Düsseldorf: Jugendliche in Obhut immer gewalttätiger

Düsseldorf: Jugendliche in Obhut immer gewalttätiger

Ein großer Teil der Jugendlichen, die aus ihren Familien heraus und vom Amt in Obhut genommen werden, ist gewaltbereit und macht den Sozialarbeitern zu schaffen – so sehr, dass es jetzt zu gravierenden Veränderungen bei der so genannten Inobhutnahme gekommen ist.

So sind Mädchen und Jungen nicht mehr gemeinsam im Agnesheim untergebracht, sondern getrennt voneinander: Die Mädchen wohnen im Kinderhilfezentrum Dorotheenstraße, die Jungen sind noch im Agnesheim, das vom Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) geführt wird. Im April sollen auch die Jungen dort ausziehen, weil der SKFM die Verantwortung an die Stadt zurückgibt und das Haus anders nutzen möchte.

"Die Jungen haben sich verändert", sagt SKFM-Geschäftsführer Werner Schnittker. "Sie bringen eine hohe Gewaltbereitschaft mit, und niemand weiß, wohin mit ihnen. Es gibt kein Angebot im Anschluss an das Agnesheim. Die Jungs bleiben dann bei uns hängen – und die Situation wird einfach explosiv."

Für die Stadt wird die Übernahme teuer: Sie sucht derzeit nach einem Haus für die Jungen; acht Plätze sollen vorgehalten werden. Zwei Fachkräfte müssen in drei Schichten rund um die Uhr vor Ort sein, damit sie sich gegenseitig helfen können, wenn es gefährlich wird. 28 neue Stellen sind insgesamt durch die Trennung von Mädchen und Jungen auf zwei Standorte notwendig, Mehrkosten pro Jahr: 745.000 Euro.

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Das will der Jugendhilfe-Ausschuss, dem die Zahlen gestern vorgelegt wurden, noch genauer beleuchten. Es könne nicht sein, dass die Ausgaben für Gewaltprävention dauernd stiegen – wenn gleichzeitig die Anzahl der gewaltbereiten Jugendlichen wächst, hieß es von Politikern.

Insgesamt haben das Kinderhilfezentrum (Kinder) und das Agnesheim (Jugendliche ab 14) im vergangenen Jahr 194 Minderjährige in Obhut genommen. Bemerkenswert: 14 von ihnen sind "entwichen", bevor man sie anderswo unterbringen konnte: Abschließen dürfen die Heime nämlich nicht.

(RP)