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Katharina und Erich Sturr haben in Düsseldorf Gnadenhochzeit gefeiert

Gnadenhochzeit in Düsseldorf : Als der Unterbacher See noch ein Baggerloch war

Katharina und Erich Sturr haben Gnadenhochzeit gefeiert. Vor 70 Jahren haben sie in Unterbach auch ein Haus gebaut. Dort wohnt das Paar noch heute.

Davon können heutige „Häuslebauer“ nur träumen: „Wir haben damals 50 Pfennig für einen Quadratmeter Baugrund bezahlt“, meint Katharina Sturr lachend. Und doch waren 1949 ihre finanziellen Verhältnisse nicht so, dass sie und ihr Mann Erich ohne Darlehen das mehr als 1100 Quadratmeter große Grundstück in Unterbach hätten kaufen können. „Wir waren so jung und wollten eigentlich noch gar nicht heiraten. Aber es gab günstige Darlehen vom Land, nur für Verheiratete. Da mussten wir eben Ja sagen“, erläutert Katharina Sturr. „So sind wir bei eisigem Wind und warm eingepackt über die Felder nach Erkrath zum Standesamt gegangen. Taxi zu fahren wäre purer Luxus gewesen.“ Das war in dieser Woche 70 Jahre her. Die Sturrs feierten somit die „Gnadenhochzeit“.

Im Kreise von Freunden und Familie feierten die 93-jährige Katharina und der 91-jährige Erich in dem Haus, das sie 1951 bezogen hatten. Das meiste davon haben die Sturrs in Eigenarbeit und mithilfe der „Siedlungsgemeinschaft Am Heidberg“ gebaut. „Es war ein Prinzip der Siedlungsgemeinschaften, dass man sich gegenseitig hilft. Maurer, Elektriker, Schlosser haben beim Hausbau meiner Eltern geholfen, sie wiederum haben beim Bau der anderen Häuser geholfen. So war das damals“, meint Sturr-Sohn Reinhard. „Und das meiste war echte Handarbeit. Bagger zum Ausschachten von Kellern gab es nicht.“

Damals sah auch noch vieles in Unterbach anders aus. „Wir hatten freien Blick bis runter zum Unterbacher See, der damals noch ein Baggerloch war. Rund um uns herum gab es nur Ackerbau und Viehzucht. Und unser Garten war ein Nutzgarten, in dem wir Gemüse, Obst und Kartoffeln angebaut haben. Wir waren Selbstversorger, solange wir mit fünf Personen hier gewohnt haben“, erinnert sich Katharina Sturr. „Und einen kleinen Zoo mit sechs Hühnern, zwei Schildkröten, einem Taubenpärchen und Meerschweinchen hatten wir auch.“ Als ihre Eltern noch im Haus lebten und Sohn Reinhard geboren war, gehörten Haus und Hof zu ihrem Bereich. Erich Sturr arbeitete weiter bei der Gerresheimer Glashütte. Da hatten sich der junge Herr Sturr und die junge kaufmännische Angestellte Katharina Bürger auch kennengelernt. „Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Frauen in verantwortliche Positionen, weil viele der männlichen Mitarbeiter der Glashütte im Krieg geblieben oder in Kriegsgefangenschaft waren“, sagt Sturr.

Sein Vater baute bei der Glashütte den Bereich Medizin-/Kosmetikprodukte auf und reiste viel in der Republik herum. Teilweise führten die Sturrs eine Wochenendbeziehung. Doch auch das hat die Treue zueinander überdauert. Gemeinsame Hobbys wie Reisen, Kegeln und regelmäßige Besuche von Opern- und Theateraufführungen schweißten zusammen.