Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly: „Satire darf nicht alles“

Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly : „Satire darf nicht alles“

Der Karnevalswagenbauer Jacques Tilly sieht Grenzen der Satire. "Wir haben ja erlebt, dass vor 80 Jahren über Deutschlands Straßen böse, antisemitische Karnevalswagen gefahren sind."

Das sagte der Künstler im Interview der Düsseldorfer Straßenzeitung "fiftyfifty". "Das waren verbrecherische Aussagen unter dem Deckmantel der Satire, aber einer schlimmen, menschenfeindlichen und antizivilisatorischen Satire." Insofern dürfe Satire eben nicht alles, "sondern sollte sich an einen Wertekanon halten, der prinzipiell humanitär geprägt ist".

Zugleich betonte Tilly, dass Satire weh tun müsse. Jeder Mensch, jede Institution, jede Glaubensgemeinschaft, die in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft ihre Meinung zu Markte trage, müsse es über sich ergehen lassen, in Grund und Boden kritisiert zu werden. "Auch gemein, subversiv, satirisch, polemisch, bis an die Grenzen gehend", so der Wagenbauer.

Besonders ablehnende Reaktionen erfahre er aus dem rechten Lager und von Gläubigen, führte Tilly aus. Im vergangenen Jahr habe der Wagen "Blond ist das neue Braun", der "Finsterlinge wie Trump, Wilders und Le Pen vorgeführt" habe, sehr viele Hassmails bis hin zu Morddrohungen hervorgerufen.

Im Konfliktfeld satirisch-subversiver Humor und Religion verstünden viele Gläubige keinen Spaß, besonders beim Thema Katholizismus und Abtreibung. Da stünden "die Katholiban den radikalen Islamisten in wenig nach", sagte Tilly. Dabei sei Religion "zu 100 Prozent Menschenwerk, damit fehlerhaft und selbstverständlich kritisierbar".

Seit einigen Jahren vollzieht sich laut Tilly bundes- und weltweit eine Radikalisierung. Viele Menschen lebten in sogenannten gefühlten Wahrheiten und würden von Alarmismus, Erregungshypes und Hysterisierungsstrudeln mitgerissen. Deshalb seien seine Wagen auch extremer geworden. "Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil", so der Künstler. "Auf Trump etwa kann man gar nicht stark genug draufhauen."

(csr/kna)
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