Junge Schülerinnen drehen Tanz-Film am Düsseldorfer Wim-Wenders-Gymnasium

Oberbilk: Junge Schülerinnen drehen Tanz-Film

Das Unterrichtsfach „Talentschmiede“ am Wim-Wenders-Gymnasium in Oberbilk fördert auf erstaunliche Weise die Kreativität.

Die bieder wirkende Lehrerin betritt das Klassenzimmer, verteilt wortlos Blätter, die jungen Schülerinnen fangen an zu schreiben, im Hintergrund scheint eine Uhr zu ticken. Doch aus der normal wirkende Szene entwickelt sich eine rasante Tanz-Performance, basierend auf einer perfekt einstudierten Choreografie. Haare fliegen durch die Luft, Bänke werden erobert, immer wieder fallen die Mädchen in die Denker-Pose mit der Hand unter dem Kinn zurück. Längst hat sich auch die Lehrerin anstecken lassen, aus dem Off untermalen ein Knarzen, ein Scharren, ein Rascheln und Schnaufen, irgendwie komische Geräusche, die tänzerische Darbietung – ein skurriler Klangteppich. Am Ende war alles nur ein Traum der Lehrerin.

Kurzfilme haben sicher auch andere Schüler in dieser Stadt schon gedreht. Aber solche von derartiger Professionalität, so dass der Streifen sogar bei diversen Kurzfilmfestivals eingereicht und vorgestellt wurde? Auch dass die Darstellerinnen im Schnitt gerade einmal elf Jahre alt sind, macht die Produktion besonders. Dem Namensgeber des Gymnasiums dürfte diese außergewöhnliche Form des Unterrichts – denn genau in diesem Rahmen wurde in kurzer Zeit die Choreografie einstudiert – gefallen haben. Nächsten Monat kommt Wim Wenders wieder zur Schmiedestraße, den Film, sagt Schulleiterin Antonietta Zeoli, kennt er schon. Und wahrscheinlich hätte der berühmte Filmemacher gar nicht seine Zustimmung dazu gegeben, die Schule nach ihm zu benennen, gebe es im Unterricht nicht so außergewöhnliche Abweichungen vom Schuleinerlei wie die Talentschmiede: Einmal die Woche können die Schüler sich in Text und Theater, Musik und Kunst, Robotik und Forschung unter fachmännischer Anleitung professioneller Kooperationspartner ausprobieren.

Tanz ist eben auch darunter, und dass der Kurzfilm alles andere als amateurhaft wirkt, hat in diesem Fall natürlich einen guten Grund. Das Tanzhaus NRW hat seine Hände im Spiel, Nora Pfahl hat die Schülerinnen zu Tänzerinnen ausgebildet, Patrick Waldmann zusammen mit der Dozentin die Produktion übernommen, Schauspielerin Maelle Giovanetti die Rolle der Lehrerin übernommen. Und: Die Choreografie basiert auf der Tanzperformance „Rosas danst Rosas“ von Anne Teresa De Keersmaeker.

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7:14 Minuten lang ist die Produktion. „Das ist aus zwei Drehtagen und 60 Minuten Rohmaterial übrig geblieben“, erzählt Hannes Storck, stellvertretender Schulleiter. Für die Mädchen waren die Aufnahmen ein großes Abenteuer. „Das Ergebnis nach dem Schnitt hat uns schon alle erstaunt“, sagt Mia Lampe. Dass der Film den merkwürdigen Namen „Fricke Ticke“ trägt, sei eine Anspielung auf die merkwürdigen, nicht zuzuordnenden Geräusche, die stets zu hören seien, erklärt Larysa Bundyra. Die Mädchen hatten vorher zumeist mit Tanz nicht viel am Hut, haben nun aber Blut geleckt, wollen womöglich weitermachen, auch wenn Lara Sarkhoche sagt: „Tanzen hat mir großen Spaß gemacht, aber ich werde es im nächsten Jahr trotzdem mal mit Fotografie versuchen und dann schauen, was mir besser gefällt.“

Im Rahmen der Talentschmiede können sich die Schüler am Wim-Wenders-Gymnasium im fünften und sechsten Schuljahr immer für ein Jahr für eine künstlerische oder wissenschaftliche Richtung entscheiden, dann auch wechseln, mit zunehmender Spezialisierung wird das Wissen in Projektwerkstätten später verfeinert, verschmelzen die Fachrichtungen womöglich gar, denkt Stork bereits an ein Crossover von Robotik und Tanz. Ohnehin spiele beim Tanzen schon jetzt zum Beispiel auch die Mathematik eine nicht unwesentliche Rolle, kann Larysa Bundyra bestätigen: „Das konzentrierte Zählen der Schritte, das ist nichts anderes als Mathematik.“ So etwas hört Hannes Stork gerne, „denn die Welt erklärt sich nicht nur über einzelne Fächer, die Künste sind ohne die Naturwissenschaften nicht denkbar“, betont er.

Den Film findet man unter: https://ww-gym.de/2018/06/12/sound-der-schmiedestrasse/

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