Veedelszüge in Düsseldorf Jecken feiern in Itter ein Jubiläum und zu brasilianischen Rhythmen

Düsseldorf · Das Motto „Wie et wohr vor 100 Johr“ hatte beim Veedelszoch in Düsseldorf-Itter viele Gruppen inspiriert. Die Schützen feiern 2024 ihr Jubiläumsjahr.

 Die Gruppe „Ganza ab-Surdo“ spielt brasilianische Samba-Percussion. Beim Zoch in Itter waren die Musiker dabei.

Die Gruppe „Ganza ab-Surdo“ spielt brasilianische Samba-Percussion. Beim Zoch in Itter waren die Musiker dabei.

Foto: Anne Orthen (orth)

Der Veedelszoch Itter lockte am Samstagnachmittag zahlreiche Jecken an. Bei idealen Bedingungen, es war mild und trocken, kamen auch viele Besucher aus den umliegenden Stadtteilen, darunter ein paar Jungs aus Wersten. Die Sechstklässler trugen allesamt große Beutel mit sich. Sie sollten nachher gut gefüllt sein. Es war die 32. Auflage des kleinen, aber feinen Veedelszochs. In Anlehnung an das 100-jährige Jubiläum der St.-Hubertus-Schützen lautete das Motto des Zugs der katholischen Pfarrgemeinde St. Hubertus: „Wie et wohr vor 100 Johr.“

Geduldig und gespannt warteten die Besucherinnen und Besucher darauf, dass der Zug sich in Bewegung setzte. Zug-Moderator Martin Kreitzberg zählte mit allen die letzten zehn Sekunden bis zum Start herunter. Um 14.11 Uhr war es soweit: 20 Gruppen mit rund 590 Mitwirkenden machten sich pünktlich auf den Weg.

Und gleich zu Beginn ging es laut und mit brasilianischem Flair zu Werke. Die erste Musikgruppe war die Band „Ganza ab-Surdo“. Und die gab gleich alles. Die Rhythmen steckten an, am Wegesrand kam Bewegung auf. Aber auch andere Musikgruppen begeisterten, zum Beispiel das Fanfarencorps Wersten mit kräftigem Schlag und die Tambourcorps aus Holthausen und Wersten.

Das Motiv des 100. Jubiläums hatten viele Gruppen aufgenommen, darunter natürlich die Schützen Itter. Die Gruppe der Messdiener im Rheinbogen war außerdem im Steinzeit-Outfit dabei und verkündeten ihre ganz besondere Motto-Erweiterung: „Mer fiere wie vor 100 (Millione) Johr“. Der Familienkreis Holthausen kam als „Klasse von 1924“ daher. Alle trugen Kleidung von Annodazumal und Nickelbrille. Auch älter, aber ganz bunt waren die Figuren aus dem gallischen Dorf, mit Obelix, Miraculix, Gallier-Chef Majestix und natürlich dem kleinen Krieger Asterix.

Nicht weniger farbenfroh präsentierten sich die Mitglieder des Familienzentrums Holthausen „Die fantasievolle Welt der Kinder“ lautete das Credo. Zug-Moderator Martin Kreitzberg war kurzzeitig etwas irritiert, als der Strom an Mitwirkenden nicht aufzuhören schien. „Wie viele seid ihr eigentlich? Die Hälfte des Zuges in Itter kommt aus Holthausen.“ So war es natürlich nicht ganz. Manche kamen auch aus Himmelgeist, so die Närrischen Frauen, gekleidet in sattem Pink.

Mit dabei waren auch die Bürgerinitiative Hafenalarm, die Rheinpiraten, die „Marine Itter“, die befanden „Jeck un doll immer widder toll“, die zweite Gesellschaft Grenadiere Itter sowie Kinder aus örtlichen Kindergärten. Denn der Zoch in Itter hat einen Ruf: er ist der Zug der vielen Kleinen. Ein Familienzug in bestem Sinne, weil es keine großen Wagen mit großen Rädern gibt. Kinder können sich hier freier bewegen. Lediglich ein Trecker sei unterwegs, hatten die Veranstalter im Vorfeld angekündigt. Das sei auch nachhaltiger. Was im Zug entlang tuckerte, war dann eher ein Treckerchen, ein Quad. Ansonsten wurde viel auf Schusters Rappen geschoben und gezogen.

Aber die 20 Gruppen waren auch schnell vorbeigezogen. Etwas mehr als 20 Minuten dauerte das nur. Doch was einmal gut war, konnte beim zweiten Mal nur besser sein. Und so gingen viele Besucher einfach ein Stückchen weiter, um den Zug noch einmal zu erleben. Der hatte in Itter eine große Schleife gedreht, kam nun wieder an seinen Ausgangsort zurück, bevor er sich endgültig auflöste. Selbst dort, auf dem Schützenplatz, war noch nicht Schluss. Es wurde ja noch zur After-Zoch-Party geladen. Viele nahmen das Angebot nur zu gerne an.

Vorher aber hatten sich die Zuggäste ein weiteres Mal an den Straßenrand gestellt und versuchten mit „Helau“ weitere Kamelle-Würfe zu entlocken. Und ebenso heiter kam das Helau zurück, nun aber teilweise schon mit einem „Wir haben leider nichts mehr“ hinterher. Bevor der Schützenplatz erreicht war, hatten dann alle ihr Pulver endgültig verschossen. Die Besucher waren allerdings in bester Stimmung und gingen – wie die Jungs aus Wersten  – mit gut gefüllten Taschen und Beuteln nach Hause.

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