1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Düsseldorf: Kastration von Katzen bald Pflicht?

Düsseldorf : Kastration von Katzen bald Pflicht?

Ob in Tierheimen oder im Stadtgebiet – es gibt in Düsseldorf zu viele Katzen, weil frei laufende Vierbeiner sich stark vermehren. Tierschützer fordern deshalb eine Kastrations-Pflicht. Paderborn hat es bereits eingeführt. Die Düsseldorfer SPD macht sich nun dafür stark, auch die CDU zeigt sich offen.

Ob in Tierheimen oder im Stadtgebiet — es gibt in Düsseldorf zu viele Katzen, weil frei laufende Vierbeiner sich stark vermehren. Tierschützer fordern deshalb eine Kastrations-Pflicht. Paderborn hat es bereits eingeführt. Die Düsseldorfer SPD macht sich nun dafür stark, auch die CDU zeigt sich offen.

Im ersten Moment klingt es skurril, doch die Sache hat laut Tierschützern einen ernsten Hintergrund: Die SPD fordert morgen im Ordnungs- und Verkehrsausschuss (OVA), dass die Stadt eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für frei laufende Katzen einführen soll, in Form einer ordnungsbehördlichen Verordnung. Die soll für alle Katzen gelten, die sich regelmäßig im Freien bewegen und sich in der Obhut von Menschen befinden. "Das ist effektiver Tierschutz", sagt Matthias Herz (SPD). Er hat selbst zwei Katzen, ein Männchen und ein Weibchen, beide Wohnungskatzen, beide kastriert. "Wenn Katzen sich unkontrolliert vermehren, ist das schädlich", so Herz. Die Tierheime seien voll, Vögel würden gefressen, Bürger durch streunende Katzen belästigt.

  • Das designierte Prinzenpaar fiebert mit: Venetia
    Düsseldorf im EM-Rausch : Diese Düsseldorfer sind im Fußballfieber
  • Schon seit langem nutzen Kinder die
    Kinder in Düsseldorf : Wenn der Wille des Bürgers entscheidet
  • Der Eingang zum Impfzentrum in Düsseldorf.
    Corona in Düsseldorf : Sieben-Tage-Inzidenz weiter gesunken
  • Impfstoff von Johnson&Johnson.
    Impfstoff-Mangel auch in NRW : Hausärzte bekommen kein Johnson & Johnson mehr
  • Corona-Pandemie : Inzidenz in NRW sinkt auf 16,9 - alle Städte unter Inzidenz von 35

Katzenschutzbund ist dafür

Das bestätigt auch Ulla Wolff vom Katzenschutzbund Düsseldorf. Nach ihrer Schätzung gibt es in der Stadt allein 50 000 herrenlose Katzen, hinzu kommen Tausende, die einen Besitzer haben und regelmäßig raus dürfen. Zwei Millionen Euro habe der Schutzbund in den 37 Jahren seines Bestehens fürs Kastrieren streunender Katzen aus den Beiträgen der 800 Mitglieder ausgegeben. Bei Weibchen kostet die Kastration laut Wolff 110 bis 120 Euro, bei Katern 70 Euro. "Es ist kein Tierschutz, Katzen unkastriert zu lassen", sagt die Katzenschützerin. Die Verordnung soll Tierhalter dafür sensibilisieren.

Die Stadt Paderborn hat eine solche Regelung vor mehr als einem Jahr eingeführt. Auslöser war, dass das Tierheim im Jahr 2006 wegen Überbelegung einen Aufnahmestopp für Katzen verhängt hatte. "Daraufhin haben wir mit dem Kreisveterinär überlegt, was wir tun könnten", sagt Ordnungsamtsleiter Udo Olschewski. Das Ergebnis hieß: Kastration. Es dauerte zwei Jahre, bis die Verordnung im November 2008 in Kraft trat.

In der Zwischenzeit hatte sich die Situation verschärft. Immer mehr Katzen auf Futtersuche kamen vom Land in die Stadt, belagerten in Gruppen von bis zu 40 Tieren Kinderspielplätze und Sportanlagen. "Und ein Großteil frei lebender Katzen trägt Krankheitserreger mit sich, die nicht nur für Menschen, auch für andere Katzen eine Gefahr sind", betont Olschewski. Jeder Paderborner, der eine Katze hält, die älter als sechs Monate ist und raus darf, muss sie nun kastrieren lassen. Und die Kontrolle? "Wir bekommen ständig Anrufe besorgter Bürger", sagt Olschewski.

Auch in Düsseldorf könnte es im OVA eine Mehrheit für den Vorschlag geben. Die Grünen wollen den Vorschlag wohlwollend prüfen. Auch die CDU signalisiert Zustimmung: "Der Stadt entstehen keine Kosten, weil sie von den Besitzern oder — bei herrenlosen Tieren — Vereinen übernommen werden, und wir haben eine rechtliche Grundlage", sagt Andreas Hartnigk, Vize-OVA-Vorsitzender. Nur die FDP zeigt sich auch bei Katzen liberal und lehnt die Regelung ab. Es gebe echte Probleme, die gelöst werden müssten, sagt FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus. Er wirft der SPD Aktionismus vor und fordert: "Freiheit auch den Katern!"

(RP)