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Düsseldorf: Breuckmann kommentiert Zug für Blinde

Düsseldorf : Breuckmann kommentiert Zug für Blinde

Eine Tribüne für 50 Behinderte gab es schon beim letzten Rosenmontagszug. Jetzt können am Graf-Adolf-Platz auch 18 Sehbehinderte Platz nehmen. Sie erfahren bei einer Live-Moderation alle Details über Wagen und Fußgruppen.

Sein Kostüm hat Jannis Witte noch nicht ausgesucht. Aber der 15-Jährige weiß: "Es wird auf jeden Fall was Buntes." Wie im letzten Jahr geht Jannis gemeinsam mit seiner Mutter Angelika wieder zum Rosenmontagszug. Und in diesem Jahr wird dieser Besuch etwas ganz Besonderes. Jannis ist körperbehindert, sitzt im Rollstuhl und ist außerdem sehbehindert. Darum hat er sich seinen Platz am Zug schon jetzt gesichert: Er ist Gast auf der Behindertentribüne, die zum zweiten Mal von der AOK gesponsert wird.

Die Neuheit: Für all die, die wie Jannis nicht sehen können, wird der Zug live kommentiert. Das übernimmt Sportreporter Manfred "Manni" Breuckmann. "Damit kann ich wirklich mal was zurückgeben", begründete er gestern sein ehrenamtliches Engagement. Denn in all den Jahren, in denen er fürs Radio Fußballspiele kommentiert hat, seien vor allem die Sehbehinderten seine treuesten Fans gewesen.

Den Rosenmontagszug zu moderieren, ist für Breuckmann nicht ungewöhnlich. Rund 25 Jahre lang hat er das sowohl fürs Fernsehen als auch fürs Radio gemacht. "Und auf diese Reportage an der Behindertentribüne bereite ich mich genauso vor wie auf die Hörfunkreportagen", verspricht er und kündigt an, sich in der Wagenbauhalle bei einem Gespräch mit den Künstlern intensiv zu informieren.

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Mit Jürgen Tüllmann von der Bürgerstiftung, die auch die Idee für dieses Projekt hatte, hat er übrigens einen karnevalserfahrenen Co-Moderator an der Seite.

Damit Jannis und all die anderen Menschen mit Handicap die beiden auch gut verstehen können, wird eine spezielle Übertragungstechnik installiert. Die hat Stefan Felix, Behindertenbeauftragter der Fortuna und ebenfalls sehbehindert, organisiert. Er kümmert sich bei den Fußballspielen des Zweitligisten schon länger darum, dass sehbehinderte Fans das Spiel mit Hilfe von ständig wechselnden Live-Kommentatoren nachverfolgen können.

Dafür gibt es diese Anlage, die am Rosenmontag für das AOK-Projekt ausgeliehen wird. Zu den Kommentatoren im Stadion gehört auch Manni Breuckmann, der erst am vergangenen Freitag das Spiel gegen Union Berlin für die Sehbehinderten in der Arena kommentierte. Breuckmann: "Bei solchen Moderationen kann man sich wieder auf das besinnen, was eine echte Reportage ausmacht: Ich beschreibe genau das, was ich sehe. Und ich leihe den Sehbehinderten damit meine Augen."

Auf der Tribüne haben 50 Rollstuhlfahrer sowie 18 Sehbehinderte und 100 Angehörige Platz. "Falls sich mehr als die 68 Behinderten interessieren, können wir die Tribüne auch schnell noch anbauen", verspricht AOK-RegionaldirektorJürgen Vogt. Die Kasse gibt keine Beitragsgelder für dieses Sponsoring aus, sondern verwendet Geld aus einem sozialen Projekt: Patienten einer Zahnklinik können ihr Zahngold spenden, die AOK verwendet den Erlös von rund 20 000 Euro pro Jahr für soziale Projekte. Daraus werden die Kosten von knapp 10 000 Euro für die Tribüne verwendet.

Jannis und Angelika Witte sind sicher: "Bei uns wird bestimmt wieder viel Kamelle geworfen. Letztes Jahr hatten wir vier volle Tüten."

(RP)