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Karneval 2020: Altweiber in Düsseldorf - Fotos, Video, Polizei-Bilanz

Karnevals-Reportage : So war Altweiber in Düsseldorf

Das Düsseldorfer Rathaus ist in Frauenhand: Am Vormittag stürmten Hunderte Närrinnen den Amtssitz des Oberbürgermeisters und feierten stundenlang auf dem Marktplatz. Auch der Anschlag von Hanau spielte eine Rolle.

Thomas Geisel kostete den Moment voll aus. „Dieser Schlüssel ist doch viel zu groß für zarte Frauenhände“, röhrte der SPD-Oberbürgermeister vom Rathausbalkon und schwenkte die einen Meter lange Attrappe.

Venetia Jula, die Moderatorin auf der Bühne des Marktplatzes und die versammelten Möhnen vor der blauen Tür des Rathauses taten alles, um ihn zu überzeugen. Als das nichts half, stürmten sie um 11.11 Uhr schließlich erfolgreich den Amtssitz.

Zuvor hatte es einen ernsten Moment im jecken Treiben gegeben. CC-Präsident Michael Laumen hatte vom Rathausbalkon Bezug auf das Attentat von Hanau genommen, bei dem ein mutmaßlich rechtsextremer Täter am Mittwochabend mindestens neun Menschen, seine Mutter und sich selbst erschossen hatte. „Wir Düsseldorfer Karnevalisten sind in dieser dunklen Stunde bei den Menschen von Hanau“, sagte Laumen. „Unser Düsseldorfer Karneval ist multikulturell. Wir werden das Geschehen mit einem Mottowagen beantworten.

Seit etwa 10 Uhr hatten sich vor allem verkleidete Frauen vor dem Rathaus versammelt - teils in extrem aufwendigen Kostümen. Das klassische Möhnen-Kostüm als altes, fein gekleidetes Weib ist allerdings selten geworden; nur am Carlsplatz fanden sich später einige klassische Möhnen.

Altweiber in Düsseldorf

Die Temperaturen waren moderat; die Sonne ließ sich allerdings nicht blicken, stattdessen tröpfelte es gelegentlich etwas. Die Sicherheitsleute bemühten sich redlich, mit den feiernden Damen fertig zu werden, mussten sich jedoch teils geschlagen geben, weil einfach zu viele ins Rathaus drängten.

Drinnen hatte sich alles, was Rang und Namen hat, in der ersten Etage versammelt. Der Jan-Wellem-Saal war wie üblich der Treffpunkt für Gäste aus Politik, Stadtgesellschaft und Brauchtum. Gebannt verfolgten Hoppeditz Tom Bauer, CC-Geschäftsführer Hans-Jürgen Tüllmann mit seinem Präsidenten Michael Laumen, etliche Venetien aus den Vorjahren und noch viele andere Ober-Narren den Sturm auf das Rathaus.

Im Saal hing eine große Leinwand, das Geschehen auf dem Balkon beherrschte ab kurz nach 11 Uhr die Szenerie – alles wurde via Video ins Rathausinnere übertragen. Oberbürgermeister Geisel musste sich vielfach von Möhnen die Krawatte abschneiden lassen – und ließ sich wie üblich immer wieder Nachschub reichen

Die im September anstehende Kommunalwahl war natürlich bei dem Empfang spürbar: CDU-Herausforderer Stephan Keller posierte mit zwei Parteifreunden, die sich als Boxer kostümiert hatten und den „Big Fight“ CDU gegen Geisel ausriefen.

Das Verhältnis zwischen dem Amtsinhaber und seinem ehemaligen Mitarbeiter Keller ist aber respektvoll, wie sich an anderer Stelle zeigte: Geisel überreichte fröhlich einen Karnevalsorden an seinen Kontrahenten. Direkt aus dem All hatte sich Kellers Parteifreundin Angela Erwin auf die Erde beamen lassen – der als Steam-Punk verkleidete Keller sagte, er freue sich besonders auf Rosenmontag, während Erwin Spaß hatte mit dem „grandiosen“ Altweiber.

FDP-Kandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann führte derweil auch an Altweiber ihren Feldzug gegen die Verkehrspolitik des amtierenden OB fort: Sie kam verkleidet als Umweltspur. Der grüne OB-Kandidat Stefan Engstfeld kam als „frohe Natur“ in Grün.

Das Düsseldorfer Dreigestirn der KG Närrischen Schmetterlinge tummelte sich auch in den Räumlichkeiten, Hunderte von Menschen amüsierten sich dort, es war eng - wie es sich gehört an Karneval. Die Närrischen Marktfrauen mit der Vorsitzenden Cida Klinkhammer wollte später noch weiterziehen zum Carlsplatz, wo die Venetien ausgiebig feierten.

Feuerwehr und Ordnungsamt zufrieden mit Altweiber 2020

Städtische Behörden zogen am Nachmittag ein erstes positives Fazit: Es gebe keine Fälle von Schnittverletzungen. Das führt die Feuerwehr auf das Glasverbot zurück. 2009, als es kein Glasverbot gab, waren es 166 Schnittverletzungen gewesen.

Bis 15 Uhr behandelte der Rettungsdienst vier übermäßig betrunkene Jugendliche; 64 Menschen wurden insgesamt behandelt, davon kamen 24 ins Krankenhaus. Der Ordnungs- und Servicedienst (OSD) des Ordnungsamtes war mit 260 Kräften im Einsatz. Er erwischte bis 15 Uhr 38 Jugendliche mit unerlaubt mitgeführtem Alkohol und zwei Minderjährige beim Rauchen. Fünf Wildpinkler bekommen demnächst Post wegen eines Bußgelds von 70 Euro zuzüglich 28,50 Euro Gebühren.

Die Polizei teilte mit, es sei zwar alles andere als ruhig, aber gefühlt ein wenig „normaler“ als in vorangegangenen Jahren. Bis zum Nachmittag seien keine Sexualstraftaten oder Messerstechereien angezeigt worden.

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