Karneval in Düsseldorf: Wie sich die Vereine um Jugendliche bemühen

Nachwuchssorgen : Wie sich die Karnevalsvereine um Jugendliche bemühen

Von Schnuppersitzungen über Jugendpartys bis hin zur Prinzenstiftung verfolgen die Vereine unterschiedliche Strategien, um mehr junge Menschen für das jecke Brauchtum zu begeistern.

Ist der Karneval nur etwas für die Generation der über Dreißigjährigen? Zwar sieht man an Altweiber und Rosenmontag viele junge Frauen und Männer um die 20 beim Feiern in der Altstadt. Aber bei den Sitzungen und Bällen in Düsseldorf, die den Karneval ausmachen, sind junge Menschen eher eine Minderheit. Doch um diese Brauchtümer am Leben zu halten, braucht es Nachwuchs. Ein Problem, das auch die Verantwortlichen der einzelnen Vereine wahrgenommen haben. Sie versuchen mit verschiedensten Strategien, dem Mangel an jungen Jecken entgegenzusteuern.

Ein Konzept ist die Veranstaltung mit „Pänz in de Bütt“ von Josef Hinkel und Barbara Oxenfort, mit der Kinder und Heranwachsende gewonnen werden sollen und die jedes Jahr auch sehr gut besucht ist. Doch beim Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) weiß man, dass viele der Jugendlichen, die zunächst begeistert mitmachen, ab einem gewissen Alter das Interesse verlieren und die Session auf Partys während der Haupttage beschränken, weil Brauchtum  für sie dann „uncool“ ist. „Wir versuchen natürlich, dass diese Jugendlichen auch über eine kritische Altersgrenze hinaus bei uns bleiben“, sagt CC-Präsident Michael Laumen. So haben einige Vereine schon stark den Charakter ihrer Sitzungen verändert. Weniger Wortbeiträge und mehr Musik, um den Veranstaltungen einen stärkeren Partycharakter zu verleihen.

Neu in Düsseldorf ist die Veranstaltung „Young & Jeck“ der Düsseldorfer Originale im Henkel-Saal, eine Karnevalsparty „ohne Zoff und Stoff“, wie sie angekündigt wird. Eltern müssen selbstverständlich draußen bleiben. Die Party für Zwölf- bis 16-Jährige lockte bei ihrer Premiere rund 250 Jugendliche. Vereinsvorsitzender Martin Wilms sprach von einem ordentlichen Anfang, auch wenn er für die Zukunft gerne mehr jugendliche Jecken zur Teilnahme bewegen möchte. „„Es ist aber noch ausbaufähig und daran arbeiten wir“, sagt er.

Wieder einen anderen Weg gehen die großen Lackschuhgesellschaften AVDK, „Große“ und „Weissfräcke“, um junge Menschen anzusprechen. „Frackzauber“ heißt die neue Veranstaltung mit nur leichtem Karnevalstouch (dem Prinzenpaar wird ein besonderer Empfang bereitet). Sie ist in der nächsten Session am 16. November eine Woche nach der Prinzenpaarkürung im Ballsaal des Hotel Maritim am Flughafen geplant. „Es wird nicht so ein traditioneller Ball werden, sondern eine Veranstaltung mit ganz modernen Akzenten, eine Party mit frischem, jungem Charakter. Ohne Tombola und Ehrungen“, sagt Stefan Kleinehr, Präsident des AVDK.

Mit einem neuen jecken Experiment stiegen auch Thomas Puppe, Präsident der Karnevalsfreunde der katholischen Jugend, und sein Literat Sven Gerling in den Karneval ein: eine Schnuppersitzung, mit der die KakaJu neue Zielgruppen, vor allem junge Menschen und Familien mit Kindern, für das närrische Brauchtum begeistern will. Der Eintrittspreis war mit elf Euro so niedrig wie bei keiner anderen Veranstaltung. Und es wurden Künstler vorgestellt, die noch wenig Erfahrung im Karneval haben und so mal Bühnenatmosphäre schnuppern konnten. Quasi doppelte Nachwuchsarbeit.

Einen ganz anderen Ansatz versuchen jetzt die Ratinger Karnevalisten, die sich dem Rekrutieren von neuen närrischen Oberhäuptern widmen. Hier hat der Karnevalsausschuss einen Förderverein Prinzenstiftung gegründet. „Wir wollen so junge Menschen als Tollitäten finanzieren, die sich den teuren Spaß als Prinz oder Prinzessin sonst nicht leisten können“, sagt der Vorsitzende Detlef Brendel. Und die wiederum, so die Hoffnung des Vereins, bringen dann auch andere junge Menschen aus ihrem Umfeld in die Sitzungen.

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