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Rücktritt von vier Jonges-Vorstandsmitgliedern: Jonges-Baas weiter unter Druck

Rücktritt von vier Jonges-Vorstandsmitgliedern : Jonges-Baas weiter unter Druck

Nach dem Rücktritt von vier Jonges-Vorstandsmitgliedern gärt es in Europas größtem Heimatverein. Vor allem der Mann an der Spitze, Detlef Parr, steht in der Kritik. Heute Abend ist das wöchentliche Treffen im Henkel-Saal.

Beim wöchentlichen Treffen der Jonges im Henkel-Saal an der Ratinger Straße steht heute Abend der Vortrag "Europa - Idee und Wirklichkeit" auf dem Programm. Ein Referat, das vermutlich nicht gerade ein Straßenfeger sein würde, und kaum mehr als die sonst üblichen 200 Jonges anlocken könnte.

Dennoch könnte es sein, dass sich ab 20 Uhr doch mehr Mitglieder einfinden als normalerweise kommen würden - denn es gibt reichlich Gesprächsbedarf beim größten Heimatverein Europas. Vor einigen Tagen traten überraschend vier Mitglieder des siebenköpfigen Vorstandes zurück. Die Gründe dafür sind immer noch nicht eindeutig kommuniziert worden.

Bei einer eigens einberufenen Versammlung der Tischbaase ("Abteilungsleiter" in der Vereinsstruktur - kleine Vorsitzende von Tischgemeinschaften) vorigen Samstag wurde das Thema zwar besprochen, aber Baas Detlef Parr traf der Zorn vieler Jonges, weil er die vier Zurückgetretenen nicht zu dem Treffen eingeladen hatte. Das erklärte er mit der Satzung: Sie seien keine Vorstandsmitglieder mehr, also auch nicht zwingend einzuladen. "Politisches Rumgetrickse" meinten dazu einige.

Man hätte die vier gerne nach ihren Gründen gefragt. Dass das nicht ging, kreidete man vor allem Parr an. Selbst sein Vorgänger im Amt, Gerd Welchering, reagierte sichtlich verärgert und bezweifelte den Sinn der Versammlung, wenn die Gegenseite nicht gehört werde. In Gesprächen mit Kennern des Vereins wird immer klarer, dass vor allem der Baas im Zentrum der Kritik steht.

Parr, in langen Jahren als FDP-Abgeordneter im Bundestag an politische Strategien gewöhnt, kommt offenbar bei seinen Jonges nicht so gut an, wie es nach außen schien. Nicht kommunikativ genug, selbstherrlich, autoritär - das waren die Vorwürfe, die inoffiziell verbreitet wurden. Sie decken sich mit der Erklärung der vier früheren Vorstände, die es vorzogen, die Brocken hinzuwerfen: Auch persönlich habe es keinen Konsens mehr gegeben.

Irritiert nahm der Verein allerdings zur Kenntnis, dass die vier im Vorstand jederzeit eine Mehrheit gehabt hätten, ihre eigenen Ansichten durchzusetzen. Warum sie das nicht getan haben, ist den Mitgliedern bis heute nicht klar. Als sicher gilt aber auch, dass es bereits vor einem halben Jahr offenen Widerstand gegen Parr gegeben hat, von einem "ersten Putschversuch" ist die Rede.

Dann habe man sich jedoch wieder zusammen gerauft und darauf geeinigt, bis zur regulären Neuwahl des gesamten Vorstandes im Frühjahr 2013 zu warten. Parr hat zuletzt erklärt, er werde seine Amtszeit auf jeden Fall zu Ende bringen. Was danach kommt, ist offen.

(ho)