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Jobcenter will mehr Behinderte vermitteln

Arbeitsvermittlerin Michaela Gurzinski mit Blindenführhündin Bella in ihrem Büro im Jobcenter ⇥RP-Foto: nic Foto: Nicole Lange

Für Menschen mit Behinderung ist es besonders schwer, einen neuen Job zu finden. Arbeitsminister Karl-Josef Laumann besuchte jetzt das Jobcenter, das sich auf vielfältige Weise für Betroffene einsetzt.

Menschen mit Behinderung erhalten nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Arbeitsministers Karl-Josef Laumann (CDU) auf dem Arbeitsmarkt noch immer zu wenige Chancen. Inklusion lasse sich letztlich daran messen, ob Menschen mit Handicap im ersten Arbeitsmarkt ankommen, sagte der Minister bei einem Besuch im Jobcenter Düsseldorf: „Das ist die Königsfrage der Inklusion.“

Das Jobcenter hatte im März als erstes in NRW eine Rahmenvereinbarung unterzeichnet, mit der die beruflichen Chancen von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen verbessert werden sollen. Dabei geht es unter anderem um eine rollstuhlgerechte Eingangszone, aber auch darum, die Mitarbeiter sensibler für die Belange der Betroffenen zu machen.

Laumann nannte das Jobcenter an der Grafenberger Allee ein gutes Beispiel für das Engagement, Menschen mit Handicap in Arbeit zu bringen. Aktuell verzeichnet das Center 1600 arbeitslose schwerbehinderte Menschen in Düsseldorf, davon beziehen 1200 Hartz-4-Leistungen. In diesem Jahr wurden bereits 240 schwerbehinderte Menschen in Jobs vermittelt. Laumann lobte diese Bemühungen und hob hervor, dass es noch keine echte Chancengerechtigkeit gebe. „Es gibt noch viele Vorurteile“, so der Minister.

Der Geschäftsführer der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, Torsten Withake, sagte, es gehe noch immer zu selten um die Stärken eines Menschen. „Die Behinderung rückt in den Vordergrund, dabei sollte die Kompetenz im Mittelpunkt stehen.“ Er plädierte dafür, mehr darauf zu achten, was ein Mensch mitbringt – und nicht von vorneherein einen Fokus darauf zu legen, was ihm fehle.

Laut Jobcenter-Leiter Ingo Zielonkowsky sind seine Vermittler häufig damit konfrontiert, dass Arbeitgeber sich gar nicht erst über die Fördermöglichkeiten informieren, die sie bei der Einstellung eines Schwerbehinderten bekommen können. Viele zahlten sogar lieber gleich die Ausgleichszahlung, die fällig wird, wenn sie die vorgeschriebene Quote schwerbehinderter Arbeitnehmer nicht erfüllen. Pro Arbeitsplatz können das bis zu 320 Euro monatlich sein. Das sei umso unverständlicher, sagt Zielonkowsky, als man für viele Beeinträchtigungen Lösungen und Ideen bereithalte. Das reicht von der behindertengerechten Ausstattung des Arbeitsplatzes mit Assistenz-Systemen oder Vergrößerungs-Bildschirmen für Sehbehinderte bis zum barrierefreien Zugang zum Arbeitsplatz.

Acht Mitarbeiter kümmern sich im Jobcenter speziell um die Belange behinderter Menschen. Unter ihnen ist auch Katharina Gurzinski, die selbst eine Sehbehinderung hat und stets mit Blindenführhündin Bella ins Büro kommt. Einerseits mache sie das für viele Betroffene authentisch, sagt sie selbst: „Denen macht das Gespräch mit mir Mut.“ Anderen sei es dagegen gar nicht recht: „Denn ich rede auch mal ganz schön Tacheles, wie es andere vielleicht nicht täten.“