Düsseldorf: Mottowagen: Je später gebaut, umso besser

Düsseldorf : Mottowagen: Je später gebaut, umso besser

Der Rosenmontagszug und seine Mottowagen – ein brisantes Thema, buchstäblich. Rund ein Dutzend sind immer dabei, und bis zuletzt bleiben sie geheim. Einige sind schon fertig, aber die wirklich wichtigen noch nicht. Das Thema Karl Theodor zu Guttenberg, beispielsweise – der Wagen wird erst am Wochenende gebaut.

Der Rosenmontagszug und seine Mottowagen — ein brisantes Thema, buchstäblich. Rund ein Dutzend sind immer dabei, und bis zuletzt bleiben sie geheim. Einige sind schon fertig, aber die wirklich wichtigen noch nicht. Das Thema Karl Theodor zu Guttenberg, beispielsweise — der Wagen wird erst am Wochenende gebaut.

Wagenbauer Jacques Tilly: "Der Guttenberg ist noch nicht fertig!" Entwürfe gibt es, aber die müssen noch überarbeitet werden. Vor allem werden sie sehr aktuell sein — weil man bis zuletzt wartet. Das hat Tilly aus Erfahrungen gelernt. Ein Beispiel: Es war im Jahr 2005. Da war Tilly gerade dabei, "Daisy zu verdrahten", als die Todesnachricht kam: Rudolph Moshammer wurde in München ermordet aufgefunden. Für Tilly hieß das: kein Mottowagen mit Modezar Mosi und seinem Schoßhündchen. Er musste umdisponieren. "Wir haben die Frisur von Moshammer für eine Figur von Roberto Blanco verwendet", erzählt Tilly. Und spätestens nach diesem tragischen Fall war für ihn klar: Je später die Wagen fertiggestellt werden, umso besser. "Wir können ja dank unserer Leichtbauweise sehr schnell bauen."

Düsseldorf will nicht mehr und nicht weniger als die "Lufthoheit über die Titelseiten", wie Tilly es nennt, und in den vergangenen Jahren ist das dank seiner höchst polit-satirischen Mottowagen auch stets gelungen. Als der US-Präsident George W. Bush im Irak einfiel, um Saddam Hussein zu beseitigen, und die Welt sich am Rande eines Atomkrieges sah, machte Tilly aus den beiden Kriegern ein Kuschelpärchen in einem gemeinsamen Bett. "Damals hat Anne Will in den Tagesthemen gesagt: Das ist das Bild, auf das die Welt gewartet hat", erinnert sich Tilly und freut sich immer noch wie ein Kind, wenn er Lob für eine Arbeit bekommt. Osama bin Laden, Adolf Hitler, Irans Herrscher Ahmadinedschad, aber auch andere Machthaber und Kardinäle — sie alle waren schon die Stars auf den Mottowagen.

(RP)