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Amtsgericht Düsseldorf: Kegelkasse geleert, Strafe für Seniorin (73) gesenkt

Amtsgericht Düsseldorf : Kegelkasse geleert, Strafe für Seniorin (73) gesenkt

Ohne Geständnis der Angeklagten hat das Amtsgericht am Dienstag den Untreue-Prozess gegen eine 73-Jährige beendet. Mit schriftlichem Strafbefehl war die Rentnerin zu 4000 Euro verurteilt worden, weil sie die Kasse ihres Kegelklubs geplündert und dann behauptet hatte, sie sei überfallen und der Kasseninhalt von 4200 Euro sei gestohlen worden.

Gegen die Strafe zog die Seniorin aber vor Gericht und erzielte gestern einen Teilerfolg. Ihre Strafe wurde auf 1200 Euro reduziert. Gleich doppelt sieht sich diese Angeklagte als Opfer: Erst sei ihr im Dezember 2010 der Geldbeutel mit den in vier Jahren angesparten Beiträgen ihres Kegelklubs gestohlen worden. Und als sie deswegen Anzeige bei der Polizei erstattete, habe man ihr nicht geglaubt, habe sie wegen Untreue und sogar noch wegen des Vortäuschens einer Straftat verurteilt. "Es wäre schön, wenn man ihr das alles glauben würde", formulierte ihr Anwalt, während die Seniorin am Dienstag mit trotzig vorgeschobener Unterlippe stumm daneben saß.

Die Richterin rückte von ihrem "dringenden Tatverdacht" gegen die 73-Jährige aber nicht ab. Sie bot höchstens an, die Geldstrafe anzupassen, an die karge Rente der Seniorin. Immerhin bezieht die Angeklagte bei fast 500 Euro Miete angeblich monatlich nur 720 Euro Rente. Als auch die Angeklagte mit der Strafanpassung einverstanden war, wurde die ursprüngliche Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 50 Euro gesenkt auf jetzt 80 Tagessätze zu je 15 Euro.

Ein Schuldeingeständnis bekamen die acht jetzt als Zeugen vorgeladenen Kegelklubmitglieder von der 73-Jährigen jedoch im Gerichtssaal nicht zu hören. "Der Fall kann ja auch so gewesen sein, wie sie ihn geschildert hat", meinte ihr Verteidiger. Die Rentnerin muss nur 1200 Euro Strafe zahlen.

(wuk)