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Kabarettist lobt Landeshauptstadt: Jürgen Becker: "Düsseldorf - das bessere Köln?"

Kabarettist lobt Landeshauptstadt : Jürgen Becker: "Düsseldorf - das bessere Köln?"

Der Kölner Kabarettist hat eine Liebeserklärung an Düsseldorf verfasst. Rhein, WDR und Barbarossaplatz - die Ähnlichkeiten sind groß.

Köln und Düsseldorf, das ist so eine Sache. Während dem Düsseldorfer die Domstadt nicht so sehr weit weg erscheint, bestehen große Teile der kölschen Identität darin, Düsseldorf zutiefst zu verachten.

Da gibt es Lieder, die jeder Kölner schon in der Schule auswendig lernt, mit Refrains wie "Über Köln da lacht die Sonne, über Düsseldorf die Welt" oder "Am Arsch von der Welt liegt Düsseldorf". Kölner können mindestens eine Million Witze darüber machen, warum das "Alt" so heißt, und sie können sich sicher sein, mindestens eine Million Menschen (so viele Einwohner hat die Stadt) anzutreffen, die sich bei diesen Kalauern den Tränen nah auf die Schenkel klopfen. Wer in Köln jemand sein möchte, spricht schlecht über die Nachbarstadt im Norden.

Ausgerechnet der Kölner Kabarettist Jürgen Becker, früher einer der Heerführer beim spöttischen Kampf gegen die Landeshauptstadt, hat jetzt das Eis gebrochen. In einem langen Beitrag, der im komplett Düsseldorf gewidmeten Magazin des Kölner Stadt-Anzeigers abgedruckt wurde, macht sich Becker für Düsseldorf stark. "Das bessere Köln?" heißt die Überschrift des Textes.

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Dieser erzählt so liebevoll von Düsseldorf, wie wohl kein Kölner Autor zuvor seit der Gründung der Stadt durch die Römer. "Rochusstraße, Barbarossaplatz, Knöllchensfrauen auf der Merowingerstraße - und die meisten heißen Schmitz", stellt Becker die frappierenden Gemeinsamkeiten Düsseldorfs mit der Domstadt heraus. Auch die "stark beschiffte Wasserstraße unter den Rheinbrücken" komme dem Kölner irgendwie bekannt vor.

Das ist schon gewagt von Becker, der ja weiter in Köln über die Straße gehen will, ohne von den Passanten als "Jipps-Jesicht" oder "Weihnachtsmann" beschimpft zu werden. Doch Becker wagt sich noch weiter vor. Er sucht in seiner Abhandlung nach Dingen, die in Düsseldorf besser sind als in Köln. Und er wird fündig: "keine Schulden, keine Kindergartengebühren, kein U-Bahn-Bau-Desaster, kein Chaos um die Archäologische Zone". Wow. Das deutet zwar darauf hin, dass Becker nie im Stau an der künftigen Wehrhahn-Linie stand, aber dieses Düsseldorf-Lob wird ihm die Landeshauptstadt wohl niemals vergessen.

Und Becker hört nicht auf. Den Chef-Erbauer der Düsseldorfer Karnevalswagen Jacques Tilly nennt er einen "renommierten Bildhauer". Seine Machwerke bezeichnet er als "frechste Karnevalswagen Europas". Während in Köln der Kardinal die Wagen segne, scheine es in Düsseldorf so, "als segne den Rosenmontagszug Tucholsky persönlich: Satire darf alles. Düsseldorf gewähre den Wagenbauern völlige Narrenfreiheit - in Köln undenkbar".

Selbst die Erforschung fremdartiger Erscheinungen sei in Düsseldorf manchmal einfacher als in Köln. "Will man in Köln die absonderlichsten Lebensformen sehen, muss man in den Zoo, ins Völkerkundemuseum oder in den Gürzenich gehen. In Düsseldorf reicht ein Gang über die Kö", meint Becker. Dort sehe man Gestalten, die man auf Gottes Erde nicht vermutet hätte: "Frauen, die so lange geliftet wurden, bis sie ihrem Chihuahua ähnlich sehen, etwa."

Und dann macht Jürgen Becker den halbwissenschaftlichen Vergleich zwischen den Bewohnern Kölns und denen Düsseldorfs. Und das sei die Tatsache, dass sich die Kölner vor allem darüber definieren, dass sie eben Kölner sind. Alles Unkölsche sei eine Bedrohung. Für Kölner sei es überlebenswichtig, kein Düsseldorfer zu sein, daher auch die Witze über die Nachbarstadt.

Andersherum gebe es fast keine Anti-Köln-Witze. "Der Grund: Köln ist den Düsseldorfer völlig egal. Die Domstadt kommt ihnen vor wie ein pubertärer Asi, der aufgepumpt in Ballonseide aus der Muckibude kommt, sich vor den eleganten Klassenprimus stellt und ruft: ,Ich hab mehr Muckis als Du!?" Die Düsseldorfer würden das Kölner Gestänker gelassen ertragen wie eine "Kindergartenerzieherin den Kevin mit ADHS".

Die Düsseldorfer, meint der Kabarettist, setzten der Köln-Huldigung keine Düsseldorf-Tümelei entgegen, sondern freuten sich an ihrer "prächtig funktionierenden Stadt, die sie bewohnen, aber nicht ,sind?". Die Düsseldorfer hielten ihre Stadt in Ehren, aber nicht für einzigartig. "Im Grund wollen sie nicht besser sein als Köln. Es reicht ihnen das Glück, in Düsseldorf zu leben." Und ganz am Ende der unerwarteten Düsseldorf-Hymne schreibt Becker etwas, das ihn als besonderen Kenner der 600 000-Einwohner-Metropole auszeichnet: "Ich wette, insgeheim sind auch die Düsseldorfer froh, keine Neusser oder gar Mönchengladbacher zu sein."

Mag sein, Herr Becker, und da die Düsseldorfer keine Kölner sind, liegen Sie mit dem Wörtchen "insgeheim" wohl genau richtig.

(top/jco)