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Düsseldorf: Janz hinten im Zoch wird jeputzt statt jebützt

Düsseldorf : Janz hinten im Zoch wird jeputzt statt jebützt

Die allerletzten Wagen im Rosenmontagszug steuern die orangen Männer der Awista – Die Saubermänner im Straßen-Karneval.

Die allerletzten Wagen im Rosenmontagszug steuern die orangen Männer der Awista — Die Saubermänner im Straßen-Karneval.

Bei normalen Karnevalswagen ist es so, dass sie im Schritt-Tempo unterwegs sind, darauf stehen Dutzende Leute und oben raus kommen Unmengen Kamelle. Beim Wagen von Richard Knaus ist es irgendwie andersrum. Der fährt zwar auch im Schritt-Tempo, aber obendrauf sitzt nur einer und die Kamelle kommt unten rein statt oben raus.

Knaus fährt den letzten Wagen des Düsseldorfer Rosenmontagszugs. Er ist orange, hat einen Mercedesstern im Kühlergrill und auf der Seite steht in großen Lettern Awista. Es sieht spielerisch aus, wie Knaus die tonnenschwere Kehrmaschine lenkt. Genau das ist es aber nicht. Der Fahrer sitzt rechts, wie in englischen Sportwagen. "So können wir die rotierende Bürste besser sehen, wenn wir an der Bordsteinkante entlang fahren", sagt Knaus. Das schwierigste sei es, niemanden zu übersehen, denn manche Karnevalisten haben wenig Respekt vor großen Kehrmaschinen, auch wenn sie kaum Chancen dagegen hätten. Zum Zugende nimmt diese Respektlosigkeit zu. Ob er lieber selber Karneval feiern möchte, statt den Dreck der Feiernden wegzuräumen? "Nein", meint der gebürtige Österreicher, "ich hab schon genug gefeiert. Ich muss nicht alles mitmachen".

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Am Straßenrand warten zwei Kinder, obwohl der Zoch schon durch ist. Während der kleine Junge fasziniert auf die rotierenden Bürsten der Kehrmaschine blickt und versucht, Konfetti so abzuwerfen, dass sie von den Bürsten blitzschnell in den Schlund des Fahrzeugs befördert wird, versucht das kleine Mädchen Knaus ein paar Kamelle durchs Fenster zu reichen. Doch das ist mit Knaus nicht zu machen. Stattdessen schenkt er selbst beiden Gummibärchen, die er im Führerhaus für Kinder gebunkert hat, so machen es alle Fahrer gern.

Richard Knaus allein würde die Straßen auch mit seiner Kehrmaschine nicht sauber bekommen, nicht in angemessener Zeit jedenfalls. Sechs große Kehrmaschinen fahren am Ende des Zuges. Gemeinsam mit etlichen anderen Lkw machen sie aus der Müllwüste in Windeseile eine saubere Straße.

Den Überblick über das Fahrzeug- und Menschengewirr hat Peter Schilkowski. Der Maschinentechniker ist einer der Abschnittsleiter der Awista. Zwei Dutzend Mann stehen unter seinem Kommando. "Es ist wichtig, ein erfahrenes Team zu haben, und die Abläufe gut vorzubereiten", sagt Schilkowski. Die Armada, die er dirigiert, wird von einem Saugwagen angeführt. Dieser saugt per Schlauch die großen Müllmengen an den Straßenrändern auf. Ein kleiner Hund sollte besser nicht in die Nähe des Saugers kommen — das zeigen Reihen von leeren Fünf-Liter-Fässchen, die wie Reiskörner in dem Sauger verschwinden, ein beliebtes Fotomotiv. Parallel steuert Jürgen Hellmuth den Wasserwagen über den Zugweg. Mit großen Düsen sprüht er Wasser über die Straße und spritzt den groben Dreck an den Fahrbahnrändern zusammen. 2014 ist Hellmuths 30. Rosenmontagszug "auf dem Bock", wie Lkw-Fahrer sagen. Regelmäßig muss der Wagen an Hydranten aufgetankt werden. Auf ihn folgen sechs große Kehrmaschinen und zwei kleinere, wendige, die auch auf den engen Gehwegen genug Platz finden und in jede Ecke kommen.

Ein Zaungast kommt zum Leitwagen von Peter Schilkowski. Er lässt die Scheibe runter. "Das ganze sieht aus wie ein großes Ballett mit orangenen Riesen-Lkw", sagt der Zug-Besucher und spricht dem Awista-Mann großes Lob aus. Und wirklich, wie die Mariechen einer Tanzgarde bewegen sich die orangen Kehrmaschinen versetzt oder parallel von einer Straßenseite zur nächsten. Während Einige dem Zoch folgen, fahren Andere die Strecke immer wieder auf und ab, und kommen am Ende zur Gruppe zurück. Dazu müssen die Fahrer nicht miteinander sprechen. Jeder in dem eingespielten Team weiß, was er zu tun hat.

Ganz ohne Handarbeit aber kommen die Saubermänner der Awista nicht aus. Etwa zehn Mann machen die Grobarbeit als Infanteristen. Manche sind mit Besen ausgerüstet oder heben sperrige Kartons in den mitfahrenden Müllwagen. Andere, wie Kevin Wilden, sind mit einer riesigen Rohkanone und einem Rucksack ausgestattet. Mit den Laubbläsern sehen Wilden und seine Kollegen aus wie die Geisterjäger aus dem Film Ghostbusters. Sie pusten die Straßenränder frei vom Müll, der dann von den Kehrmaschinen aufgefegt wird.

Am Rheinufer wird es schnell leer, wenn Schilkowski mit seinem Konvoi durch ist. Die Jecken ziehen weiter in die Altstadt oder nach Hause. Anders sieht das an der Heinrich-Heine-Allee aus. Dort reinigen Kevin Wilden, Jürgen Hellmuth, Richard Knaus und die anderen Awista-Mitarbeiter, während neben ihnen die Karnevalisten noch feiern, trinken, singen, essen. Es ist ein bizarrer Anblick, wenn einige Kostümierte vor Kevin Wildens Laubblas-Kanone fliehen. Oder wenn ein paar sehr angetrunkene Karnevalisten sich so ungünstig in den Wind stellen, dass sie vom Wasserstrahl des Reinigungswagens durchnässt werden. Doch die Awista-Leute stoßen auf viel mehr Zustimmung, als man erwarten könnte. Um spätestens 19 Uhr sind die meisten Zugwege mindestens so sauber wie vor dem Zoch. Der Verkehrs fließt wieder — auf sauberen Straßen.

Die Männer um Peter Schilkowski sind die, die das Motto des Rosenmontagszugs wie keine andere Gruppe verkörpern: Sie machen Düsseldorf wirklich wieder fein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Rosenmontag in Düsseldorf: Diese Männer machen nach dem Zug sauber

(RP)