Düsseldorf: Joachim-Erwin-Straße in Derendorf?

Düsseldorf : Joachim-Erwin-Straße in Derendorf?

Schon lange wird diskutiert, wie der 2008 verstorbene Oberbürgermeister geehrt wird. Auch bei der Podiumsdiskussion der RP im Maxhaus kam das Thema zur Sprache. Dabei wurde auch ein neuer Vorschlag gemacht.

Der im Amt verstorbene Oberbürgermeister Joachim Erwin könnte im Umfeld des neuen Fachhochschul-Campus an der Münsterstraße in Derendorf oder beim Weiterbau des Quartier Central in Pempelfort geehrt werden. Diesen Vorschlag hat Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) bei der RP-Diskussion im voll besetzten Maxhaus am Dienstagabend gemacht. Dort war aus dem Publikum die Frage gestellt worden, ob nicht ein oder gar der zentrale Bereich des Planungsgebiets Kö-Bogen II nach Erwin benannt werden könne. Viele Bürger verbinden den CDU-Politiker mit der Entwicklung der neuen Innenstadt.

Offenbar nimmt die Neigung, Erwin an dieser zentralen Stelle zu ehren, jedoch ab. So wurde bei der Podiumsdiskussion eher davon ausgegangen, dass der schräg vor P & C entstehende Platz nach dem Kurfürsten Jan Wellem benannt werden sollte. Da sich hier ein wichtiger Zu- und Ausgang zur Stadtbahn sowie Straßenbahnhaltestellen befinden werden, ist eine sehr hohe Zahl an Passanten zu erwarten. An dieser zentralen Stelle zieht man im Rathaus Jan Wellem, der nach der Entstehung der Libeskind-Bauten "seinen" Platz verloren hat, vor.

Die FDP-Bürgermeisterin wies in ihrer Antwort darauf hin, "dass Jan Wellem auch viel länger verstorben ist. Erwin muss nicht unbedingt in der Innenstadt geehrt werden. Ich denke, am neu entstehenden Campus der Fachhochschule in Derendorf ließe sich eine gute Gelegenheit finden, Erwin angemessen zu würdigen. Dieser Ort befindet sich auch am Rande des Wegs, den er auf dem Weg von Rath ins Rathaus nahm."

Bei der Familie stößt die Idee auf ein verhaltenes Echo. Die Witwe Hille Erwin betont, man fände es besser, wenn es eine Ehrung in der Innenstadt geben könnte. OB Dirk Elbers hatte im Sommer angekündigt, sich mit der Familie Erwin und auch den Angehörigen des 2010 verstorbenen Stadtoberhaupts Josef Kürten zusammenzusetzen. Dies ist noch nicht geschehen.

Erwin selbst hatte Straßen seiner Vorgänger Klaus Bungert und Peter Müller in der Airport-City eingeweiht. Dass es bei Diskussionen um ihn selbst nun um prominentere Orte geht, hat mit zwei Dingen zu tun: Das schwere Leid des verdienten OB durch seine Krebserkrankung hat berührt, zudem schlug nur wenige Monate nach seinem Tod sein Parteifreund Olaf Lehne vor, die Flughafen-Brücke in Erwin-Brücke umzubenennen — das wäre ein großer Wurf gewesen. Weil aber unter anderem die Stadt Meerbusch nicht eingeweiht war, blockte der damalige Landesverkehrsminister Lutz Lienenkämper ab.

Seitdem ist die Situation verfahren. OB Dirk Elbers will sich nicht zum Verfahren äußern, da man solche Fragen intern klären wolle. Er hat aber im Sommer klar gemacht, dass etwa eine Allee ohne Häuser und damit Adressen — wie am Kö-Bogen — für ihn keine würdige Ehrung darstelle. Wie aus der Verwaltung zu hören ist, ist auch eine Ehrung in Pempelfort/Derendorf mangels Möglichkeiten eher unwahrscheinlich. Im Maxhaus zitierte SPD-Fraktionschef Markus Raub dazu Erwins Testament: "Streitet Euch nicht um eine Straße oder eine Hausnummer für mich!"

(RP)