sich vereint. Die Kinder üben sich dabei nicht nur im Umgang mit Computern, sondern lernen auch die Funktionsweise der Hardware kennen.

Neben einfachen Codierungen, die primär die Befehlsstruktur von Programmen veranschaulichen sollen, können die Teilnehmer im Alter von neun bis 14 Jahren aber auch selbstständig kreativ werden. So kooperiert die Codingschule mit Spieleentwicklern wie dem Düsseldorfer Unternehmen "Blue Byte", einer Tochter des französischen Unternehmens "Ubisoft". Gemeinsam mit den Experten der jeweiligen Firma können die Kinder dann in den mehrtägigen "Hackathons" dabei ihre eigene Spielidee realisieren.

Für die beiden Computerfans Ilias und Nikola ist aber auch das nichts Neues. Zusammen haben die beiden Neunjährigen bereits ihr eigenes "Jump&Run"-Spiel entwickelt. "Ich werde als Ergänzungsfach nach der sechsten Klasse auf jeden Fall Informatik wählen", ist sich Ilias bereits sicher.

(RP)