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Karneval in Düsseldorf: Sicherheitsauflagen gefährden Veedelszüge

Karneval in Düsseldorf : Sicherheitsauflagen gefährden Veedelszüge

Nicht nur der große Rosenmontagszug, auch die kleinen Düsseldorfer Veedelszüge müssen unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen ziehen. In Reisholz und Hassels sollen acht Gefahrenstellen gesichert werden.

Mit großen Sorgen haben die Vertreter der Karnevalsvereine aus Unterbach, Gerresheim, Eller, Itter und Reisholz Donnerstagmittag das Ordnungsamt verlassen. In einem Gespräch mit Amtsleiter Michael Zimmermann, Polizei und Feuerwehr haben sie erfahren, welche Auflagen sie erfüllen müssen, damit ihre Veedelszüge genehmigt werden. Dazu zählen zum Beispiel voll beladene Lastwagen oder Bauschuttcontainer als Blockaden an offenen Stellen der Zugstrecke - inklusive Fahrer, der das Hindernis bei Rettungseinsätzen zur Seite fahren kann. Die zusätzlichen Kosten und die Organisation der Sicherheitsvorkehrungen bedeutet für die Vereine große Probleme, einige wissen aktuell nicht, ob sie das stemmen können.

Oberbürgermeister Thomas Geisel kündigte an, dass die Gespräche um die Kosten für die Sicherheit der Veedelszüge weitergeführt werden. "Ich tue mich schwer damit, dass die Veranstalter für Kosten für die Terrorabwehr aufkommen müssen", sagte er unserer Redaktion. Es stehe außer Frage, dass die Vereine für die Abwehr der Gefahren aufkommen müssen, die von den Zügen ausgehen, etwa, dass ein Kind von einem Karnevalswagen angefahren wird. Die Terrorgefahr gehöre aber nicht dazu. "Wenn die Bedrohung von äußeren Gefahren ausgeht, dann geht es um den Schutz der Öffentlichkeit", sagte Geisel.

In Itter steht eigentlich ein Jubiläum an: Am Karnevalssamstag soll der kleine und bei Familien beliebte Veedelszug zum 25. Mal durch den beschaulichen Stadtteil ziehen, wenn die geforderten Auflagen umgesetzt werden. Bereits Freitagfrüh trifft sich Uwe Linß, Zugleiter in Itter, mit Vertretern von Polizei und Feuerwehr, um vor Ort die Sicherheitsmaßnahmen durchzusprechen "Erst danach weiß ich genau, was wir zu tun haben." Fünf Stellen gilt es entlang des Zugweges durch Bauschuttcontainer oder 7,5 Tonner zu sichern. Linß hofft, dass sich die Zahl der Sicherungspunkte auf drei reduzieren lässt, wenn er Korrekturen am Verlauf vornimmt. Aber auch das ist für die Ausrichter des kleinsten Veedelszuges in Düsseldorf - 2016 zogen 400 Jecken mit - mit hohen Zusatzkosten verbunden. Wenn sich das alles - vor allem in der Kürze der Zeit - nicht darstellen lässt, fällt das Jubiläum ins Wasser. Und das, nachdem sich die Suche nach einem Nachfolger für den langjährigen Zug-Organisator Bernd Bolten zunächst als schwierig erwies. Erst im Oktober fand sich ein neues Veranstaltungskomittee.

Beim großen Veedelszug in Reisholz und Hassels, der traditionell am Karnevalssonntag an rund 40.000 Zuschauern vorbeizieht, sind mit Zugleiter Wolfgang Funk und dem Vorsitzenden der Karnevalsgesellschaft Reisholzer Quatschköpp, Rolf Schreier, alte Hasen am Start. Trotzdem war Schreier nach dem Termin gestern Mittag erstmal sprach- und ratlos: "Wir werden uns über das Wochenende Gedanken machen, was wir tun können; beispielsweise den Zug nur durch einen der beiden Stadtteil ziehen zu lassen."

Aber auch eine komplette Absage ziehen die Quatschköpp derzeit in Betracht. Acht Stellen entlang der Strecke zwischen Hassels und Reisholz haben die Behörden ausgemacht, die geschützt werden sollen. "Wie sollen wir das logistisch an einem Karnevalssonntag hinbekommen? Und dann reden wir noch nicht einmal von den hohen Kosten", sagt ein sichtlich erzürnter Quatschköpp-Präsident Albert Brüntrup. Am Dienstag treffen sich die Quatschköppe vor Ort mit Vertretern von Stadt, Polizei und Feuerwehr. Danach soll sich entscheiden, ob der Zug abgesagt wird.

Traurig sei er darüber, dass die finanziellen Nöte der Vereine bei dem Gespräch im Ordnungsamt so vom Tisch gewischt worden seien, sagte Schreier im Gespräch mit unserer Redaktion: "Dabei hatte Oberbürgermeister Thomas Geisel beim Dialog in Reisholz am Dienstag noch gesagt, dass er es unfair fände, wenn die Brauchtumsvereine für Kosten durch weitere Auflagen der Genehmigungsbehörden aufkommen müssten."

(RP)