Karneval in Düsseldorf Stunk gegen von der Leyen und Lauterbach

Düsseldorf · Die Gags bei der Stunksitzung in Düsseldorf waren so auf den Punkt gebracht, dass den 500 Jecken im ausverkauften Saal vielfach das Lachen im Halse stecken blieb. Es wurde viel geboten, von Flachwitzen bis zu intellektuellen Höchstleistungen.

Die Stunksitzung im Capitol.

Die Stunksitzung im Capitol.

Foto: Anne Orthen (orth)

Wenn Ursula von der Leyen und Karl Lauterbach als EU-Kommissionsvositzende und Bundesgesundheitsminister versuchen, mit Verordnungen, Paragraphenreiterei und neuen verwaltungsirrsinnigen Anordnungen den „Stunk“ in Düsseldorf zu verhindern, stemmt sich das siebenköpfige Ensemble inklusive vierköpfiger Band mit aller Anarchie, sozialem und zivilem Ungehorsam sowie enormer satirisch-kabarattistischer Finesse dagegen.

Der roten Faden der lediglich nur vier „Polit-aufmüpfigen“ Stunk-Sitzungen war gefunden und sorgte bei den 500 Jecken am Premierenabend für Jubelstürme. „Was für ein phantastischer Auftakt in die tollen Tage“, urteilte Christiane Heyer. „Das war richtig gut.“ Sie gehört mit ihrer „Sennhüttengruppe“ quasi zum Stunk-Besucherinventar, ist die Gruppe doch seit vielen Jahren immer am Mittwoch vor Altweiber im Capitol. Und auch das Ensemble ist glücklich. „Es ist ein Wahnsinnsgeschenk mal wieder Gas geben zu können“, urteilt Stunk-Sprecher Dennis Prang.

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Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Der erste Stunk nach zweijähriger Corona-Pause beleuchtet die Gegebenheiten der großen und kleinen Welt, der internationalen, nationalen und lokalen Politik mit stechendem Blick, bitterbösem Humor, scharfsinnig, scharfzüngig, teilweise possenreißerisch. Dabei changieren die Ausdrucksmöglichkeiten des Ensembles zwischen Gesang, Schauspiel und Parodie, zwischen alltäglichem Wahnsinn, überbordendem Quatsch, Flachwitzen und intellektueller Höchstleistung.

In teilweise grandiosen Kostümen werben die Stunker unter dem Motto „Back to jeck – die Krisensitzung“ für eine tolerante und weltoffene Politik und Gesellschaft, ist gegen Reglementierung, Langeweile und Energieverschwendung. Denn Krisensitzung heißt: Aus der Not einen Tusch machen.

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Foto: Bretz, Andreas (abr)

Die „Von-der-Leyen-Anordnung“, auch den „Stunk“ europaweit ausschreiben zu lassen, kontern die freiheitsliebenden Kleinkünstler: „Wir sind im Rheinland. Da läuft das europäische Ausschreibungsverfahren nur bis Holthausen. Und wenn das nicht mit den Düsseldorfer Jonges nicht abgesprochen ist, läuft sowieso nix Europäisches.“

Besonders dick erwischt es den CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz und Bundesfinanzminister Christian Lindner. So wettert Jens Spörckmann als Ex-Reichskanzler Otto von Bismarck über Merz: „Ein eitler Sauerländer, mit der Selbstverliebtheit von Markus Lanz und dem diplomatischen Geschick einer Panzerhaubitze, hat sich an die Parteispitze der CDU geputscht. Pah! Ich war schon immer gegen die März-Revolution.“

Sowieso waren manche Gags so auf den Punkt gebracht, dass den 500 Jecken im ausverkauften Saal das Lachen im Halse stecken blieb. „Und warum muss man sich aufregen? Beispiel: Diese total nutzlose und verkackte WM in Katar. In einem Land, in dem Fußball noch unpopulärer ist als Voltigieren. Da werden Sportstätten hingewemmst und zu den Arbeitsbedingungen da muss man nix mehr sagen, die sind ja wohl bekannt. Nichts davon ist geil, alles Quatsch“, echauffierte sich Dennis Prang auf der Bühne.

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Foto: Bretz, Andreas (abr)

Fazit: Die Stunk-Autoren Martin Maier-Bode, Jens Neutag und Sabine Wiegand legten erneut sämtliche humoresken Finger in viele Wunden des aktuellen Zeitgeschehens, wohl wissend, dass sie derzeit noch viel mehr Finger bräuchten. „Ich war auch schon auf der Kölner Stunksitzung“, verriet Ariane Bensmann. „Der Düsseldorfer Stunk ist satirischer, böser, einfach besser.“

Bei allem Spaß vergessen die Stunker auch nicht diejenigen, die zurzeit um ihr Überleben kämpfen und unterstützen Fiftyfifty-Sozialarbeiter Johannes Dörrenbächer mit seiner Initiative für die maronitische Kirchengemeinde in Latakia im Erdbebengebiet in Syrien. Die Flüchtlingsinitiative STAY! sammelt die Spendengelder und überweist das Geld umgehend an die Gemeinde.

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