Betrug bei Henkel: Kai von Bargen: Bald Prozess

Betrug bei Henkel: Kai von Bargen: Bald Prozess

In dem Betrugsfall zu Lasten der Firma Henkel sind die Ermittlungen abgeschlossen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Jetzt geben die Verteidiger ihre Statements ab, dann wird es schnell zum Verfahren kommen.

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen Willy Luchs, Kai von Bargen und eine dritte Person abgeschlossen. Es geht um einen der größten Betrugsfälle der letzten Jahre. Im Visier der mutmaßlichen Täter: der Henkel-Konzern. Nun werden die Verteidiger der Beschuldigten um ihre Stellungnahmen gebeten, danach ist dann sehr schnell mit Anklageerhebung und dem Prozess zu rechnen. Aus dem Umfeld der Staatsanwaltschaft heißt es, das Verfahren werde innerhalb der nächsten paar Wochen starten.

Die Vorgeschichte Vorwurf I. Im Herbst vorigen Jahres wird offenbar, dass einer Hamburger Bank fingierte Forderungen des Henkel-Konzerns an Dritte zum Kauf angeboten worden sind. Solche Factoring-Geschäfte sind üblich: Banken kaufen Forderungen an Firmen unter Nennwert in der Hoffnung, sie zu einem höheren Wert eintreiben zu können. Im konkreten Fall soll es laut Staatsanwaltschaft um rund 45 Millionen Euro gehen.

Schnell stellt sich heraus: Die vorliegenden Dokumente sind zwar auf echtem Henkel-Briefpapier verfasst, aber die Unterschriften darauf — u.a. vom Vorstand Kasper Rorsted — sind gefälscht. Vorwurf II. Es gibt Schreiben, aus denen hervorzugehen scheint, dass der Henkel-Konzern ins Formel-I-Sponsoring einsteigen möchte, und zwar mit 90 Millionen Euro. Diese Schreiben lösen beim Rennstall Ross Brawn frohe Stimmung aus, da man einen neuen Geldgeber gefunden zu haben meint.

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Als jedoch Brawn seine Firma an Daimler-Benz verkauft und die Schwaben nun dieses vermeintliche Angebot annehmen möchten, fliegt das Ganze als Schwindel auf — Henkel weiß nichts von Sponsoring. Es kommt zum Streit zwischen den Konzernen, der aber außergerichtliche beigelegt werden kann. Auch diese Schreiben wurden gefälscht. Die Verdächtigen Drahtzieher des Ganzen ist womöglich Willy Luchs, vor über zehn Jahren in Düsseldorf schon einmal als Hochstapler aufgefallen, verurteilt und eingesperrt.

Luchs gilt als sehr geschickt darin, Menschen für sich einzunehmen. Mit ihm unter Verdacht: Kai von Bargen (43), früher einer der führenden Kommunikations-Mitarbeiter bei Henkel. Er ist im Verdacht, die Briefbögen besorgt und seine Kontakte im Konzern genutzt zu haben, um die schrägen Geschäfte einzufädeln.

Und er brachte die Fahndung ins Rollen: Als klar wurde, dass der Dreh mit dem Formel-I-Sponsoring bei Henkel bekannt werden würde, zeigte er sich selbst an, sein Vertrag wurde gekündigt. Ein dritter Beteiligter, der in U-Haft sitzt, spielte eine noch nicht näher beleuchtete Rolle. Das Verfahren Es wird wohl um Betrug in einem besonders schweren Fall gehen, hieß es. Dass es zum Prozess kommt, gilt als sicher.

(RP)