Serie 725 Jahre Düsseldorf: Julius Melies, der Retter von Schloss Benrath

Serie 725 Jahre Düsseldorf: Julius Melies, der Retter von Schloss Benrath

Der ehemalige Benrather Bürgermeister (1906 bis 1926) kaufte nach jahrelangen Verhandlungen mit der Preußischen Krone das Schloss für rund 1,5 Millionen Goldmark. Ansonsten wäre auf dem Gelände heute eine Wohnsiedlung.

Keine Frage, das Schloss mit seinem bedeutenden Park zählt zu den eindrucksvollsten Anlagen eines Gartenschlosses des Rokoko am Niederrhein. Doch statt des ansehnlichen Schlosses, das jährlich Tausende Besucher anlockt, könnte im Düsseldorfer Süden heute auch eine schicke Wohnsiedlung stehen. Sicherlich eine stattliche, großbürgerliche wie gleich um die Ecke an der Melies-Allee.

Denn genau das wäre mit dem Schlosspark und dem Herrensitz fast geschehen, hätte es nicht eben jenen besagten Julius Melies gegeben, den Historiker heute, hundert Jahre später, als Visionär bezeichnen. Er war Visionär und Bewahrer gleichermaßen. Denn der ehemalige Bürgermeister von Groß-Benrath hat im Jahre 1911 Schloss und Park Benrath der Preußischen Krone abgekauft – für eineinhalb Millionen Goldmark. Neben dem Schloss mit seinem Park zählten bei dem Kauf auch noch die Nebengebäude, der Gutshof und das Domänengelände dazu.

Mehr als drei Jahre führte der weitsichtige Bürgermeister Verhandlungen mit der Preußischen Regierung. Denn die hatte im Jahr 1907 den Plan gefasst, die Benrather Schlossbesitzungen zu "entäußern", wie es heißt. Die Absicht blieb zwar eine Zeit lang geheim, doch schon im Jahr 1908 drangen die ersten Gerüchte darüber an die Öffentlichkeit.

Das Schloss werde von der kaiserlichen Familie nicht mehr genutzt und es verursache einfach zu hohe Kosten, lautete die Begründung. Allein dieser Gedanke rief große Unruhe in der Benrather Bevölkerung hervor, weil die Gefahr drohte, Schloss und Park könnten in Privathände fallen. Dann wären sie vielleicht für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Von Industriellen und rheinischen Millionären als mögliche Besitzer war die Rede. Vor allem die Geschäftsleute hatten Angst, dass als Folge der Ort für Ausflügler nicht mehr attraktiv genug wäre. Denn ein Plan aus dem Jahr 1909 über eine "teilweise Parzellierung des Schlossparks für Bauzwecke" deutete diese mögliche Entwicklung an.

Julius Melies erkannte die Gefahr und reagierte sofort. "Das Allgemeininteresse gebot daher mit allen Mitteln auf die uneingeschränkte Erhaltung von Schloss und Park hinzuwirken." Dies schrieb Melies, der vorletzte Bürgermeister von Groß-Benrath, in einem Bericht an die Verwaltung und informierte unverzüglich die Mitglieder des Gemeinderates. Das war in der Sitzung vom 15. Juni 1909. Damals war Melies gerade drei Jahre Bürgermeister in Benrath. Er sollte es noch weitere 17 Jahre, bis 1926, bleiben.

Geboren 1867 in Velen (Westfalen) wuchs er als Sohn des Rentmeisters Julius Melies und dessen Frau Theresia auf. Der Vater stand in den Diensten des Grafen von Landsberg-Velen. Wahrscheinlich hat die Familie Melies im Schloss Velen gewohnt. Und es ist anzunehmen, die Quellen und Register der Stadt Velen können nichts Genaues belegen, dass Julius Melies seine Jugendzeit auf dem Schloss verbrachte. Vermutlich hat diese Zeit ihn dermaßen geprägt, dass er sich intensiv für den Erhalt von Schloss Benrath einsetzte.

Sein Bestreben war es, neben möglichen Angeboten von privater Seite auch Benrath in die Ankaufsverhandlungen einzubeziehen. Dabei bekam Melies Unterstützung von der Stadt Düsseldorf. Einen Hoffnungsschimmer sah Melies darin, dass die Preußische Krone zu erkennen gegeben hatte, zunächst ausschließlich mit Benrath über den Ankauf der Schlossbesitzungen zu verhandeln und andere Angebote erst einmal zurückzustellen. Mehrere Male reisten daraufhin der Benrather Bürgermeister und Mitglieder des Gemeinderats zu Verhandlungen nach Berlin. Das erste Mal am 12. Oktober 1909. Wie die Kommunalpolitiker in ihrer Sitzung beschlossen hatten, sollte Melies mit seinem Ersten Beigeordneten Karl Dreckmann in die Reichshauptstadt fahren. Dort verhandelten sie mit dem persönlichen Ratgeber des Kaisers, dem Minister Philipp zu Eulenberg.

