Jeder achte Düsseldorfer ist überschuldet

Schulden-Atlas: Jeder achte Düsseldorfer ist überschuldet

Fast 75.000 Menschen in der Landeshauptstadt werden von zu hohen Schulden geplagt. Und es gibt einen Hauptschuldigen: die steigenden Wohnkosten.

Im vergangenen Jahr waren 12,11 Prozent aller Verbraucher in Düsseldorf überschuldet. Damit ist rund jeder achte Einwohner betroffen. Das geht aus dem neuesten SchuldnerAtlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor. Der Anteil der überschuldeten Haushalte in der Landeshauptstadt ist zwar seit einigen Jahren rückläufig, doch liegt er immer noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt, der 2018 rund zehn Prozent betrug. Einer der Hauptgründe für die hohe Überschuldungsquote sind die steigenden Wohnkosten. So verteuerten sich Wohnungsmieten in Düsseldorf zwischen 2011 und 2017 um ganze 28 Prozent für Wohnraum zwischen 81 und 120 Quadratmetern und 26 Prozent für kleinere Wohnungen bis 40 Quadratmeter. Im gleichen Zeitraum betrug der allgemeine Preisauftrieb gerade einmal knapp sieben Prozent. Auch die Kaufpreise für Wohnungen stiegen sehr kräftig an und verteuerten sich seit 2011 um fast 60 Prozent. Die Verschärfung der Situation auf dem Wohnimmobilienmarkt „wird immer mehr zum mittelbaren oder sekundären Überschuldungsauslöser“, schreibt Creditreform. „Die Überschuldungslage im Regionalraum Düsseldorf bleibt besorgniserregend“, erklärt Jan Stenmans, Geschäftsführer von Creditreform Düsseldorf/Neuss.

„Trotz bester konjunktureller Rahmenbedingungen und Niedrigarbeitslosigkeit ist die Zahl überschuldeter Menschen gestiegen. Einzig in der Stadt Düsseldorf sind Überschuldungsquote und Überschuldungsfälle zurückgegangen.“ Allerdings stammten in der Landeshauptstadt immer mehr überschuldete Personen aus den „gehobeneren Schichten“ der Gesellschaft, auch wenn diese oftmals eine weitere Verschärfung ihrer Überschuldungslage verhindern könnten. So kamen im vergangenen Jahr insgesamt 15.500 Menschen aus dieser Personengruppe, ein Plus von 600 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig sind die Zahlen der Überschuldungsfälle in Düsseldorf in der sogenannten Mittelschicht rückläufig. Aus diesem Personenkreis waren 2018 mit 41.100 insgesamt 600 Bürger weniger überschuldet als noch ein Jahr zuvor. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Beziehern niedrigerer Einkommen. Auch dort fiel die Zahl der Überschuldungsfälle um 100 auf 5.900. Problematisch ist auch die Überschuldung im Alter. Während die Zahl überschuldeter Privatpersonen unter 30 Jahren im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen ist, stieg sie bei Schuldnern über 60 Jahren hingegen kräftig an. „Altersüberschuldung und Altersarmut gehen offensichtlich weiterhin Hand in Hand“, sagt der Vertreter von Creditreform. So müssten immer mehr ältere Menschen im Rahmen von geringfügiger Beschäftigung arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Viele von ihnen seien sogar mehrfachbeschäftigt. „Der Grund dafür ist, dass bei vielen das Leistungsniveau der gesetzliche Rentenversicherung nicht mehr ausreicht“, so die Wirtschaftsauskunftei.

Da sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland im laufenden Jahr voraussichtlich verlangsamen wird, könnte sich die Problematik der Überschuldung allerdings wieder verschärfen. Auch vom Immobilienmarkt in Düsseldorf ist keine Entlastung zu erwarten. Mieten und Kaufpreise für Wohneigentum dürften auch weiter deutlich stärker steigen als der allgemeine Preisauftrieb. Insofern steht die „Überschuldungsampel“ von Creditreform für viele Verbraucher in Düsseldorf auf Rot.

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