Kinder in Düsseldorf misshandelt: Eltern erscheinen nicht vor Gericht

Verhandlung in Düsseldorf: Kinder völlig verwahrlost - Eltern werden nun mit Haftbefehl gesucht

In Düsseldorf sollte sich am Mittwoch ein Elternpaar vor Gericht verantworten, das laut Anklage acht seiner Kinder völlig verwahrlosen ließ. Die Angeklagten erschienen aber nicht im Verhandlungssaal.

Haftbefehle hat das Amtsgericht am Mittwoch gegen ein Elternpaar (30/36) erlassen, das acht ihrer gemeinsamen Kinder in einer Lierenfelder Wohnung angeblich völlig verwahrlosen ließ, sieben von ihnen zudem misshandelt haben soll. Als das Gericht darüber verhandeln wollte, ließen sich die Eltern am Mittwoch aber nicht blicken. Da unklar ist, ob sie noch zusammen wohnen oder wohin jeder von ihnen umgezogen sein könnte, wird das Paar nun per Haftbefehl gesucht. Gelingt es, die Eltern kurzfristig in U-Haft zu nehmen, könnte der Prozess am kommenden Mittwoch beginnen. Andernfalls muss das Gericht nach der Festnahme des Paares einen ganz neuen Termin finden.

Monatelang sollen die acht Kinder des Paares schwer vernachlässigt und in der Entwicklung massiv geschädigt worden sein, als Anfang 2015 Polizei und Behörden einschritten. Ihre damals jüngste Tochter, gerade wenige Monate alt, hatte die Mutter Ende 2014 in eine Klinik gebracht. Dort gab sie an, das Kind sei aus dem Kinderwagen gefallen. Ärzte fanden aber Blutergüsse an Gesicht und Beinen des Mädchens sowie etliche Rippenbrüche, die mit einem Sturz nicht zu erklären waren.

Beißender Gestank nach Urin

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Kurz danach wurde die Wohnung der Familie von sieben Polizisten durchsucht, denen sich ein Anblick des Grauens bot. Alle Räume sollen verdreckt und zugemüllt gewesen sein, die Kinder (geboren zwischen 2006 und 2015) seien schmutzig und stark von Läusen befallen gewesen. In der Wohnung habe es nicht genug Betten für alle Kinder gegeben, die Matratzen seien durchtränkt gewesen, sollen beißend nach Urin gestunken haben. Auf Fragen gaben die Kinder an, sie hätten zum Frühstück Gummibärchen und ungekochte Nudeln essen müssen. Die meisten Kinder wurden daraufhin in anderen Familien untergebracht.

Ende 2016, mehr als anderthalb Jahre nach der Durchsuchung, brachte die angeklagte Mutter dann ein neuntes Kind zur Welt. Ob die Eltern nun nach Zülpich umgezogen sind, nach Wegberg oder ob sie weiterhin in Düsseldorf leben, war am Mittwoch unklar. Da weder der Vater, der wegen Gewaltdelikten vorbestraft sein soll, noch die Mutter zum Prozess kamen, wird nach beiden jetzt mit Haftbefehlen gefahndet.

(wuk)