Düsseldorf Jonges für Abriss des Tausendfüßlers

Düsseldorf · Der Stadtbildpfleger des Heimatvereins, Rolf Töpfer, hat berechnet, dass sich durch den Abbruch der Hochstraße Grün- und Fußgängerflächen verdoppeln würden. Mit Detlef Parr, Baas der Düsseldorfer Jonges, appelliert er deshalb an Minister Voigtsberger, entsprechend zu entscheiden.

In der Debatte um den von der Stadt geplanten Abriss der denkmalgeschützten Hochstraße Tausendfüßler meldet sich wenige Wochen vor dem Entscheid von NRW-Bauminister Harry K. Voigtsberger (SPD) einer der größten Heimatvereine Deutschlands zu Wort.

Die Spitze der Düsseldorfer Jonges plädiert klar für den Abbruch - und erinnert an ein Versprechen, das die Stadtspitze den Jonges Anfang der 1960er Jahre gegeben hatte: nämlich dem ebenfalls denkmalgeschützten Park Hofgarten jene Flächen zurückzugeben, die mit den Plänen der autogerechten Stadt durch Friedrich Tamms (er baute den Tausendfüßler und die Berliner Allee) verloren gegangen waren.

"Der Tausendfüßler steht unter Denkmalschutz, das eigentliche Denkmal ist aber der Hofgarten", sagt Rolf Töpfer, Stadtbildpfleger der Jonges. "Mit dem Abriss der Hochstraße kann ein Großteil des Hofgartens wieder zurückgewonnen werden." Dass das so ist, hat der Vermessungsingenieur mit Fachkollegen aus dem Katasteramt berechnet.

Er hat die etwa 100 000 Quadratmeter große Planfläche (siehe Info-Kasten) heute mit der Situation verglichen, wenn die Pläne für den zweiten Bauabschnitt des Kö-Bogens umgesetzt würden. Dabei ist nicht nur der Ersatz des Tausendfüßlers durch Autotunnel vorgesehen, sondern auch die Neugestaltung der Oberfläche und neue Baufelder am Rand des Gustaf-Gründgens-Platzes sowie vor der IHK an der Berliner Allee. Demnach würden die Grünflächen und Fußgängerbereiche von heute 16 Prozent auf dann 40 Prozent vergrößern.

Der Platz für Verkehrsflächen würde von 75 Prozent auf dann 35 Prozent reduziert, der Hochbau würde im Planbereich von derzeit zehn auf dann 25 Prozent steigen. "Die Fläche für Grün und Fußgänger wird also mehr als verdoppelt", sagt Töpfer. Der Hofgarten wachse. Etwas Besseres könne Düsseldorf nicht passieren. Noch deutlicher wird Jonges-Baas Detlef Parr: "Wer beschließt, den Denkmalschutz der Hochstraße zu lassen, versündigt sich an den Zukunftsperspektiven dieser Stadt."

Dies widerspreche dem "Wohl der Allgemeinheit", das Paragraf 1 des Baugesetzbuches vorschreibe. Töpfer und Parr hoffen deshalb, dass Voigtsberger im Sinne des Rathauses entscheidet. "Wenn der Minister uns aufhält, sind wir in einem Zeit-Dilemma", sagt Töpfer. Dann müssten die Bauarbeiten in einigen Jahren - nach möglicherweise erfolgreicher Klage der Stadt gegen den Entscheid - die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden.

Dies könne nicht im Sinne der Düsseldorfer Bürger sein. Kritiklos blicken die Jonges jedoch nicht auf die Kö-Bogen-Pläne: Sie hatten ursprünglich die "große Lösung" gefordert, bei der die Autotunnel bis über die Kreuzung von Hofgartenstraße und Maximilian-Weyhe-Allee reichen würden. "Das Verfahren ist jedoch so weit fortgeschritten, dass das nicht mehr möglich ist", räumt Töpfer ein.

Ein weiteres Problem sei die Taktfrequenz der Straßenbahnen, die nach wie vor oberirdisch zwischen Maximilian-Weyhe- und Berliner Allee fahren. "Bei der Zehn-Minuten-Taktung von drei Linien fährt alle 100 Sekunden in eine der beiden Richtungen eine Bahn durch", sagt Töpfer. Dies müsse auf 200 Sekunden optimiert werden.