Karneval in Düsseldorf In Wittlaer feiert man sich selbst

Wittlaer · Der Rosenmontagszug in Düsseldorf-Wittlaer besteht aus nur fünf Gruppen. Dennoch entsteht das Gefühl, das ganze Dorf sei in Feierlaune und auf den Beinen.

Die Karnevalsfreunde Wittlaer greifen in ihrer Hexenküche Gerüchte auf, die durch das Dorf wabbern. Wird es etwa ein Parkverbot in Einbrungen oder eine Erweiterung der B8n geben?

Die Karnevalsfreunde Wittlaer greifen in ihrer Hexenküche Gerüchte auf, die durch das Dorf wabbern. Wird es etwa ein Parkverbot in Einbrungen oder eine Erweiterung der B8n geben?

Foto: Brabeck/Julia Brabeck

Mit dem Rosenmontag ist der Höhepunkt der Session erreicht, und das gilt auch in Wittlaer. „Wir sind hier wie das gallische Dorf und lassen uns nicht vom großen Düsseldorfer Zug vereinnahmen“, sagt Marc Gemeinde. Der Wittlaerer gehört zu der Gruppe JeckElWis (Jecke Eltern Wittlaers), welche den kleinsten Veedelszoch in Düsseldorf organisiert. Wobei sich die Arbeit dabei in Grenzen hält, denn am Zug nehmen in der Regel nur eine Handvoll Gruppen teil und diesen wird kurz vor dem Beginn um 14.30 Uhr spontan ihr Platz zugewiesen.

Allerdings weiß Organisator Roman Wesolowski nie, wer sich dem Zug anschließt, denn anmelden muss sich niemand, jeder ist willkommen. Diesmal sind es fünf Gruppen, die sich am Kreisverkehr eingefunden haben und schon sehnsüchtig von den zahlreichen Narren am Straßenrand der Bockumer Straße erwartet werden.

Darunter befinden sich vor allen Dingen viele Familien mit kleinen Kindern, denn in Wittlaer steht die familiäre, nachbarschaftliche Atmosphäre im Vordergrund und die Veranstaltung ist garantiert nicht zu lang für die Kleinen: bereits nach gut fünf Minuten ist der Zug vorbeigezogen. Wer sich also nur wenig verspätet, sieht nur noch die Wagen am Ende der Straße um die Ecke ziehen.

Angeführt wird der Zug traditionell vom Schalmeien-Corps Wittlaer, das mit den Blasinstrumenten ordentlich für Stimmung sorgte. Diesmal folgt Familie Gunawardena als „Die Einbrunger Orgelpfeifen“ mit einem kleinen Handwagen, der gefüllt ist mit zahlreichen Kartons mit Wurfmaterial. „Wir beteiligen uns bereits das vierte Mal, denn wir finden es wichtig, dass solch eine Veranstaltung erhalten bleibt“, sagt John. Und in Feierlaune ist die Familie ohnehin, denn Schwiegermutter Daggi feiert Geburtstag.

Mit rund 35 Teilnehmern sind die „Karnevalsfreunde Wittlaer“ am Start, die aus befreundeten Familien bestehen und sich erneut mit Themen aus dem Ort beschäftigen. Unter dem Motto „Gerüchteküche Wittlaer“ versammeln sich die als Zauberer und Hexen verkleideten Jecken um einen Rauch und Seifenblasen speienden Hexentopf auf Rädern, über dem mögliche Gerüchte zum Ort aufgeführt werden. „Braunkohle unter Wittlaer – Erste Enteignungen“ oder „Ab Sommer Eisdiele in Wittlaer“ ist dort zu lesen.

Politisch werden auch die JeckElWis, die sich mit den Schließungen der Gastronomie im Ort beschäftigen und sicherheitshalber die letzte Kneipe von Wittlaer als Karnevalswagen gebaut haben. Zudem zog diesmal auch noch die Jugend der Freiwilligen Feuerwehr mit.

Die größte Gruppe machen aber die Zuschauer selbst aus, denn die Besonderheiten des kleinen Zuges ist, dass er immer länger wird, je näher er seinem Ziel kommt. Denn die Wittlaerer schließen sich dem Zug an, um dann gemeinsam in einem Zelt auf dem Schützenplatz zur Musik der Gruppe „Silke zahlt“ noch viele Stunden weiterzufeiern.

Die Jecken Eltern haben sich eine Kneipe gebaut.

Die Jecken Eltern haben sich eine Kneipe gebaut.

Foto: Julia Brabeck
Jasmin (links) hat ihre Nachbarn eingeladen.

Jasmin (links) hat ihre Nachbarn eingeladen.

Foto: Brabeck/Julia Brabeck
 Die größte Gruppe bilden die Zuschauer selbst.

Die größte Gruppe bilden die Zuschauer selbst.

Foto: Julia Brabeck

Eingesammelt werden dabei auch mehrere Nachbargemeinschaften, die zuvor in ihren Vorgärten schon ordentlich gesungen, geschunkelt und gefeiert haben. „Hier ist eine super Stimmung, schöne Atmosphäre und alle sind positiv drauf“, sagt Bezirkspolizist Stefan Sell.

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