Ex-NRW-Ministerpräsident: Närrischer Maulkorb für Clement

Ex-NRW-Ministerpräsident : Närrischer Maulkorb für Clement

Der ehemalige NRW-Ministerpräsident und Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement ist nach seinem Abgang aus der SPD von den Narren entschärft worden. Gestern bekam er von den Karnevals-Comitees aus Düsseldorf, Mönchengladbach und Neuss den "Närrischen Maulkorb" verpasst.

Die SPD hat's versucht. Und nicht geschafft. Die Narren haben es jetzt auch versucht. Und bei den Jecken hat Ex-Ministerpräsident Wolfgang Clement sogar artig "Danke" gesagt, als ihm die Karnevals-Comitees aus Düsseldorf, Mönchengladbach und Neuss gestern Abend den "Närrischen Maulkorb" verpassten, nein besser: verliehen.

Der Mann, der die SPD mit seiner Prinzipientreue (sagen die einen) beziehungsweise Sturheit und Verlogenheit (sagen die anderen) vor zwei Jahren in Atem hielt, prustete gestern laut lachend, als ihm CC-Präsident Engelbert Oxenfort und die Präsidenten des Mönchengladbacher Karnevalsverbands und des Karnevalsausschusses Neuss die Auszeichnung verliehen. Wolfgang Clement ist der fünfte Preisträger des "Närrischen Maulkorbs".

Doch bevor der Bochumer Clement seine Auszeichnung entgegennehmen konnte, feierte der Düsseldorfer Karneval erst einmal einen anderen: sich selbst. CC-Präsident Engelbert Oxenfort begrüßte die Jecken, die einmarschierten Standarten und Prinzengarden, die Präsidenten und Prinzenpaare und alles, was auf zwei Beinen sonst noch die Bühne enterte. "1997 habe ich Wolfgang Clement die Goldene Pritsche verliehen. Seitdem kennen wir uns", sagte Oxenfort. Also, warum dem Mann klarer Worte und von politischen Freunden und Feinden keineswegs der übertriebenen Sensibilität Gescholtenen nicht auch den Maulkorb, den närrischen zumindest verpassen?

Bernd Müller fand das gut. Der WDR-Journalist und Vorjahrespreisträger plauderte aus dem Leben des Clement, durchaus lustvoll piekend in den Schwächen des ehemaligen Landesvaters. Wie sagen seine Töchter immer, wenn es um eine Maxime ihres Vaters gehe? "Oh Herr, gib ihm Geduld. Aber sofort!" Zumindest sei der SPD-Flüchtling bereits vor 40 Jahren ein passabler Vater gewesen. Im Garten durfte er nur das Grobe erledigen, feine Arbeiten übernahmen eher Frau und Kinder.

Kinderwagen hat er aber schon geschoben, als das noch ein "Was ist das denn für einer?" erntete. Das Ergebnis: "Immerhin ist Wolfgang Clement von seinen Töchtern zu einem vorbildlichen Vater erzogen worden", sagte Müller. Einzig ein richtiger Promi sei der ehemalige NRW-Verkehrsminister ohne eigenen Führerschein nicht geworden. Mancher habe ihn schon angesprochen mit "Herr Wickert", verriet Müller.

Clement mochte angesichts der lockeren Plauderei seines Journalistenkollegen (Clement ist gelernter Journalist und war Chefredakteur der Hamburger Morgenpost) noch einen draufsetzen: "Im Zug nach Bayern bin ich im Speisewagen schon mal als Herr Seehofer angeredet worden." Und ganz clementisch versuchte der 69-Jährige manches zu relativieren, was andere schon vor dem Untergang sahen: den Wald und das Klima zum Beispiel. Originalton Clement: "Was heute Schneechaos ist, hieß früher Winter." Clement bedankte sich schließlich ganz lieb und nett für die vielen netten Reden. Der Clement, der tat gestern nix.

Mehr zum Düsseldorfer Karneval lesen Sie in unserem Special.

(RP)