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Karneval und Schützenfeste: Jetzt ist das ganze Düsseldorfer Brauchtum beunruhigt

Karneval und Schützenfeste : Jetzt ist das ganze Düsseldorfer Brauchtum beunruhigt

Die Karnevalisten in Düsseldorf-Itter erfuhren vor kurzem, welche Maßnahmen sie zur Sicherheit ihres Veedelszuges ergreifen müssen. Wer die Kosten dafür übernehmen soll, ist unklar. Auch die Schützen müssen sich auf neue Regeln einstellen.

Wegen der Terrorgefahr müssen sich die Organisatoren von Karnevalsumzügen an neue Regeln gewöhnen - die wohl auch für die Feste der Schützen gelten werden. Die Veranstalter des Veedelszochs durch Itter müssen mehrere Barrieren gegen Anschläge mit Lastwagen aufstellen. Das erfuhren sie am Freitag bei einer Begehung mit Ordnungsamt, Polizei und Feuerwehr. "Wir müssen an vier Stellen Hindernisse aufstellen", sagt Zugleiter Uwe Linß. Eine Kreuzung kann dabei durch einen Traktor mit beladenem Anhänger abgesperrt werden. Für die anderen drei neuralgischen Punkte müssen die Itteraner, die ihren Zug nicht durch einen Verein, sondern durch nachbarschaftliches Engagement organisieren, Lastwagen oder Bauschuttcontainer besorgen.

Zum Streitpunkt werden vor allem die Kosten. Linß ärgert das mangelnde Entgegenkommen der Behörden. So müssen die als Sperren fungierenden 7,5-Tonner oder die Bauschuttcontainer zusätzlich versichert werden. Einziges Zugeständnis: "Wenn wir alle Auflagen erfüllen, will sich die Stadt um alles weitere kümmern, wie beispielsweise die Absprache mit der Rheinbahn." Ob die Itterer, deren Zug zum 25. Mal durch den Stadtteil laufen soll, tatsächlich alle Auflagen umsetzen können, wird sich im Laufe der kommenden Woche zeigen.

Die Vertreter von fünf Karnevalsvereinen hatten am Donnerstag erfahren, dass sie an Kreuzungen entlang der Zugwege schwere Hindernisse postieren müssen. Das verlangen die Behörden als Folge des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt.

Die Mitglieder der Bezirksvertretung 9 - in ihrem Beritt liegen gleich zwei betroffene Züge - haben am Freitag einstimmig eine Resolution verfasst. Oberbürgermeister Thomas Geisel und seine Verwaltung sollen gewährleisten, dass kein Zug wegen zu hoher Auflagen ausfällt und die Kosten dafür nicht an den Ehrenamtlern hängen bleiben. Geisel hatte angekündigt, dass die Gespräche weiterlaufen. Seiner Ansicht nach ist Schutz vor Terror eine öffentliche Aufgabe und keine Aufgabe der Vereine.

Auch die Vertreter des Sommerbrauchtums sehen die verschärften Auflagen mit Sorge. Britta Damm, die Chefin der Interessengemeinschaft der Schützenvereine (IGDS), ist alarmiert. "So sehr unterscheidet sich ja ein Schützen- nicht von einem Karnevalsumzug." Damm geht deswegen davon aus, dass auch auf die Schützen neue Anforderungen zukommen. Sie will in der kommenden Woche beim Ordnungsamt nachfragen. Klar ist für sie, dass hohe vier- oder sogar fünfstellige Summen für Lkw oder Container so manchen Verein in die Bredouille bringen werden. Die Frage sei, welche Konsequenzen dies haben werde. Werden weitere Feste zusammengelegt? Damm würde das bedauern. "Wir haben immer gesagt, wir wollen uns unsere Art, zu leben und zu feiern, nicht von Terroristen kaputt machen lassen. Jetzt kommt es vielleicht doch so."

Lothar Inden, der Chef des größten Düsseldorfer Schützenvereines, der St. Sebastianer von 1316, warnt aus dem gleichen Grund vor übertriebenen Maßnahmen. "Am Ende kann man nicht alles verhindern." Die St. Sebastianer bringen zur Absicherung der Rheinkirmes bereits jetzt weit mehr als 100.000 Euro auf, der Umzug über die Brücke und über die Kö in den Hofgarten wird aber kaum geschützt. Auch Inden will bei den Behörden nachhören. Schausteller-Chef Oliver Wilmering sorgt sich vor allem um die kleinen Feste. Die Veranstalter müssen die steigenden Kosten auf die Beschicker und damit wohl die Kunden umlegen, befürchtet er. "Dadurch drohen die Stadtteil-Feste, kaputtzugehen."

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(RP)