Düsseldorf: Jazz Rally rockt die Stadt

Düsseldorf: Jazz Rally rockt die Stadt

Die 20. Auflage zeigte sich zum Jubiläum noch einmal von ihrer besten Seite: Die Musiker bestachen durch hohe Qualität, mehr als 300 000 Gäste zeigten sich bei Prachtwetter leger und entspannt, die Stimmung war in der gesamten Stadt einzigartig.

Es war ein bittersüßer Sonntagabend für Ali Haurand — bittersüß wie Jazz. Der künstlerische Leiter der 20. Jazz Rally hätte mit Ehefrau Doris seinen achten Hochzeitstag feiern können, doch so richtig war ihm nicht danach zumute. Nicht nur, weil er während der Jazz Rally arbeiten musste, sondern aufgrund eines Trauerfalls: Der Pianist Robert van den Broeck, mit dem Haurand eine 40-jährige Freundschaft verband, war am 30. April an den Folgen einer kurzen, schweren Krankheit gestorben. Bei der Jazz Rally sollte van den Broeck eigentlich Sonntag mit Haurand und Klaus Doldinger in der Deutschen Oper am Rhein spielen, im Programmheft war er noch angekündigt. Sein Tod war so überraschend und für Haurand schockierend: "Ich hatte überlegt, das Konzert abzusagen", sagte der 68-Jährige.

Er tat es nicht und so wurde es ein bittersüßer Abend im Foyer der Oper, in dem etliche Besucher auf dem Boden sitzen mussten, während sich vor der Tür eine lange Schlange bildete. Drinnen zupfte Haurand den Bass und Doldinger widmete sich seinem Saxophon mit vollem Körpereinsatz: Mal streichelte er es wie ein Geliebte, mal schüttelte er es wie einen Feind. Den Platz am Piano, den van den Broeck hätte besetzen sollen, übernahm Passport-Spieler Christian Elsässer, der kommenden Sonntag beim Musikpreis Echo-Jazz als Instrumentalist des Jahres ausgezeichnet wird.
Ebenfalls ein Meister am Klavier ist Dieter Falk. Der Düsseldorfer hatte am Samstag mit seinen Söhnen Max und Paul sowie dem Gitarristen Christoph Terbuyken in die Johanneskirche zu "Celebrate Bach” eingeladen. Das Publikum war fast von der ersten Minute an aus dem Häuschen, die Zuhörer klatschten rhythmisch mit, sprangen auf und "groovten" in der Kirche, genauso wie Falk sie aufgefordert hatte.

Überhaupt zeichnete sich die Jubiläumsauflage der Jazz Rally durch beste Stimmung in der gesamten Stadt aus. Das Wetter tat mit sommerlichen Temperaturen und reichlich Sonnenschein am gesamten Pfingstwochenende sein übriges dazu. Gut gelaunte Musiker trafen auf entspannte und legere Fans. Bestes Beispiel: Im schicken Breidenbacher Hof sang Judy Rafat im bodenlangen grünglitzernden Abendkleid, während die Gäste in kurzen Hosen und Flip Flops lauschten.
Insgesamt zählten Polizei und Feuerwehr mehr als 300 000 Gäste in der Stadt. "In der Regel kommen 50 Prozent der Zuschauer aus einer Entfernung von 50 Kilometern oder mehr", sagte Otto Lindner vom Veranstalter Destination Düsseldorf. Lindner wies noch einmal darauf hin, dass die Jazz Rally — im Gegensatz zu anderen ähnlichen Konzertreihen in anderen Städten — "nicht einen Cent aus der öffentlichen Hand" bekäme. "Düsseldorf zeigt als schuldenfreie Stadt, wie man Kultur kommerziell auskömmlich gestalten kann", sagte Lindner.

Das funktioniert bei der Jazz Rally durch Sponsoren, die für einen Etat von 1,2 Millionen Euro sorgen und so zum Beispiel Auftritte von Top-Stars wie Rea Garvey ermöglichen. Der irische Sänger rockte am Freitagabend den Hangar 8 am Flughafen. "Er hat das Publikum in seinen Bann gezogen", konstatierte Tanja Vogt von Vodafone. Das schaffte am Burgplatz aber auch der nigerianische Brite Ola Onabulé, der mit einer Kombination aus souliger Stimme und Jodelei überraschte.

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Doch auch die weniger bekannten Musiker sorgten überall in der Stadt für prächtige Stimmung. An den Kasematten brachten "Volle Kanne" am Sonntag die Gäste des Frankenheim-Ausschanks zum Beispiel mit "Sternenhimmel" von Hubert Kah ebenso zum Mitsingen wie tags zuvor die "Jazzkantine" im Schlösser-Quartier Bohème mit einer Jazz-Version von "Hoch auf dem gelben Wagen".

Einfach mitzusingen sind auch die Lieder von Volker Rosin, der die Kinder auf dem Marktplatz begeisterte. Die siebenjährige Johanna intonierte mit ihm den Song "Ich hab' Hände, sogar zwei, und auch Haare mehr als drei" und als das Mädchen die letzten Zeilen alleine sang, erntete es Riesenapplaus.

Frenetischen Jubel gab's auch bei der Funky Glenfiddich After Show Party mit Mardi Gras BB — da flog fast das Dach vom Breidenbacher Hof. Das wollte sich auch Doldinger nicht entgehen lassen. Bis zum frühen Morgen saß der 76-Jährige noch bei der Party und wurde so seiner Rolle als Schirmherr der Jubiläums-Rally voll gerecht.

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