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Veedelszüge 2017 in Düsseldorf brauchen neue Genehmigung

Düsseldorf : Veedelszüge brauchen neue Genehmigung

Beim Gespräch im Ordnungsamt haben fünf Vereine erfahren, welche zusätzlichen Auflagen sie erfüllen müssen.

Mit großen Sorgen haben die Vertreter der Karnevalsvereine aus Unterbach, Gerresheim, Eller, Itter und Reisholz gestern Mittag das Ordnungsamt verlassen. In einem Gespräch mit Amtsleiter Michael Zimmermann, Polizei und Feuerwehr haben sie erfahren, welche Auflagen sie erfüllen müssen, damit ihre Veedelszüge genehmigt werden. Dazu zählen zum Beispiel voll beladene Lastwagen als Blockaden an offenen Stellen der Zugstrecke - inklusive Fahrer, der den Lkw bei Rettungseinsätzen zur Seite fahren kann. Die zusätzlichen Kosten und die Organisation der Sicherheitsvorkehrungen bedeuten für die Vereine große Probleme, einige wissen aktuell nicht, ob sie das alles stemmen können.

Oberbürgermeister Thomas Geisel kündigte an, dass die Gespräche um die Kosten für die Sicherheit der Veedelszüge weitergeführt werden. "Ich tue mich schwer damit, dass die Veranstalter für Kosten für die Terrorabwehr aufkommen müssen", sagte er unserer Redaktion. Es stehe außer Frage, dass die Vereine für die Abwehr der Gefahren aufkommen müssen, die von den Zügen ausgehen, etwa, dass ein Kind von einem Karnevalswagen angefahren wird. Die Terrorgefahr gehöre nicht dazu. "Was die Bedrohung von äußeren Gefahren ausgeht, dann geht es um den Schutz der Öffentlichkeit", sagte Geisel. Die Lage der Züge im Überblick:

Unterbach Der Zug am Karnevalssonntag ist nur einmal in 60 Jahren ausgefallen - wegen eines Sturms. Die Tradition soll auch in diesem Jahr fortgesetzt werden, das bedeutet aber, dass der "Karnevalsausschuss Unterbach" Sponsoren finden muss. Zwei Stellen sind identifiziert, an denen die Sicherheit erhöht werden muss. Was genau dort erforderlich ist, soll ein Rundgang mit der Sicherheitsbehörden am Montag ergeben. "Unser Verein sieht sich nicht in der Lage, das zu stemmen. Die Schmerzgrenze ist erreicht", sagt Martin Beier, Sprecher des "Karnevalsausschuss". Beim Zug in Unterbach gehen 60 Fußgruppen, Wagen und Kapellen (auch aus Niedersachsen und den Niederlanden) auf die zwei Kilometer lange Strecke - das alles organisiert ein kleiner Verein mit 55 Aktiven. "Ende nächster Woche muss eine Entscheidung stehen. Wir haben ja auch vertragliche Pflichten - zum Beispiel gegenüber den Kapellen", sagt Beier.

Eller 12.000 bis 14.000 Euro kostet der Veedelszug in Eller ohnehin schon, jetzt drohen noch einmal mehrere Tausend Euro zusätzlich. "Wir müssen ein neues Sicherheitskonzept einreichen, erst dann erhalten wir eine Genehmigung", sagt Ute Ast, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Veedelszug Eller. Vertreter der Gemeinschaft wollen nächste Woche zusammenkommen und beraten, wie es weitergehen kann. "Wir wollen nicht absagen, aber wir haben auch keinen Plan B", sagt Ute Ast. Am Ellerer Zug nehmen jedes Jahr 30 bis 40 Wagen sowie viele jecke Besucher am Streckenrand teil.

Niederkassel Die Tonnengarde musste nicht zum Termin im Ordnungsamt, weil sie nach Ansicht der Behörden keine zusätzlichen Vorkehrungen treffen muss. Der Verein nimmt dennoch rund 10.000 Euro in die Hand, um zusätzliche Sicherheitskräfte zu engagieren und weitere Absperrgitter aufzustellen. "Das ist gut angelegtes Geld", heißt es aus dem Verein.

Gerresheim Auf der Internetseite der "Saubande", Förderkreis Gerresheimer Veedelszoch, läuft ein Countdown. Noch knapp 23 Tage sind es bis zum Zug durch den Stadtteil. Welche zusätzlichen Sicherheitsauflagen der Verein dann erfüllen muss, ist noch offen. Für die kommende Woche sind Besichtigungstermine angesetzt, dann wissen die Jecken mehr. "Wir müssen einfach abwarten", sagt Irmgard Deutmarg, Frau des Vereinsvorsitzenden Wilfried Deutmarg.

Itter Bereits heute früh trifft sich Uwe Linß, Zugleiter für Itter, mit Vertretern von Polizei und Feuerwehr, um konkret die geforderten Sicherheitsmaßnahmen durchzusprechen: "Erst danach weiß ich genau, was wir zu tun haben." Fünf Stellen gilt es entlang des Zugweges besonders zu sichern. Linß hofft, dass sich die Zahl der Sicherungspunkte bei dem heutigen Gespräch auf drei reduzieren lässt. Aber auch das ist für die Ausrichter des kleinsten Veedelszuges in Düsseldorf - im vergangenen Jahr zogen rund 400 kleine und große Jecken mit - mit hohen Zusatzkosten verbunden. Wenn sich das alles, vor allem in der Kürze der Zeit, nicht darstellen lässt, fällt ausgerechnet der 25. Zug von Itter aus.

Reisholz/Hassels Beim großen Veedelszug in Reisholz und Hassels, der am Karnevalssonntag an rund 40.000 Zuschauern vorbeizieht, sind erfahrene Organisatoren am Start. Trotzdem war der Vorsitzende der Quatschköpp, Rolf Schreier, gestern ratlos: "Wir werden uns das Wochenende über Gedanken machen, was wir tun können, beispielsweise den Zug nur durch einen der beiden Stadtteil ziehen zu lassen." Aber auch eine komplette Absage wird bei den Quatschköpp derzeit für möglich erachtet. Acht Stellen entlang der Strecke zwischen Hassels und Reisholz haben die Behörden ausgemacht. Am Dienstag treffen sich die Quatschköppe vor Ort mit Vertretern von Stadt, Polizei und Feuerwehr. Als problematisch sehen die Behörden die Verbindungsstrecke zwischen den beiden Stadtteilen.

Traurig sei er darüber, dass die finanziellen Nöte der Vereine bei dem gestrigen Termin so vom Tisch gewischt worden seien, sagte Rolf Schreier: "Dabei hatte Oberbürgermeister Thomas Geisel beim Dialog in Reisholz am Dienstag noch gesagt, dass er es unfair fände, wenn die Brauchtumsvereine für Kosten durch weitere Auflagen der Genehmigungsbehörden aufkommen müssten."

(RP)