JVA Düsseldorf engagiert Imam für Gefangene zur Integration

Integration hinter Gittern: JVA Düsseldorf engagiert Imam für Gefangene

Mehr als die Hälfte der Insassen der Düsseldorfer Justizvollzuganstalt sind Ausländer. Für die Muslime unter ihnen hat die Anstaltsleiterin einen Imam engagiert, der sich um die Gefangenen kümmert.

Die Gefangenen an der Oberhausener Straße sind höchstens ein paar Jahre da. Dann haben sie ihre Strafe verbüßt, und der Strafvollzug soll sie bis dahin fitmachen für die Resozialisierung.

Die Rückkehr in die Gesellschaft aber wirft viele Fragen auf. 54 Prozent der Insassen sind Ausländer, sie gehören 60 Nationen an, können sich weder auf Deutsch noch in einer anderen Sprache miteinander verständigen. Wie soll man sie resozialisieren? Und wie integrieren, auch in den Gefängnisalltag, in dem die Regeln - und die Sprache - deutsch sind?

"Integration kann nur über Sprache funktionieren", sagt Anstaltsleiterin Elke Krüger. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BamF) hat deshalb auch zwei Deutschkurse für die Düsseldorfer JVA genehmigt. Allerdings nach BamF-Kriterien, also nur für EU-Ausländer und für Nicht-EU-Bürger nur, wenn sie eine Bleibe-Perspektive haben. Wobei das mit der Bleibe-Perspektive im Gefängnis auch nicht gerade ein gelungenes Kriterium ist.

Krüger hat deshalb in ihrem eigenen Etat Mittel für Deutschlehrer zusammengekratzt, um auch denen Unterricht bieten zu können, die vielleicht nach der Entlassung abgeschoben werden. Aber die sich bis dahin zumindest verständlich machen können, und dann auch die Chance haben in einer der Gefängniswerkstätten zu arbeiten.

200 der aktuell rund 800 Gefangenen sind Muslime. Darauf ist die JVA von Anfang an eingestellt gewesen. Die Küche im 2012 in Betrieb genommenen Neubau stellt neben der deutschen Küche auch Speisen her, die den religiösen Geboten entsprechen, und auch das Freitagsgebet ist im Gefängnis möglich. Aber dabei ist Krüger immer öfter aufgefallen, wie "verklärt" vor allem junge Gefangene ihre Religion hinter Gittern praktizieren. "Die Verblendung ist nicht zu übersehen", sagt sie, und weil auch das der Integration im Wege steht, hat sie einen Imam gesucht und gefunden, der einmal wöchentlich islamische Unterweisungen erteilt. Der reist extra aus Hagen an, weil auch er einen Beitrag leisten will, nicht nur zur Integration, sondern auch gegen die Radikalisierung, die nicht selten im Gefängnis beginnt. "Wir praktizieren Prävention durch Information", sagt Krüger, die dem Hagener Imam gern Unterstützung an die Seite stellen würde. Doch Vertreter eines gemäßigten Islams, die zudem deutsch können und den Koran studiert haben, stehen nicht gerade Schlange. Und einem, der ihr die Hand nicht reicht, weil sie eine Frau ist, will sie die Integrationsaufgabe nicht anvertrauen.

Die abweisende Haltung gegenüber Frauen versuchen auch Gefangene immer wieder auszuleben. Vor allem die Nordafrikaner, sagt Krüger "bereiten große Probleme". Hohes Aggressionspotenzial, Gewaltbereitschaft und ein extrem beleidigendes Verhalten seien da schon fast normal. Die Strategie des Hauses - "Wir zeigen Respekt und erwarten ihn auch" - hilft da nicht.

Mit einem "Wertevermittlungskurs" will Krüger gegensteuern. "Wer auffällig wird, muss den Kurs absolvieren, in dem er lernt, wie man sich hierzulande verhält", sagt sie. Der Kurs ist Pflicht, wer kein deutsch kann, bekommt dafür sogar einen Dolmetscher gestellt. Den Unterricht gibt übrigens eine Frau, sagt Krüger. "Damit wird direkt klargestellt, dass Frauen und Männer bei uns denselben Stellenwert haben."

(RP)
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