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Düsseldorf: So war der Rosenmontagszug 2020 - tausende Jecke, tonnenweise Kamelle

Rosenmontagszug in Düsseldorf : Tausende Jecke, tonnenweise Kamelle, ein platter Reifen und ein entferntes Hakenkreuz

Rosenmontagszug 2020: Düsseldorf trotzt dem Regen

Tausende Jecken trotzten beim Düsseldorfer Rosenmontagszug dem nasskalten Wetter. Zu sehen gab es hochpolitische Mottowagen, zu fangen rund 250 Tonnen Kamelle. Die Zwischenbilanz der Polizei fiel am Abend positiv aus.

Hunderttausende Jecken am Straßenrand, fast 12.000 Teilnehmer auf den Wagen und in den Fußgruppen: Die Düsseldorfer haben beim Rosenmontagszug dem nasskalten Wetter getrotzt und den Höhepunkt des Straßenkarnevals gefeiert.

Insgesamt machten sich am Montagmittag 131 Wagen, 90 Fußgruppen und 24 Musikkapellen auf den rund vier Kilometer langen Weg über die Corneliusstraße, die Königsallee, durch die Altstadt und Carlstadt bis zur Friedrichstraße. Gefeiert wurde dabei ebenso friedlich wie fröhlich: Die Polizei meldete zunächst keinerlei größere Zwischenfälle.

In zahlreichen politischen Mottowagen im Zug spießte Wagenbauer Jacques Tilly mit seinem Team aktuelle politische Ereignisse auf. Ein hochaktueller Wagen nahm direkten Bezug auf das Attentat von Hanau: Aus dem Mund einer Figur ragt eine große Pistole, auf der „Rassismus“ steht. Auf dem Kopf steht: „Aus Worten werden Taten!“

Andere politische Wagen thematisierten unter anderem das rein männliche Kandidaten-Quartett für den CDU-Vorsitz, das als „Sackhüpfen“ dargestellt wurde, das in den Augen der Wagenbauer komplett farblose SPD-Führungsduo und den Konflikt zwischen Papst Franziskus und dem ehemaligen Papst Benedikt XVI. Ärger gab es zwischenzeitlich um einen Wagen, mit dem Kritik am brasilianischen Präsidenten Bolsonaro geübt wurde. Die Wagenbauer entfernten dort ein Hakenkreuz.

Auf dem interreligiösen Toleranzwagen, der wegen des Attentats in Hanau mit einem Trauerflor versehen war, fuhren Vertreter der christlichen Kirchen sowie der Jüdischen Gemeinde mit, ebenso Landtagspräsident André Kuper und Integrationsminister Joachim Stamp. Zwei Vorstandsmitglieder des Kreises Düsseldorfer Muslime hatten ihre Mitfahrt nach dem Attentat abgesagt, Ataman Yildirim vom Karnevalsverein „Orient-Okzident Express“ trug einen schwarz-weißen Traueranzug.

Der Wagen hatte zu Beginn mit einem beschädigten Reifen zu kämpfen – dieser wurde provisorisch aufgepumpt, die Abfahrt dadurch leicht verzögert. Danach mussten immer Teile der jecken Besetzung den Wagen verlassen, um ihn leichter zu machen und die Weiterfahrt zu sichern – und es sollten frühzeitig möglichst viele Kamelle geworfen werden. „Deswegen ist uns gegen Ende ein wenig das Wurfmaterial ausgegangen, weil wir zu Beginn Ballast abwerfen mussten“, sagte Pressesprecher Walter Schuhen: „Wir hätten sonst möglicherweise den Zug verlassen müssen.“

Das komplette Protokoll vom Tag lesen Sie hier in unserem Live-Blog.

Wegen der ungewöhnlichen Umstände werde nun überlegt, ob man den Wagen im kommenden Jahr „außer der Reihe“ doch wieder fahren lassen darf: Eigentlich darf nach den Regeln des Comitees Düsseldorfer Carneval derselbe Wagen nur zweimal in Folge am Zoch teilnehmen. Man habe schon Kontakt aufgenommen, sagte Schuhen.

Positiv fiel die erste Bilanz der Düsseldorfer Polizei aus, die von einem weitgehend friedlichen Zug und relativ wenigen Vorfällen berichtete. Bis 18 Uhr erhielten 40 Personen (Vorjahr: 53) Platzverweise für die Innenstadt, vier Randalierer mussten den Tag im Polizeigewahrsam verbringen. Rund 1000 Polizistinnen und Polizisten waren im Einsatz.

Das Ordnungsamt kümmerte sich besonders um den Jugendschutz und die Einhaltung des Glasverbots, für das 16 Sperrstellen in der Altstadt eingerichtet wurden. Die Stadt erklärte, die meisten Feiernden hätten gar nicht erst Glasflaschen oder Gläser dabei gehabt. Die anderen konnten Getränke in biologisch abbaubare Becher umfüllen. Bis 15.30 Uhr seien 38 Jugendschutzkontrollen durchgeführt, 28 Mal sei mitgeführter Alkohol freiwillig vernichtet worden. Drei hilflose Minderjährige wurden den Sanitätsdiensten zugeführt.

Die zusätzlich aufgestellten Toiletten wurden laut Stadt gut angenommen. Am Rosenmontag wurden bis zum Nachmittag demnach keine „Wildpinkler“ ertappt, über die Karnevalstage habe es 55 Verstöße gegeben – halb so viele wie im Vorjahr. Die Ordnungswidrigkeit wird mit einem Bußgeld von 70 Euro geahndet. Die Falschparker sind hingegen nicht weniger geworden: 100 (2019: 99) Fahrzeuge standen behindernd am Zugweg, 78 Mal musste abgeschleppt werden.