Die Verhandlungen verliefen unglaublich zäh. Und wie nicht anders zu erwarten, ging es auch schon damals nur ums Geld. Der Kaufpreis spielte auch bei den weiteren Verhandlungen eine wichtige Rolle und war über Monate strittig. Die Benrather Vertreter boten 750 000 Goldmark an – für die gesamte Besitzung 1 330 000 Mark.

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Doch die Krone verlangte mehr als das Doppelte: 2 740 000 Goldmark. Melies verwies in den Verhandlungen immer wieder auf die erheblichen Folgekosten. Zahlreiche weitere Besprechungen und Stellungnahmen folgten, wobei auch der Regierungspräsident, der Landrat und weitere hohe Beamte die Positionen und Wünsche der Benrather unterstützten.

Im Dezember 1910 nahm die königliche Regierung Benraths neues Angebot von 1,5 Millionen Goldmark endlich an – allerdings unter der Bedingung, dass sich die Gemeinde Benrath zur dauernden Erhaltung des Hauptschlossgebäudes und der beiden Seitenflügel verpflichten müsse. Doch damit waren die Verhandlungen immer noch nicht abgeschlossen. Noch fehlte die Zustimmung des Gemeinderates und noch musste die Frage der Finanzierung der Kaufsumme geklärt werden.

Erst daraufhin stimmte der Gemeinderat einstimmig dem Kaufvertrag zu und beauftragte Melies, die Abschlussverhandlungen zu führen. Beurkundet und abgeschlossen wurde der Kaufvertrag am 4. Oktober 1911, vor fast 102 Jahren. Der reine Kaufpreis betrug 1 465 000 Goldmark, zuzüglich Zinsen insgesamt 1 553 200 Goldmark. Einen Teil der Zinsen versprachen die Stadt Düsseldorf, der Landkreis und Fritz Henkel sen. zu übernehmen.

Die offizielle Übergabe des gesamten Schlossbesitzes an die Gemeinde Benrath fand am 30. November 1911 statt. Ohne das ungeheure Engagement des Benrather Bürgermeisters Melies wäre das nicht möglich gewesen. Mit großem persönlichen Einsatz hat er in den Jahren von 1908 bis 1911 den Verhandlungen seinen Stempel aufgedrückt. Melies hatte ohne Zweifel großen Weitblick besessen, was die künftige Entwicklung Benraths betraf. Für die Gemeinde war es damals ein Glücksfall, dass sich ihr Bürgermeister dem Kauf des Schlosses widmete. Er rettete nicht nur ein Schloss, sondern auch ein Kulturdenkmal vor dem Abbruch.

Doch Julius Melies und seine Leistung für Benrath und Düsseldorf (nach der Eingemeindung im Jahre 1929) gerieten in Vergessenheit. Bis vor kurzem erinnerte nur die Allee, direkt am Schloss Benrath gelegen, an den Benrather Bürgermeister. Sicherlich eine noble Wohngegend, eine der besten der Stadt, die dem ehemaligen Bürgermeister große Ehre macht. Doch wer war dieser Mann? Und warum erinnert ansonsten nichts an ihn?

Das dachten sich auch die beiden emeritierten Professoren Christian von Ferber und Gert König. Beide Wissenschaftler wohnen in Urdenbach und waren beeindruckt von einem Bericht im Benrather Tageblatt der Rheinischen Post. Dort schrieb der Heimatforscher und Leiter des Benrather Heimatarchivs Wolfgang D. Sauer einen Artikel anlässlich des Kaufs vor 100 Jahren.

Die beiden Professoren setzten sich mit dem Historiker zusammen und kamen auf die Idee, Julius Melies einen Gedenkstein zu widmen. Das war im Mai 2012. Seit Anfang Juli steht ein Findling am so genannten Ulmenkopf – am Ende des Schlossparks. An der Aktion "Melies-Stein" haben sich zahlreiche Bürger beteiligt und Geld gespendet, damit der 1,3 Tonnen schwere Findling finanziert werden konnte. Und somit Julius Melies und seine Mitstreiter nicht in Vergessenheit geraten.

(RP)
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