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Düsseldorf: Japanischer Club: Ein Ort der Begegnung

Düsseldorf : Japanischer Club: Ein Ort der Begegnung

Seit 50 Jahren ist der Verein wichtige Anlaufstelle für Mitglieder der japanischen Gemeinde. Aber auch Bürger anderer Länder kommen, um japanische Kultur, Sportarten oder Küche zu erleben. Am Samstag wird das Jubiläum gefeiert.

Im Saal steht gerade Tai Chi auf dem Programm. Eine Japanerin mittleren Alters huscht leicht verspätet hinein. In der Bibliothek stöbert ein Junge in den japanischen DVDs und Büchern. Neben der gemütlichen Sitzgruppe hängen die tagesaktuellen Zeitungen aus Japan. Die rote Küche, in der regelmäßig Kochkurse stattfinden, ist heute leer. Wer an dem Bürogebäude an der Ecke Ost-/Friedrich-Ebert-Straße vorbeigeht, vermutet kaum, dass das gesamte Erdgeschoss voll ist mit japanischem Alltagsleben. Willkommen im Japanischen Club!

Seit fünf Jahrzehnten gibt es den Düsseldorfer Verein. Besonders in den Anfangstagen war er wichtig für die damals nur einige hundert Mitglieder zählende japanische Gemeinde in Düsseldorf. Sie arbeiteten für Unternehmen, die nach Deutschland gekommen waren, um zu lernen, wie man vom Krieg zerstörte Industrie wieder aufbaut. "Sie mussten sich zusammentun, um überleben zu können", sagt Katsuya Okano augenzwinkernd. Denn zum Überleben braucht ein Japaner fern der Heimat vor allem eins: die richtigen Zutaten für japanisches Essen.

Okano ist Geschäftsführer der Deutschland-Zentrale des japanischen Handelsunternehmens Mitsui und seit einem Jahr Präsident des Japanischen Clubs. "Tofu ist heute populär und überall zu bekommen. Damals musste man es selbst zubereiten", nennt er ein Beispiel. Wie das geht, weiß Yukari Uchima, die Stellvertreterin von Michio Ito, des Hauptgeschäftsführers des Japanischen Clubs: Sojabohnen, Wasser und Salz müssen gekocht, püriert und gepresst werden. "Mindestens eine Stunde dauert das", sagt Uchima. Längst gibt es Tofu nicht nur in asiatischen Supermärkten. Außerdem haben die Japaner in Düsseldorf eine reiche Auswahl an Restaurants mit der Küche ihrer Heimat. Auch das war vor Jahrzehnten anderes. Deshalb betrieb der Japanische Club ab 1964 bis 2005 sogar ein eigenes Restaurants. So wie die Zahl der Japaner in der NRW-Landeshauptstadt gestiegen ist — mit 6500 nach London die zweitgrößte Gemeinde in Europa —, sind auch die Mitglieder des Japanischen Clubs mehr geworden: Laut Michio Ito sind es rund 4500 Einzelpersonen und 250 unterstützende Unternehmen. Unter den Mitgliedern sind etwa 150 Deutsche. Aber auch andere Nationalitäten sind vertreten: "Beim Brett-Spiel Go gibt es eine Gruppe mit einem Koreaner, einem Chinesen, einem Russen und einem Polen", sagt Uchima. "Bei uns können sich Freundschaften zwischen Japanern und anderen Nationalitäten entwickeln", betont Präsident Okano. Das gehört zu den Zielen des Clubs. Außerdem natürlich, den hier lebenden Japanern ein Stück ihrer Heimat zu geben und bei Fragen des Düsseldorfer Alltags, etwa bei Behördengängen, zu helfen.

Am Samstag wird das Jubiläum des Japanischen Clubs in der Residenz des Generalkonsuls Kaoru Shimazaki mit fast 200 geladenen Gästen gefeiert. Eine Festbroschüre gibt es auch. Die ist zwar hauptsächlich auf Japanisch abgefasst. Doch die Schreiben der prominentesten Gratulanten sind auch auf Deutsch abgedruckt: "Der Japanische Club hat sich um die deutsch-japanische Freundschaft und um unser Land Nordrhein-Westfalen verdient gemacht", schreibt Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Eine Seite weiter betont OB Dirk Elbers (CDU) die Rolle des Clubs für Düsseldorf: "Ohne das unermüdliche Engagement der zahlreichen ehrenamtlichen Unterstützer des Japanischen Clubs wäre eine Veranstaltung wie der Japan-Tag als größtes binationales Japanfest weltweit nicht denkbar."

(RP)