Altweiber in Düsseldorf: So vielfältig feierten die Jecken

Karnevalstypen an Altweiber: So vielfältig feiern die Düsseldorfer

Zu Karneval zeigt die Landeshauptstadt ihre wahre Internationalität: aus Portugal, Dänemark oder dem linksrheinischen Neuss reisten die Feiernden an. Wir stellen ein paar Karnevalstypen vor.

Die Herausgeputzten Janny Brustmann verkörperte genau das, wonach sich gestern alle Jecken sehnten: Sonne. Gelb-Gold leuchtete ihr Kostüm, das sie in zweieinhalb Wochen selbst genäht hatte. Alles stimmte: Auf dem Kopf trug sie einen Strahlenkranz aus goldenen Zacken, umsäumt von gelbem Tüll. So blieben wenigstens die Haare trocken. Auf das Oberteil hatte sie kleine Goldplättchen aufgenäht, den Hals zierte ein üppiges Collier mit goldenen Kugeln. Die wiederum hatte sie auch zu Ohrringen verarbeitet. Goldpuder und aufgeklebte goldene Strasssteine brachten ihr Gesicht zum Strahlen. Nacht bis über beide Augen trug Schwester Graca, die sich als Sternenhimmel verkleidet hatte. Viele silberne Sterne ragten von ihrem Kopf aus in den verregneten Düsseldorfer Himmel. Selbst das Täschchen passte zum Outfit: in nachtblau mit - Sternen darauf, was sonst. Mit ihrem kunstvollen Kopfschmuck wirkten die beiden wie aus dem venezianischen Karneval entflohen. Dabei sind sie in Portugal geboren. "Dort wird Karneval eher im Stil Brasiliens gefeiert", erzählt Janny, "dem haben wir unsere Kostüme nachempfunden." Die 47-Jährige und ihre 49-jährige Schwester sind in Portugal geboren, aber in Düsseldorf aufgewachsen. Nur ein Mond fehlt ihnen jetzt noch.

Die Wetterfesten Eier, Würstchen, Frikadellen und ein Glas Bier - das Menü des Karnevalisten mag einfach klingen, ist aber nahrhaft. Auf einem Mäuerchen am Marktplatz eröffneten Elfi Renspies (73), Brigitte Schuhmacher (67) und Ingrid Erdmann (77) ihr Buffet. "Das machen wir jedes Jahr so", sagte Elfi Renspies, die mit ihren Freundinnen als Hasen verkleidet war. Und weil das Wetter in Düsseldorf zur Flatterhaftigkeit neigen kann, haben sie auch stets den richtigen Nässeschutz dabei: eine große Plane fürs Essen, durchsichtige Regencapes für die Kostüme.

Die Tierischen 2016 geht der Trend wieder zur Vollbehaarung - jedenfalls, was Karnevalskostüme angeht. Schön warm ist es in so einem Ganzkörper-Esel, -Hasen oder -Bären. Bequem ist das auch noch, wie ein Strampler etwa. Praktisch, wenn man es noch ordentlich krachen lassen will, wie die dänischen Freunde Ida Hartvigsen, Jeppe Kirt, Siff Reimer Andersen, Morten Birkebæk und Emil Meyer Jensen. "Ich liebe es einfach, dass sich zu Karneval alle verkleiden und zusammen feiern und der Rest völlig egal ist", sagte Birkebæk (20), der in Düsseldorf bei BoConcept arbeitet. Aus Hamburg war Siff Reimer Andersen (20) zu Besuch gekommen. Dort arbeitet sie derzeit als Au-pair.

Die Erfinderischen Es ist eng, laut und nirgendwo kann man seine Tasche ablegen. Alltag eines jeden Karnevalsfeiernden. Praktisch wäre doch da ein Einkaufswagen, dachten sich die Studentinnen Eva und Kathi (beide 22). Der diente als Ablagefläche für Regenschirme, Taschen, Bierfässchen und Pizzakartons. Und nebenbei auch noch als Platzhalter. Allerdings war davon gestern schon wegen des schlechten Wetters genug vorhanden.

  • Fotos : 2016: Zwölf jecke Gruppen an Altweiber in Düsseldorf
  • Rathaussturm in Düsseldorf

Die Klassischen Martina Friesenkoten hatte sich auf die Reise in ihre Heimatstadt gemacht. "Wir wohnen dort, aber unser Herz ist hier", sagt die sie. Auch ihre Freundin Sabine Heigl reiste zum Karneval an. Sie lebt mittlerweile "am Rande des Elsass". Mit vier weiteren Freundinnen hatten sie sich als klassische Möhne verkleidet. Um den Hals trugen die Frauen Fuchspelz, im Haar Federn. Friesenkoten hat auf die entgeisterte Frage, ob der Pelz echt sei, eine kurze Antwort: "Wenn der noch lebte, würde er beißen."

Die Bilder der einzelnen Karnevalstypen sehen Sie hier.

Ein Video vom Rathaussturm sehen Sie hier.

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(RP)