Kinder in Düsseldorf lernen schwimme von angehenden Bademeistern

Schule in Düsseldorf : Seepferdchen leicht gemacht

Bei einem bundesweit einzigartigen Kooperationsprojekt des Franz-Jürgens-Berufskollegs mit der Martin-Luther-Grundschule bringen angehende Schwimmmeister Zweitklässlern das Schwimmen bei.

Die DLRG geht davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Grundschüler in Düsseldorf nicht schwimmen kann. In Bilk gibt es ein bundesweit wohl einzigartiges Kooperationsprojekt zwischen einer Berufsschule und einer Grundschule, und das schon seit 15 Jahren. Die Idee: Angehende Fachangestellte für Bäderbetriebe (im Volksmund besser bekannt als Bademeister) des Franz-Jürgens-Berufskollegs bringen Zweitklässlern der Martin-Luther-Grundschule das Schwimmen bei.

„Zu den Inhalten der Abschlussprüfung der Auszubildenden gehört unter anderem auch die Planung und Durchführung einer Schwimmkurseinheit. In diesem Rahmen beschäftigen sich die jungen Leute im dritten Ausbildungsjahr mit den Kindern. Davon profitieren dann beide Seiten“, erklärt Grundschullehrer Bernd Pohl. Nachdem alle Kinder der ersten Jahrgangsstufe im schuleigenen Lehrschwimmbecken von ihren Lehrern an die Tücken des Wassers gewöhnt wurden, werden sie nach ihren Fähigkeiten in drei Gruppen eingeteilt: Anfänger, Halbschwimmer und Fortgeschrittene.

Für jede dieser Gruppen sind feste Teams von sechs bis acht Auszubildenden zuständig, die den Auftrag erhalten, für ihre Schwimmgruppe eine 14-stündige, maßgeschneiderte, durchaus auch mal spielerische Unterrichtsreihe zu planen und durchzuführen. Das Projekt findet im Düsselstrand statt, wo immer donnerstags zwischen 10 und 11 Uhr verschiedene Becken und Bahnen reserviert sind, so dass parallel mehr als 40 Kinder und 30 Auszubildende arbeiten können. „Die nahezu Eins-zu-Eins-Betreuung in den Gruppen führt zu großen Fortschritten bei den Kindern, da eine individuelle Förderung und Differenzierung, anders als im normalen Schulbetrieb, viel eher möglich ist“, erklärt Pohl.

Im Wasser kommt auch der Spaß nicht zu kurz. Die Kinder bauen im Becken eine Burg aus Schwimmbrettern und Poolnudeln. Foto: Marc Ingel

Zusammen mit Pohl entwickelt hat das Projekt Michael Scholten vom Franz-Jürgens-Berufskolleg. „Wir haben mal abends zusammengesessen und darüber nachgedacht, was es für unsere Schulen für Möglichkeiten gibt, etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen. Das ist dann dabei herausgekommen“, sagt Scholten. Die Azubi-Teams führen „ihre“ Kinder bis zum Schluss durch den Schwimmkurs. Ziel kann ein erstes Schwimmabzeichen wie das Seepferdchen oder auch das Erlernen einer neuen Schwimmtechnik bei Fortgeschrittenen sein. „Die Auszubildenden lernen direkt im Umgang mit Kindern, was in der Prüfung gefordert und später zu ihren beruflichen Aufgaben gehören wird. Sie erhalten viele Anregungen, können Erfahrungen sammeln und sich gegenseitig in ihren Teams helfen“, ergänzt Pohl.

Dass der Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe wieder im Kommen ist, liegt an der Vielfalt der Aufgaben, weswegen die Bezeichnung Bademeister auch zu kurz greift. „Natürlich stehen Leben zu retten und die Beckenaufsicht immer noch im Vordergrund. Es geht aber auch um kaufmännische Kassenführung, um Bädertechnik, Wartungsarbeiten und immer wichtiger: die Animation der Besucher, die Durchführung von Aqua-Fitness-Kursen zum Beispiel. Eine Nachfrage auf dem Berufsmarkt ist jedenfalls vorhanden – auch wenn man dann vielleicht mal bereit sein muss, umzuziehen“, erläutert Scholten, der zum Ende des Schuljahres in Rente geht. Das Projekt ist aber nicht gefährdet, denn mit Markus Klocke steht ein Nachfolger bereits fest.