Sicherheit in der Stadt: Kampf den Angst-Räumen

Sicherheit in der Stadt: Kampf den Angst-Räumen

Sicherheit - nur ein Thema für die Polizei? Nicht in Düsseldorf. Seit 1994 ist Kriminalprävention Teil der kommunalen Arbeit. Ordnungsdezernent Werner Leonhardt zog gestern eine Zwischenbilanz. Ein Schwerpunkt ist Städtebau, aber auch Senioren als Opfer rücken immer mehr in den Fokus.

Auf diesen Erfolg ist der Beigeordnete Werner Leonhardt besonders stolz: Seit die Stadtbahn-Haltestelle in Wittlaer 2002 umgebaut wurde, ist es dort zu keiner Straftat mehr gekommen, "zumindest ist mir keine bekannt geworden". Das war vorher anders: Gewaltdelikte häuften sich, es kam zu Vergewaltigungen. Der alte Halt bot für Straftäter ideale Bedingungen: kaum einsehbar, verschachtelt, schlecht beleuchtet. Jetzt ist die Haltestelle offen, nur teils überdacht und deshalb gut zu überblicken.

Ein gutes Beispiel für städtebauliche Kriminalprävention, die wiederum wichtiger Bestandteil der kommunalen Sicherheitspolitik in Düsseldorf ist. Seit 1994 gibt es den Kriminalpräventiven Rat (s. Info-Kasten]. Um den Städtebau kümmert sich eine eigene Fachgruppe. Jeder Bebauungsplan, über den der Rat entscheidet, wird von ihr unter kriminalpräventiven Aspekten bewertet: Entstehen Angst-Räume? Bieten sich Verstecke für Straftäter? "Die Empfehlungen sind nicht bindend, aber sie sind eine Hilfe für die Politik im Abwägungsprozess", so Leonhardt. Bauherren sind sogar gesetzlich verpflichtet, sich bei der Polizei beraten zu lassen, um hohe Sicherheitsstandards einzuhalten.

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Neben dem Städtebau geht es vor allem darum, durch Aufklärung, über Nachbarschaftsnetzwerke oder die Hilfe Ehrenamtlicher Straftaten zu verhindern. Senioren als Opfer rücken dabei immer mehr in den Blickpunkt. "Das ist ein von den Kommunen bisher sträflich vernachlässigtes Thema", betont Leonhardt. Er weiß, dass Lutz Türk, bei der Polizei zuständig für Senioren, nicht oft genug über Betrugsmaschen wie den Enkeltrick aufklären kann. Er weiß aber auch, dass Senioren, die Opfer geworden sind, sich oft niemandem offenbaren. "Pfarrsekretärinnen erfahren nicht selten als erste davon." Deshalb wird nun speziell für sie ein Seminar zum Thema Opferschutz erarbeitet. Auch Kirchen werdenimmer wieder zum Tatort werden - sei es, dass Besucher überfallen oder Opferstöcke geklaut werden. In der Kirche St. Maria Empfängnis an der Oststraße wurde deshalb ein Ehrenwachendienst eingerichtet, der in Schichten aufpasst und stets ein Notruf-Handy griffbereit hat.

Nach der Tat ist die Arbeit für den Kriminalpräventiven Rat jedoch nicht zu Ende: Mit der Fachgruppe Opferschutz war Düsseldorf im Jahr 2000 der Vorreiter in Deutschland, später kam die Fachgruppe Häusliche Gewalt hinzu. Und es gibt eine Opferambulanz, deutschlandweit die einzige kommunale, wo Opfer schnelle Hilfe bekommen und die auch für die Opfer kostenlose Traumatherapie beinhaltet.

(RP)
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