Düsseldorf: Keine Chance für Naegeli-Klage

Düsseldorf: Keine Chance für Naegeli-Klage

Der Künstler Harald Naegeli hat die Stadt aufgefordert, wegen der Entfernung seiner illegal angebrachten Sprüherei am Alten Hafen zu klagen - nach Ansicht von Juristen hätte ein solches Verfahren keine Aussicht auf Erfolg.

"Naegelis Ansinnen ist menschlich verständlich", sagt Joachim Rustemeyer, Anwalt für Zivilrecht. Er sieht die Stadt aber gut beraten, in dieser Sache die Hände in den Schoß zu legen. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Wenn Naegeli glaube, durch das Entfernen seines Graffito liege eine Sachbeschädigung seines Werks vor, dann sei das ein rechtlicher Trugschluss. "Wer im öffentlichen Raum malt, riskiert, dass sein Werk vernichtet wird", sagt Rustemeyer. Dies gelte unabhängig vom künstlerischen Wert. Ob ein Maler mit Kreide ein Gemälde auf dem Bürgersteig anfertige oder ein berühmter Künstler wie Gerhard Richter dort seine Kunst hinterlasse, spiele juristisch keine Rolle. Auch das Entfernen eines Graffito sei keine Sachbeschädigung der Mauer.

In der Politik bedauert man, dass Graffiti-Gegner die Zeichnung abgewaschen haben. Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP hatte vorgesehen, sie zu konservieren. "Es ist sehr bedauerlich, dass das Werk zerstört wurde", sagt Cornelia Mohrs (SPD). "Ich kann nicht begreifen, wer so etwas macht." Möglicherweise soll nun ein anderes Werk geschützt werden. "Wichtig ist aber, dass sich niemand gestört fühlt", sagt Mohrs.

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Darauf besteht auch Friedrich Conzen (CDU). "Von mir aus hätte man das Graffito als Zeichen der Zeit behalten können", sagt er. Grundsätzlich müssten sich aber Sprayer ans Gesetz halten. "Fremdes Eigentum zu beschädigen, geht nicht."

Der legendäre "Sprayer von Zürich", der seit den 1980er Jahren in Düsseldorf lebt, hat an vielen Stellen seine Figuren hinterlassen. In der Kunstwelt genießt der 75-Jährige hohes Ansehen. Da er aber oft illegal sprüht, gibt es immer wieder Diskussionen um seine Arbeit. In einigen Städten sind bereits Werke unter Schutz gestellt worden, darunter Köln.

Entlang der Rheinuferpromenade sind mehrere Graffiti zu finden, deren Stil auf Naegeli hindeuten. Da der sich nicht zur Autorschaft bekennt, ist aber unklar, ob sie wirklich von ihm stammen. Bei der Zeichnung am Alten Hafen galt das als so gut wie sicher, unter anderem, weil sie in einem Ausstellungskatalog abgedruckt war.

(arl/stz)