Mottowagen im Rosenmontagszug Düsseldorf 2019 - Jacques Tilly watscht Donald Trump ab

Düsseldorfer Mottowagen : Tilly watscht Trump und AfD gleich doppelt ab

Die Mottowagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug, der am Mittag starten soll, sind bereits enthüllt: Die AfD und ihr Rechtsausleger Björn Höcke werden auf den Mottowagen gleich zweifach thematisiert. Auch Donald Trump ist doppelt vertreten.

In Düsseldorf läuft bislang alles wie gestern geplant - um den Sturm zu umgehen, soll der Zug um 13.30 Uhr starten. Die ersten Wagen werden aus der Halle in Düsseldorf-Bilk gezogen und auch schon zum Aufstellplatz an der Corneliusstraße gebracht. Laut Hans-Peter Suchand, Sprecher des Carnevals Comitees, soll gegen 11 Uhr ein Regengebiet über Düsseldorf hinwegziehen. Alle aktuellen Infos zum Zug und der Wetterlage finden Sie in unserem Liveblog.

Die Populisten und Nationalisten haben bei Düsseldorfs Wagenbauer Jacques Tilly ein Abo: Sie können sicher sein, im Rosenmontagszug mit Spott überzogen zu werden. Die AfD bekommt bei Tilly dieses Jahr gleich doppelt ihr Fett weg. Der Verfassungsschützer, der den in einer braunen Sauce badenden AfD-Michel mit einer Videokamera aufnimmt, wird von diesem als Spanner beschimpft. Nettes Detail: Auf dem Badewannenrand sitzt eine Quietsche-Ente im Adolf-Look.

Björn Höcke als Goebbels-Ziehsohn

Eine richtige Watsche bekommt Björn Höcke verpasst: Tilly macht ihn zum Ziehkind von Joseph Goebbels. Der NS-Propagandachef schaut den kleinen Björn (mit Windel) ganz verliebt an und hebt ihn stolz in die Höhe. Wie ein Vater, der sich an seinem vielversprechenden Nachwuchs erfreut.

Seinen Premierenauftritt im Düsseldorfer Rosenmontagszug erhält Italiens Innenminister Matteo Salvini. Der Flüchtlingsvermeider wird mit nacktem Oberkörper gezeigt, an seinen Brüsten säugt er nicht wie die römische Wölfin die Hoffnungen der Zukunft, sondern zwei glatzköpfige Wechselbälger, denen die Worte Rassismus und Nationalismus auf die Schädel tätowiert sind. Salvini hat auch ein Tattoo. Aufschrift: Mafia im Herzen.

Der doppelte Trump

Ein Karnevalsumzug ohne Donald Trump ist für Tilly wie Ostern ohne Eier. Deswegen kommt der US-Präsident gleich zwei Mal zu Ehren. „Der Mörder und sein Schmutzengel“ ist ein Wagen betitelt, der den saudischen Prinzen Salman mit blutverschmierter Kettensäge zeigt. Es geht um den Mord an dem saudischen Journalisten und Dissidenten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat von Istanbul, über dem Prinzen schwebt als scheinheilige nackte Putte der US-Präsident.

Seinen zweiten Auftritt hat Trump mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Beide sind zu Handpuppen des nuklearen Todes geworden, die den INF-Vertrag zerreißen und eine Aufrüstung mit Atomwaffen auch in Europa wahrscheinlich machen.

Tillys Mottowagen, die mittlerweile überall auf der Welt vor allem in Online-Medien gezeigt werden, dürften wieder eine große Resonanz finden. Sechs der elf Mottwagen haben einen internationalen Bezug.

Erneut ist auch ein Brexit-Wagen vertreten, Premierministerin Theresa May spießt mit ihrer Nase die britische Wirtschaft auf.Ebenso wieder dabei: Polen, diesmal wird das liberale Polen gekreuzigt. Die Kirche nimmt sich der Wagenbauer auch wieder vor. „Die schonungslose Aufarbeitung der Missbrauchsfälle“ zeigt einen Kirchenfürsten, der selig in der Hängematte ratzt, die zwischen zwei Kreuzen aufgespannt ist.

Der Zorn der Greta Thunberg

Eine zornige Greta Thunberg zeigt Tilly, die Klimaschutzaktivistin zieht die Etablierten an den Ohren in die Höhe. „Ihr tut nichts gegen die Klimakatastrophe“ ist ihr Vorwurf, der freitags die Schüler zur Demo auf die Straße lockt. Der deutschen Innenpolitik sind in der Landeshauptstadt zwei Mottowagen gewidmet. Bis zuletzt quälte sich Tilly mit der Frage, wie er denn die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer im Zug vorkommen lassen könnte. Sie hat seit Dezember kaum was Kantiges, nichts Skandalöses geliefert. Nun zeigt AKK auf einem Wagen ganz nach rechts, während ihre SPD-Kollegin Andrea Nahles ganz nach links will. Thema Nummer zwei aus Deutschland ist der Dieselfahrer, den Umwelthilfe, Bundesregierung und Autoindustrie gemeinsam strangulieren.

Schade aus Düsseldorfer Sicht: Beim Thema Lokalkolorit herrscht bei den Mottowagen Fehlanzeige. Die Umweltspuren, die ab Ostern eingerichtet werden, schafften es nicht durch die interne Jury, der Streit zwischen Stadt Düsseldorf und Fortuna Düsseldorf um das Gastspiel des KFC Uerdingen in der Arena kam zu spät. Deswegen gehen dieses Jahr statt zwölf nur elf Mottowagen auf närrische Tour durch Düsseldorf.

Übrigens: Welche Wagen die Kölner dieses Jahr auf die Straße gebracht haben, sehen Sie hier.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mottowagen beim Rosenmontagszug 2019 in Düsseldorf