Richtfest: Gottes Segen für die Karnevalswagen

Dieser Termin hat eine lange Tradition: Kurz vor Rosenmontag lädt das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) ausgesuchte Karnevalisten in die Wagenbauhalle und feiert mit großem Brimborium das Richtfest.

Viele der Wagen, die am 4. März durch Düsseldorfs Straßen rollen werden, dürfen begutachtet werden. Nur die Kreationen von Satiriker Jacques Tilly bleiben unter Verschluss.

Neu war in diesem Jahr die sogenannte Gesamtwagensegnung – bei der Aussprache dieses Wortungetüms musste CC-Geschäftsführer Hans-Jürgen Tüllmann etwas schmunzeln. Doch hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich eine besondere Aktion, die bei vielen sicher in guter Erinnerung bleiben wird. Der Kaiserswerther Pastor Oliver Dregger kam in Begleitung von Joel Benedikt Puschinski in die Halle und sprach statt von der Kanzel von der Ladefläche eines Transporters zu den Jecken: „Wir wollen den lieben Gott bitten, dass wir einen wunderbaren Rosenmontag haben werden – und auch, dass das Wetter mitspielt.“ Mit den gut 150 Gästen intonierte der Geistliche, der nicht nur gerne Karneval feiert, sondern auch der Regimentspfarrer von Blau-Weiss ist, das „Vater unser“. Das konzertante und fast sonore Raunen und Sprechen sorgte für eine gute Minute mit Charisma und Gänsehaut. Dann ging Dregger durch die Wagenreihen und beträufelte die Gefährte mit Weihwasser.

Die Stimmung in der Halle hatte ein wenig von einem Jahrmarkt. Das Bier wurde literweise ausgeschenkt, der Duft von Erbsensuppe lag in der Luft, der Sänger Heinz Hülshoff sang Karnevalshits, die Ardo-Band spielte, und das Prinzenpaar machte natürlich seine Aufwartung. Die Venetia Sabine (bei kalten Temperaturen trägt ihre Lieblichtkeit gerne ihren flauschigen Teddybärfellmantel) war bestens gelaunt und gab sich mit Prinz Martin I. einen verheißungsvollen Schlagabtausch zu den Kamelle am Montag: „Schokoriegel, Erdnüsse, Weingummi und Stoff-Esel“, schoss es aus ihnen heraus. „Langsam kann es losgehen, wir freuen uns unfassbar“, sagte sie mit leuchtenden Augen. Ihr Prinz nickte zustimmend. Voller Liebe blickte Sabine Ilbertz Vater Josef Ilbertz, als er verriet, dass seine Tochter zu Hause den Spitznamen Peterchen hat. „Sie sollte ein Junge werden“, sagte er. „Und es ist schon wirklich wunderbar, dass meine Tochter im Zug mitfahren wird, ich bin sehr stolz auf mein Peterchen.“

Die Wagen in der Halle machen schon Lust auf den Zoch: Ein bombastischer Löwe fährt als Kapitän vorne mit. Ein Pegasus mit rosafarbenen Hörnern ziert einen anderen Wagen, während ein General auf einem Bauern herum hopst, die Weissfräcke – bekannt für ihren „Lackschuh-Karneval“ – lassen einen jugendlich aussehenden Willy Millowitsch vom Wagen lächeln, eine knallgelbe Quietscheente mit roten Lippen ziert die Front eines Wagens, und eine Sternenflotte grüßt die Narrenzunft.

Michael Szentei-Heise von der Jüdischen Gemeinde ist voller Vorfreude auf den Montag, wie er sagt. Im Nikolauskostüm wird er auf dem Toleranzwagen stehen. Jacques Tilly kam kurz vorbei und witzelte gelassen: „Eine Zeit der Augenringe, aber eigentlich schlafe ich ganz gut. Nützt ja nichts, ich muss fit sein.“ CC-Präsident Michael Laumen und CC-Sicherheitschef Sven Gerling waren beim Richtfest anwesend, dazu die Vertreter der Garden Blau-Weiss und Rot-Weiss. Großes Lob für die ganze ehrenamtliche Arbeit der Karnevalisten gab es von allen Seiten. Brigitte Pavetic

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